Paarkonflikt

Weshalb Männer nicht gerne aufräumen – und Frauen sich darüber ärgern

Voll gelebte Papi-Zeit. Gehört die Hausarbeit auch zum perfekten Vatersein?

Voll gelebte Papi-Zeit. Gehört die Hausarbeit auch zum perfekten Vatersein?

Das grösste Konfliktpotenzial für Paare mit Kindern liegt nicht in Erziehungsfragen, sondern in unterschiedlichen Vorstellungen von Haushaltsarbeit.

Die Anforderungen an Väter steigen: Sie sollen Teilzeit arbeiten und zu Hause noch präsenter sein. Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm findet in ihrem neuen Buch hingegen, Mütter müssen loslassen können, damit Väter ihre Verantwortung übernehmen können. Wir finden: Das tun die Väter doch bereits. Sie machen es gut – in der Schwangerschaftsvorbereitung, im Gebärsaal, bei der Kita-Eingewöhnung, beim Ins-Bett-Bringen, am Elternabend. Bloss in einer Ecke nicht: Dort, wo sich die Unordnung ausbreitet. Streit gibt es immer noch wegen der Haushaltsarbeit. Die bleibt immer noch an uns hängen, sagen die Mütter oft. Auch jene auf unserer Redaktion. Sie haben Antworten von den Vätern eingefordert.

Die schnelle Aufräumerin

Die Frage kommt meist am Abend, und ich kenne sie gut. «Weisst du wo?» Ja, weiss ich. Meistens unter dem Sofa. Egal was. Wahlweise auch mal in der Badewanne oder im Windeleimer. Das Spielzeug meines Sohnes verteilt sich während meiner Papi-Zeit gerne und oft in der Wohnung. Das Problem ist weniger, dass ich es nicht einsammeln würde. Vielmehr ist meine Partnerin einfach die schnellere Aufräumerin. Womit sie nach Naturkatstrophen eigentlich die bessere Zivilschützerin wäre als ich, der ausrücken muss, wenn Hochwasser zu viel Schlamm hinterlässt. Wasserschäden hingegen konnten mein Sohn und ich bisher verhindern, Chaos hinterlassen wir trotzdem. Und wir verlieren Dinge, oder besser gesagt: Wir finden einen neuen Platz für sie, quasi ein neues Zuhause. Denn wer sagt, dass sich farbige Holzkugeln nur in der «Chugelibahn» wohlfühlen. 

Dass das Chaos überhaupt programmiert ist, hat einen einfachen Grund: Während meine Freundin immer mal wieder eine Art Timeout nimmt, um die Spielfläche zu reinigen, ähnlich wie im Eishockey, wenn in der Pause das Eis neu präpariert wird, bin ich eher der Typ Tennisspieler in Wimbledon, wo der Rasen am Ende braun ist. Immerhin: Roger Federer gilt trotzdem als Vorzeigepapi. Da habe ich ja nochmals Glück gehabt.

Martin Probst ist Sportredaktor und Vater eines bald einjährigen Sohns. Jeweils am Dienstag und Mittwoch hat er Papi-Tag. Er lebt mit seiner Freundin in einer Mietwohnung.

Krach gibts nur mit Kindern

Bei uns zu Hause sieht es bestimmt nicht wie geschleckt aus und ich möchte auch nicht vom Boden essen müssen. Doch meine Frau und ich schaffen es, dass es wenigstens aussieht wie bei zivilisierten Menschen. Allerdings gilt das nicht fürs ganze Haus. Über zwei der drei Zimmer unserer drei Buben decke ich lieber den Mantel des Schweigens, und auch ins Bad der drei lassen wir ohne vorherige Inspektion, der sicher ein Befehl zum Putzen und Aufräumen folgt, keine Gäste. Was das Aufräumen betrifft, bin ich mit meiner Frau so gut wie immer einig. Und einer aus dem Nachwuchs kommt unseren Vorstellungen auch Schritt für Schritt näher.

Michael Wehrle wohnt mit Frau und drei Buben im Alter zwischen 20 und 15 Jahren im eigenen Haus in Baden und ist ausser dem mangelnden Ordnungssinn mit seinem Nachwuchs zufrieden.

