Umwelt

Viren, Sonne und Filmcrews lassen massenweise Tiere verenden

Freiwillige versuchen in Karikari Bay auf Neuseeland gestrandete Pilotwale zu retten.

Freiwillige versuchen in Karikari Bay auf Neuseeland gestrandete Pilotwale zu retten.

Die Natur kann brutal sein – etwa wenn sie Walen die Orientierung raubt. Doch manchmal haben auch Menschen die Finger im Spiel.

Mysteriöse Massensterben – das gibt es nicht nur unter den grössten Landsäugetieren, sondern auch im Wasser. Bei Walen sind es oft Strandungen, die ihnen zum Verhängnis werden. So sind im Juni zwanzig Grindwale bei den Hebriden in Schottland in seichtes Wasser geraten. Einige von ihnen strandeten und mussten von einem Tierschutzteam und Anwohnern ins Wasser zurückgebracht werden. Sieben der Wale überlebten nicht.

Wieso stranden Wale? Spekulationen dazu gibt es viele. Ein Faktor ist vermutlich Lärm, denn in den dunklen Tiefen des Ozeans orientieren sich Wale mittels Echoortung, also mit dem Gehör. Vom Lärm der Schiffe und Bohrplattformen werden sie regelrecht zugedröhnt. Auch für die Suche nach Erdölvorkommen und für militärische Übungen mit U-Booten werden die Meere beschallt. Da können Wale schon mal die Orientierung verlieren. Es soll auch vorkommen, dass sie wegen einer Lärmstörung zu schnell auftauchen, was tödlich sein kann.

Das Magnetfeld der Erde gerät durcheinander

Doch nicht immer ist der Mensch schuld. Störungen können auch ausserirdischen Ursprungs sein: Im Verdacht stehen Sonnenstürme, während deren die Sonne besonders viele elektrisch geladene Teilchen ausspuckt. Diese stören das Magnetfeld der Erde, an dem sich die Wale ebenfalls orientieren. Die grösste bekannte Massenstrandung bei Walen dürfte jedenfalls nicht auf Unterwasserlärm zurückgegangen sein. Sie fand im Jahr 1918 statt, als die Meere im Vergleich zu heute noch ziemlich still waren. Rund tausend Grindwale seien damals bei einer Inselgruppe in Neuseeland gestrandet.

Noch höher kann die Opferzahl bei Massensterben anderer Tierarten sein. Im März sind im US-Bundesstaat Missouri mehr als tausend Singvögel tot vom Himmel gefallen, vor allem Stare. Vermutlich waren sie in einen heftigen Sturm geraten. Banaler die Erklärung für jene 120 Stare, die im selben Monat im Thurgau verendet waren: wahrscheinlich sind sie mit einem Lastwagen kollidiert. In Basel ist dagegen in diesem Frühling die Vogelpest ausgebrochen und hat Tauben hingerafft. Dieses Virus bricht in der Schweiz alle paar Jahre aus, meist in einer Stadt. Die meisten Brieftauben werden dagegen geimpft.

Wie Disney einen Mythos schuf

Auf Viren fiel der Verdacht zuerst auch, als vor einigen Jahren in Grossbritannien Zehntausende tote Krabben angeschwemmt wurden. Doch die Untersuchungen ergaben, dass die Tiere an Unterkühlung gestorben waren. Solche Tragödien häufen sich, wenn wegen des Klimawandels das Wetter extremer zu schwanken beginnt.

Ganz so brutal wie ihr Ruf die Natur aber nicht immer. Das bekannteste aller Massensterben gibt es so nicht: Lemminge stürzen sich keine Abhänge hinunter. Der Mythos geht auf einen Disney-Film aus dem Jahr 1958 zurück. Die armen Tieren waren vom Filmteam eine Klippe heruntergeschleudert worden.

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