Interview

Vertriebsleiter von Audi reagiert auf neue Marktlage: «Wir müssen alles in Frage stellen»

Der Audi e-tron GT kommt 2021. Er soll für Martin Sander die Werte der Marke Audi perfekt verkörpern.

Der Audi e-tron GT kommt 2021. Er soll für Martin Sander die Werte der Marke Audi perfekt verkörpern.

Die Absage des Genfer Autosalons zwingt auch Audi, neue Kanäle zu finden, um ihre Produkte zu bewerben. Vertriebsleiter Martin Sander erklärt, wie man auf die neue Ausgangslage reagiert und weshalb er zuversichtlich bleibt.

Das Gespräch mit Martin Sander, Vertriebsleiter bei der Audi AG, sollte eigentlich am Autosalon Genf stattfinden. Nachdem dieser wegen des Corona-Virus abgesagt wurde, ist das Interview per Telefon geführt worden. Das passt – denn Audi will neue Wege gehen. Nicht nur in der Kommunikation.

Der Autosalon in Genf wurde kurzfristig abgesagt. Was bedeutet das für einen Aussteller wie Audi?

Martin Sander: Das bedeutet zunächst, dass wir uns kurzfristig viel stärker auf Videokonferenzen und Online-Content fokussiert haben.

Und darüber hinaus?

Es war natürlich schon alles vorbereitet und wir haben viel Aufwand in unseren Auftritt bei dieser wichtigen Messe gesteckt. Trotzdem verstehen wir die kurzfristige Absage, das war richtig so. Nun nutzen wir unsere digitalen Kanäle, um unsere Neuheiten zu präsentieren.

Zur digitalen Kommunikation gehört auch der Werbespot «Let it go» für den e-tron Sportback. Er zeigt, wie Audi in die Zukunft startet. Wie soll diese aussehen?

Erfolgreich und emotional wird sie sein. Wir haben eine klaren Plan. Wir sind sicher, dass wir bei Audi mit unseren Händlern die Kunden auch in Zukunft begeistern werden - auch wenn sich sehr viel ändert.

Zur Person – Martin Sander Nach einem Maschinenbau-Studium begann Martin Sander seine berufliche Laufbahn 1995 als Projektmanager bei der Audi AG in Ingolstadt. Ab 2002 leitete er die Marketing-Kommunikation Deutschland und trat 2004 seine Position als Leiter Vertrieb Nordeuropa an. 2009 ging Sander als Präsident und CEO zu Audi Canada, bevor er 2012 die Leitung von Audi UK übernahm. 2013 kehrte Sander als Leiter Vertrieb Amerika nach Ingolstadt zurück und verantwortete ab September 2016 das Geschäft auf dem deutschen Markt. Von Januar bis Juni 2019 leitete er den Geschäftsbereich Vertrieb und Marketing. Seit 1. Juli ist er für den Vertrieb Europa verantwortlich. (pd)

Zur Person – Martin Sander

Nach einem Maschinenbau-Studium begann Martin Sander seine berufliche Laufbahn 1995 als Projektmanager bei der Audi AG in Ingolstadt. Ab 2002 leitete er die Marketing-Kommunikation Deutschland und trat 2004 seine Position als Leiter Vertrieb Nordeuropa an. 2009 ging Sander als Präsident und CEO zu Audi Canada, bevor er 2012 die Leitung von Audi UK übernahm. 2013 kehrte Sander als Leiter Vertrieb Amerika nach Ingolstadt zurück und verantwortete ab September 2016 das Geschäft auf dem deutschen Markt. Von Januar bis Juni 2019 leitete er den Geschäftsbereich Vertrieb und Marketing. Seit 1. Juli ist er für den Vertrieb Europa verantwortlich. (pd)

Was ändert sich?

Die ganze Automobilbranche steckt mitten in der Transformation. Da müssen auch wir als Audi uns verändern, was unser Produktportfolio angeht, was die Präferenzen unserer Kunden angeht, und wenn es darum geht, wie man Autos vermarktet und verkauft. Da haben wir einiges vor der Brust. . Insgesamt sehen wir es aber als Chance, neue Wege zu gehen. Und ich glaube, dass wir das sehr konsequent tun.

Neue Wege gehen, das heisst auch: loslassen. Was will Audi denn loslassen?

Wir müssen Alles, was althergebracht ist, was wir schon seit vielen Jahren, vielleicht schon seit Jahrzehnten, machen, in Frage stellen. Die Konzepte, die gut in der Vergangenheit funktioniert haben, sind nicht zwingend die adäquaten Vorgehensweisen für die Zukunft.

Was meinen Sie konkret?

Das bezieht sich unter anderem auf Antriebstechnologien: Wir sind seit langem erfolgreich mit Benzin- und Dieselmotoren. Doch die Zukunft gehört den batterieelektrischen Antrieben.

