Mode

Welche Masken sind diesen Sommer in? Wir machen den grossen Stil-Check

Welche Maske darf es denn nun sein?

Welche Maske darf es denn nun sein?

Die Maskenpflicht ist kein Grund, die modische Fassung zu verlieren. Stoffmodelle sind punkto Stil und Ökologie eine sichere Sache.

Masken sind das Ding der Stunden; die einen werden unanständig reich damit, andere regen sich ständig darüber auf und die Dritten fragen sich, wie man mit einer solchen Maske anständig durch den Pendlerverkehr kommen soll.

Wie auch immer, wir kommen alle nicht darum herum, uns mit diesen Schnutenpullis, Virenfängern und textilen Maulkörben zu befassen. Innerer Widerstand hin, Freiheitsgedanken her, es wird Zeit, sich auch mal aus stiltechnischer Sicht mit dem Spuckschutz zu befassen. Denn ein Stoff, der mehr als die Hälfte des Gesichts bedeckt, hat durchaus eine ästhetische Betrachtung verdient.

Wer jetzt einwendet, das sei total am virologischen Ziel vorbeigeschossen, dem sei gesagt, dass Unterhosen auch aus hygienischen Gründen getragen werden, trotzdem haben sich die meisten von Einwegmodellen aus Papier verabschiedet.

Womit wir bei der ersten Frage wären: medizinische Einwegmaske oder textile Mehrwegmasken? Die einen kauft man im aus China importierten 50er-Pack zu überrissenen Preisen. «Dreilagig, atmungsaktiv, unisex und medizinisch schön», umschreibt ein Anbieter online sein Angebot.

© Keystone

Andere haben auf ihren Verpackungen so viele Abkürzungen in Grossbuchstaben, dass man meint ein technisches Gerät zu kaufen. Zertifiziert nach EN14683 mit 98 Prozent Bakterienfilter-Effizienz oder lieber FFP2 mit Vier-Schicht-Filtrationssystem?

Schöner wird man mit diesen Modellen ganz sicher nicht. Dafür befindet man sich spitalhygienisch auf der sicheren Seite. Den grössten Nachteil der Papiermasken kann man aber schon jetzt am Strassenrand sehen, sie verursachen Abfall. Die Einwegmaske ist das Plastiksäckli des neuen Jahrzehnts. Kaum benutzt, schon weggeschmissen.

Aus ökologischer und ästhetischer Sicht die bessere Wahl

Je länger die Maskenpflicht andauert, desto mehr werden die blauen Papiermasken wirken, als würden wir im Pyjama zum Bäcker gehen. Kann man machen, zeugt einfach nicht von viel Stil.

Eine aus ökologischer und ästethischer Sicht bessere Wahl sind sogenannte Behelfs- oder Community-Masken aus Stoff. So nennt man medizinal-hygienisch nicht zertifizierte Masken, mit denen man nicht operieren sollte, aber sehr gut Zugfahren kann.

Stoffmasken hielten im Labor, sofern sie mehrlagig genäht waren und eng anliegen, bis zu 70 Prozent der Tröpfchen in beide Richtungen auf. Und sogar selbstgemachte Maske aus einem Baumwoll-T-Shirt filtern noch rund die Hälfte der virenähnlichen Mikroorganismen, gute Anleitungen dazu findet man auf Youtube.

Dass so eine Stoffmaske zu mehr taugt als zur Virenbarriere, haben Politiker als Erste erkannt. Angela Merkel schmunzelte unter einer blauen eu2020.de-Maske hervor und Ministerpräsident Markus Söder band sich gleich die halbe bayrische Flagge um den Mund.

© Keystone

Auch die Masken des deutschen Labels Phyne machen mit aufgedruckten Statements wie «Wear it like a crown» oder «Fearless Future» von sich reden.

Phyne

Angesagte Statement-Masken der Berliner Marke, mit schlauen Sprüchen bedruckt. Der Erlös wird vollumfänglich gespendet. Ab 9 Euro.

