Was viele nicht wissen: Heiligabend war ursprünglich ein strenger Fastentag. Erst am 25. Dezember durfte richtig gesündigt werden. In vielen Familien wurde dann ein Schweinebraten zubereitet. Italien hat diese Tradition übrigens bis heute bewahrt: Hier wird mancherorts am 24. Dezember gefastet. Wer nicht gänzlich auf das Essen verzichtet, isst zumindest kein Fleisch.

Und wie begehen andere Länder kulinarisch das Weihnachtsfest? In Deutschland kommt traditionell eine Gans, ein Karpfen oder ganz einfach Kartoffelsalat mit Wienerli auf den Tisch. In Spanien gibt es gefüllten Truthahn, in Irland Spiced Beef und in Skandinavien Lutefisk, also eingelegten Kabeljau. Und ausserhalb Europas? Argentinien liebt sein Vitel toné, bei uns als Vitello Tonnato bekannt. Auf den Philippinen wird traditionell ein ganzes gegartes Schwein (lechon) serviert und zu den beliebtesten Weihnachtsessen in Venezuela gehört Hallacas, eine Mischung aus Fleisch und Teig, die in Bananenblätter eingewickelt und dann gedämpft wird.

Auffällig: In der ganzen Welt wird an Weihnachten vorzugsweise Fleisch gegessen. Und dafür gibt es einen Grund: Die gesamte Vorweihnachtszeit war ursprünglich eine Zeit des Fastens und des Verzichts. Erst am Fest der Liebe durfte wieder ausgiebig getafelt werden.

In der Schweiz gibt es kein traditionelles Weihnachtsgericht

Und in der Schweiz? Tja, hier gibt es kein typisches Weihnachtsgericht. Was die Sache einerseits vereinfacht, andererseits aber auch verkompliziert. Natürlich gibt es besonders beliebte Speisen: So gilt in der Romandie der Truthahn (oder auch anderes Geflügel) als Weihnachtsessen par excellence. Als Vorspeise wird vorzugsweise Foie gras gereicht. Und im Tessin sind Tortelloni oder Ravioli al Brodo (in der Bouillon) sowie der Kapaun, ein kastrierter Masthahn mit Senfsauce, populär – selbstverständlich mit Panettone als Dessert. In der Deutschschweiz – und immer mehr auch in den französisch- und italienischsprachigen Landesteilen – ist das Fondue Chinoise der Favorit in heimischen Stuben. Vorteil: Die Zubereitung bereitet kaum Arbeit, alle Zeit bleibt für das gesellige Beisammensein. Als Vorspeise werden hierzulande gerne Lachs oder Meeresfrüchte aufgetischt. Zu den beliebtesten Desserts gehören Glacés und exotische Früchte wie Ananas, Mango oder Papaya.

Was es in der Schweiz ebenfalls gibt, sind regional typische Weihnachtsessen. In Bern etwa ist die Berner Platte mit verschiedenen Fleischsorten, Dörrbohnen oder Sauerkraut und Kartoffeln gang und gäbe. Die Aargauer greifen gerne zu Pastetli mit Milken. Ganz allgemein lässt sich ein Trend zu einfachen und traditionellen Gerichten feststellen: Rollschinken mit Kartoffelsalat oder Schüfeli mit Sauerkraut und Kartoffeln stehen hoch im Kurs. Und natürlich darf das Weihnachtsgebäck nicht fehlen: Was wäre Weihnachten schon ohne Mailänderli, Spitzbuben und Zimtsterne?

Rezepte für klassische und doch besondere Weihnachtsgerichte

Doch noch immer steht die Frage im Raum, welche Leckerei denn nun in diesem Jahr gekocht werden soll. Hochwertiges Fleisch sollte ein Teil des Festmahls sein – es sei denn, jemand aus der Tafelrunde ist Vegetarier. Und: Das Gericht sollte im besten Fall nicht allzu aufwendig sein. Schliesslich steht besonders in der modernen hektischen Zeit besonders zu Weihnachten das gemütliche Beisammensein im Vordergrund. Doch es muss nicht immer Fondue Chinoise sein. Hier ein paar alternative Ideen, die zwar klassisch sind, aber doch das spezielle Etwas haben:

Wie wäre es zum Beispiel mit einem mit Marroni und Salsiccia gefüllten Truthahn, begleitet von ofengerösteten Kartoffeln, Rüebli, Pastinaken und Rosenkohl? Giessen Sie für die Sauce den Saft des Truthahns ab und köcheln Sie sie mit etwas Mehl und Bouillon.

Sie bevorzugen Schweinefleisch? Bereiten Sie einen Schinken zu und verleihen Sie ihm angesichts des festlichen Anlasses eine besondere Note, indem Sie ihn mit Honig veredeln. Und so geht das: Entfernen Sie die Haut vom Schinken und schneiden Sie das Fett rautenförmig ein. Stecken Sie in jede Kreuzung eine Nelke. Geben Sie zu gleichen Teilen dunklen Zucker und Honig sowie etwas Sherryessig und Marsala-Wein in eine Pfanne und erhitzen Sie alles sanft, bis der Zucker geschmolzen ist. Bestreichen Sie den Schinken mit der süssen Masse und rösten Sie ihn anderthalb bis zwei Stunden im Backofen. Dieses Gericht stammt übrigens aus den USA.

Auch immer fein und beliebt bei Gross und Klein: Kalbsfilet im Teig, idealerweise begleitet von Kartoffelgratin und Gemüse. Die Vorbereitung hierfür ist allerdings etwas zeitintensiver. Zunächst wird das Kalbsfilet rundum angebraten und anschliessend mit Salz, Pfeffer und Senf gewürzt. Danach geht es an die Füllung: Kleingeschnittene Pilze gemeinsam mit Thymian, Estragon und Peterli braten und mit Weisswein ablöschen. Dann mehrere Scheiben rohen oder gekochten Schinken auslegen, mit der Pilzmasse bedecken, das Kalbsfilet darauflegen, die zweite Hälfte der Pilzmasse auf das Filet streichen und zum Schluss das Paket zusammenrollen. Das Ganze wird nun auf den ausgewallten Teig gelegt und eingewickelt. Mit verquirltem Eigelb bestreichen, ab in den Ofen – und nach einer halben Stunde ist das Filet im Teig fertig.

Wem das bereits zu kompliziert ist, der versuche es mit einem feinen Kalbshackbraten. Vermischen Sie dazu Hackfleisch mit Ei, Semmelbröseln, Salz, Pfeffer, Peterli und Oregano. Geben Sie kleingehackte Peperoni dazu und verkneten Sie alles zu einem glatten Teig. Nun die Masse in eine Auflaufform füllen und circa 40 Minuten im Ofen garen. Dazu passt perfekt selbstgemachter Kräuterquark.