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Sturmböen und frühlingshafte Temperaturen: Das Wetter bremst die Skifahrer aus

Ein Föhnsturm peitscht am Urnersee das Wasser ans Ufer in Brunnen SZ. (Archivbild)

Ein Föhnsturm peitscht am Urnersee das Wasser ans Ufer in Brunnen SZ. (Archivbild)

Der Föhn klingt ab Mittwoch ab, kommt aber bereits am Freitag wieder zurück. Mit weissen Weihnachten wird es dieses Jahr nichts.

Um die 19 Grad warm war es am Dienstag in den Föhntälern der Alpen. In Giswil im Kanton Obwalden wurde gar die 20-Grad-Grenze geknackt. Auf den Pisten liessen sich diese frühlingshaften Temperaturen aber nicht geniessen: Der Wind war zu stark. Im Skigebiet Titlis beispielsweise mussten sämtliche Anlagen geschlossen werden, und auch in der Region Kleine Scheidegg im Berner Oberland standen die Bahnen still.

Am Mittwoch sollte sich die Lage beruhigen. Doch bereits am Freitag zieht wieder kräftiger Föhn auf, welcher den Wintersport erneut einschränken könnte. Am Wochenende sieht es dann wieder besser aus, was den Wind betrifft – doch Schnee bleibt nicht viel liegen. Meteorologe Heinz Maurer von Meteoschweiz sagt: «Am Freitag ist in den Föhntälern wieder mit Temperaturen von 19 bis 20 Grad zu rechnen.»

Warnungen wegen starken Windes sind in der Schweiz derzeit weit verbreitet.

Warnungen wegen starken Windes sind in der Schweiz derzeit weit verbreitet.

Rekord ist das nicht. Vor dreissig Jahren, am 16. Dezember 1989, wurden in Delémont 23,6 Grad gemessen. Doch alles in allem zeichnet sich bereits jetzt ab, dass dieser Dezember dennoch im langjährigen Vergleich sehr warm ist.

«Die aktuelle Woche mit gleich zwei Föhnlagen ist insgesamt sehr speziell», sagt Meteorologe Heinz Maurer. «Am Freitag wird es zwar in der Höhe einen Temperatursturz um ungefähr zehn Grad geben. Aber die Nullgradgrenze wird auch danach noch recht hoch liegen, bei ungefähr 1500 Metern.»

In den Niederungen steigen die Temperaturen voraussichtlich sogar ein wenig an. Derzeit liegt das Mittelland unter einem Kaltluftsee, der am Freitag weggeräumt wird. Für tiefere Lagen ist deshalb bereits klar: Für weisse Weihnachten ist es zu warm. Am Weihnachtstag und am Stephanstag kann es zwar Niederschläge geben, doch unter tausend Meter wird es Regen statt Schnee sein.

Die aktuellen Wetterkapriolen lassen sich nicht direkt auf den Klimawandel zurückführen – dessen Effekte zeigen sich erst im langfristigen Mittel. Es wird jedoch mit häufigeren und stärkeren Stürmen aufgrund der höheren Durchschnittstemperaturen gerechnet.

Windspitzen von über 160 Stundenkilometern

Der Föhnsturm in der Schweiz in der Nacht auf Dienstag brachte es bei der Wetterstation Gütsch ob Andermatt auf 167 Stundenkilometer, bei Meiringen auf 129 Stundenkilometer. Das zählt als Orkanböen. Ein richtiger Orkan hat allerdings nochmals viel mehr Wucht. Die Windspitzen des berühmten «Lothar» am 26. Dezember 1999 erreichten 272 Stundenkilometer. Die Bäume fielen damals buchstäblich reihenweise um. Innert Stunden fiel die vier- bis zehnfache Holzmenge einer Jahresproduktion an, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA schreibt. Aus Sicht der Natur war der Sturm aber nicht nur schlecht: Die Artenvielfalt der Wälder in den betroffenen Gebieten ist heute höher als zuvor, teilte die Waldforschungsanstalt WSL gestern mit.

«Lothar» war kein Föhn-, sondern ein Westwindsturm. Der letzte grosse Föhnsturm der Schweiz liegt weniger lange zurück: «Burglind» im Januar 2018 wehte mit bis zu 226 Stundenkilometern durchs Land.

In den vergangenen Tagen kriegten auch andere Länder die Gewalt der Naturkräfte zu spüren. Im Südwesten Frankreichs sind in Sturmböen und Überschwemmungen seit Freitag drei Menschen gestorben. 170000 Haushalte waren vorübergehend ohne Strom. In den USA gab es in Alabama und Louisiana drei Todesopfer wegen Stürmen.

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