Und ausser der Technik?

Bisher haben wir ausschliesslich über unsere Handelsorganisation verkauft. Wir wissen aber, dass Kunden auch digital angesprochen werden und mit der Marke interagieren wollen. Also müssen wir das traditionelle Modell nur über den Handel loslassen, um neue Wege mit unseren Händlern und Kunden aufzubauen und zu etablieren.

Die Verkaufszahlen waren in den letzten Jahren nicht nur steigend ...

2019 und auch der Start ins aktuelle Jahr waren nicht rückläufig, hier haben wir gegenüber 2018 wieder ein Wachstum hingelegt. Der Beginn des Jahres 2019 war durch Modellwechsel noch ein bisschen durchwachsen, doch gerade im vierten Quartal haben wir die Verkäufe um 20% gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Wir haben also wieder erheblich zugelegt. 2020 liegen wir im Januar wieder über Vorjahr.

Und worauf sind die tieferen Zahlen davor zurückzuführen?

Wir haben unsere Modellpalette erneuert. Der A3 wird gerade neu aufgelegt, der Q3 ist noch ganz frisch am Markt. A6, A7 und Q8 wurden alle in den letzten 18 Monaten neu lanciert. Diese ­neuen Modelle sind die Basis für das Wachstum, das wir jetzt wieder zeigen.

Trotzdem ist Audi in der Schweiz und in Europa hinter die beiden wichtigsten Mitbewerber zurückgefallen. Woran liegt das?

Gerade in der Schweiz geht es uns nicht einfach darum, die Nummer eins bezüglich Volumen zu sein. Um jeden Preis mehr Autos zu verkaufen als der Wettbewerb, ist kein Unternehmensziel und macht unternehmerisch auch keinen Sinn. Wir schauen uns in der Schweiz und auch in allen anderen Märkten genau an, wo wir besonders stark sind, wo die profitablen Fahrzeugsegmente sind und wo die profitablen Kanäle für uns und für unsere Importeure und Händler sind. In anderen Segmenten halten wir uns dafür gerne zurück. Da habe ich auch absolut kein Problem damit, wenn ein Wettbewerber eine andere Strategie fährt und mehr Volumen umsetzt. Es geht uns um die Balance zwischen Volumen, Qualität und Profitabilität des Geschäfts

Ist das Flottenziel von 95 Gramm CO2/km machbar für Audi?

Das ist eine Herausforderung – aber wir sind auf Kurs.

Auch dank «Vorsprung durch Technik»?

Auf jeden Fall. Gerade bei der Elektromobilität werden wir diesem Leitsatz gerecht. Wir sind der erste der «klassischen Premium-Automobilhersteller», der ein reines E-Auto in diesem Segment auf den Markt gebracht hat. In seinem Segment ist der e-tron mit Abstand Marktführer in Europa. Das zeigt, dass er unseren Anspruch «Vorsprung durch Technik» hervorragend einlöst.

Was ist der nächste grosse Schritt?

Der e-tron GT kommt Anfang 2021. Er soll die sportliche und emotionale Speerspitze bei den Elektrofahrzeugen werden. Er verkörperte neue Technologien, tolle Fahrleistungen und hohe Reich­weite – aber auch einzigartiges Design.

Und warum brauchen Sie die Plug-in-Hybrid Autos noch?

In Märkten, wo die Ladeinfrastruktur noch nicht ausreichend ist, spielt der Plug-in-Hybrid eine grosse Rolle. Deshalb werden die Plug-in-Hybride noch für eine längere Zeit eine grosse Rolle spielen – weshalb wir das Angebot hier ausbauen. Mittel- und langfristig glaube ich aber, dass der batterieelektrische Antrieb an Bedeutung gewinnt.

Muss der Staat Anreize schaffen, auf ein E-Auto umzusteigen?

Eine sehr grosse Rolle spielt die Ladeinfrastruktur – wo diese gefördert wird, beobachten wir eine sehr schnelle Entwicklung. Auf der anderen Seite hilft natürlich eine finanzielle Unterstützung durch Rabatte oder Steuervorteile. Staatliche Anreize spielen hier also eine sehr grosse Rolle. Auch emotional.

Wie meinen Sie das?

Es ist wichtig für den Kunden, wenn nicht nur wir als Hersteller sagen, batterieelektrische Fahrzeuge sind die ­Zukunft, sondern auch der Staat diese Richtung forciert und entsprechend unterstützt.

Also ist die emotionale Kompo­nente auch hier ein Faktor – nicht nur bei den Autos an sich?

Emotionen spielen für jede Premium-Marke eine wichtige Rolle – das ist bei Audi nicht anders. Menschen kaufen sich unsere Fahrzeuge, weil sie einen Mehrwert für sich schaffen und weil sie Spass am Design und er Performance haben.

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