Angesagte Statement-Masken der Berliner Marke, mit schlauen Sprüchen bedruckt. Der Erlös wird vollumfänglich gespendet. Ab 9 Euro.

Gerade lässt jedes Kleiderlabel, das etwas auf sich hält, aus seinen Stoffresten Behelfsmasken nähen. Ist gut fürs Image, gut für die auftragslosen Näherinnen und gut für die Volksgesundheit. Noch ein Plus der Stoffmasken: Viele kleine Labels spenden einen Grossteil des Erlöses an Gesundheitsorganisationen.

Doch es gibt auch negative Beispiele. Der Online-Modehändler Farfetch hat erst kürzlich die Masken des Labels Off-White aus dem Sortiment genommen, weil diese zum Teil über 1000 Euro kosteten, ohne dass dafür Spenden vorgesehen waren.

Besser macht es das St. Galler Designerlabel Akris. Zwar kosten seine Premiummasken mit integriertem Filter und speziellem Komfortschnitt rund 100 Franken, aber die Hälfte davon wird an den «Children’s Defense Fund» gespendet. Kaum nötig zu erwähnen, dass die Masken farblich zur aktuellen Sommerkollektion des Labels passen.

Akris

Das St. Galler Fashion-Unternehmen bietet Hygienemasken aus feinstem Baumwoll-Voile an.

Das St. Galler Fashion-Unternehmen bietet Hygienemasken aus feinstem Baumwoll-Voile an.

Eine Pandemie allein ist ja noch kein Grund, gleich die modische Fassung zu verlieren.

Designermasken made in Switzerland

Das dachte sich auch der Zürcher Designer Julian Zigerli. Um die «Gesundheit und Schönheit» seiner Kunden zu erhalten, lancierte er rund 20 verschiedene Masken mit knallbunten Prints aus seiner Kollektion. Damit sticht man garantiert aus der Maskenherde im Stossverkehr heraus.

Julian Zigerli

Der Zürcher Designer lässt in Zürich aus den Stoffen seiner Kollektion knallbunte Fashion-Masken nähen. Ab 39 Franken.

Der Zürcher Designer lässt in Zürich aus den Stoffen seiner Kollektion knallbunte Fashion-Masken nähen. Ab 39 Franken.

Ob man jedoch im Sommer wirklich durch die Stoffresten eines Cordmantels atmen will, so gesehen beim schweizerisch-russischen Label Steinrohrer, sei jedem selber überlassen. Generell atmet es sich durch die meisten Stoffmasken gut, werden sie jedoch feucht, sollten sie unbedingt ausgewechselt und heiss gewaschen oder gebügelt werden.

Wer Design mit Sicherheit verbinden will, der wird beim Schweizer Haute-Couture-Stoffhersteller Jakob Schläpfer fündig. Genäht nach den Empfehlungen der Swiss National Covid-19 Science Task Force, geprüft durch die Empa, und je nach Geschmack mit Spitzen oder Pailletten bestickt. Mehr kann man von einem Spuckschutz wirklich nicht verlangen.

Jakob Schläpfer

Feinste Stoffe von Ostschweizer Traditionsunternehmen, dazu kombiniert mit Empa-geprüfter Filtertechnologie. Im Dreierpack ab 75 Franken.

Feinste Stoffe von Ostschweizer Traditionsunternehmen, dazu kombiniert mit Empa-geprüfter Filtertechnologie. Im Dreierpack ab 75 Franken.

A Happy Thing

Das Schweizer Label lässt die Masken in Hongkong in kleinen Stückzahlen produzieren. Inklusive austauschbarer Filter für 30 Anwendungen. Ab 33 Franken.

Das Schweizer Label lässt die Masken in Hongkong in kleinen Stückzahlen produzieren. Inklusive austauschbarer Filter für 30 Anwendungen. Ab 33 Franken.

Autor

Katja Fischer De Santi

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