Keine Kinder ohne Chaos

Ich liebe Kinder. Als unser erstes zur Welt kam, reduzierte ich auf ein tieferes Arbeitspensum als meine Lebenspartnerin und sorgte einen Tag mehr pro Woche für unser Baby. Beim zweiten war ich gar hauptsächlich Hausmann, während sie einem Vollzeitjob nachging. Brei kochen, Windeln wechseln, Kinderwagen schieben: gerne. Ich liebe Kinder. Und zu Kindern gehört Chaos. Mit eins räumen sie Schubladen aus. Mit zwei verteilen sie Gartengeräte ums Haus. Mit drei blockieren ihre liegen gebliebenen Fahrzeuge die Strasse. Mit vier ziehen sie sich abends selber aus und verstreuen die Kleider über sämtliche Zimmer.

Und so wird es bleiben, bis sie von zu Hause ausziehen, sagen mir erfahrene Eltern. Wer Kinder hat, muss dies akzeptieren. Denn wenn die Mutter beim Nachhausekommen als Erstes den Legopark wegräumt, den die Kinder in stundenlanger Arbeit mitten im Gang aufgebaut haben, führt dies zu Unmut. Ein bisschen mehr Chaostoleranz wäre entspannend für alle.

Obwohl, ein bisschen mehr Ordnung wäre manchmal auch nicht schlecht. Und dazu trägt meine Partnerin mehr bei als ich. Gleiche Rechte und Pflichten sind für mich im Prinzip selbstverständlich. Doch punkto Aufräumen gelingt es mir nicht, zu gleichen Teilen beizusteuern. Ich leg wohl nicht genug Wert darauf.

Wissenschaftsredaktor Niklaus Salzmann lebt mit seiner Partnerin und den beiden Söhnen (8 und 6 Jahre alt) in einer kleinen Genossenschaftswohnung am Stadtrand von Biel.

Keine Frage des Geschlechts

Meine Mutter hat mir beigebracht, wie man(n) aufräumt. Logisch hat sie mich dann und wann mahnen müssen. Aber ich habs gelernt und später auch angewendet. Und ich wende es heute noch an. Für mich ist es selbstverständlich, dass die Küche aufgeräumt ist, wenn ich für Gäste gekocht habe. Klar ist auch, dass ich meine dreckige Wäsche selber in den dafür bestimmten Korb lege, mein Bier- oder Weinglas aus dem Wohnzimmer in die Küche trage und in den Geschirrspüler stelle und weiteres mehr. Bin ich ein spezieller Mann? Nein, keineswegs. Weil ich keineswegs immer ordentlich bin. Manchmal gurkts mich einfach an und ich lass da und dort und noch an einem anderen Ort etwas liegen. Aber grundsätzlich finde ich, dass Aufräumen und Ordnunghalten keineswegs eine reine Frauensache ist. Und übrigens: Ich kenne mindestens so viele Frauen wie Männer, die dort, wo sie sich gerade bewegen, eine Unordnung hinterlassen. Ich bin überzeugt: Unordnung und «nicht Aufräumen» ist nicht eine Frage des Geschlechts, sondern der Erziehung.

Toni Widmer ist seit 38 Jahren verheiratet und hat übers Aufräumen noch selten gestritten.

Auch die Natur tendiert dazu

Garantien, schnell abgegeben, erweisen sich ebenso schnell als leer, obwohl durchaus ernst gemeint. Kann doch kein Problem sein, die Bude ein bisschen proper zu halten, sagt der Mann. Schliesslich habe er eine längere Junggesellenphase auch einigermassen schadlos überstanden.

Stimmt. Nur ist der Single-Haushalt völlig anders. Morgens früh aus der Bude und erst nach Sonnenuntergang zwecks Passiverholung wieder zurück, da reichen Staubsauger und Putzschwamm am Samstagmorgen. Wenn aber die heimische Höhle permanent bewohnt und belebt wird, müssen die Interventions-Intervalle schrumpfen. Zwingend. Weniger zwingend: Der Single-Hausmann kennt sein Problem und deponiert den Inhalt seiner Taschen immer am gleichen Ort. Nur liegen im Familienhaushalt Schlüssel, Portemonnaie und der Rest zwar immer am gleichen Ort, aber sicher im Weg.

Schliesslich ist der Mann duldsamer gegenüber der Natur. Diese tendiert eindeutig zur Entropie (Physiklehrer wollen allerdings durchaus nicht, dass man dem «Unordnung» sagt). Gegen die Thermodynamik kommen wir trotzdem nicht an.

Christoph Bopp möchte ordnungsmässig lieber nicht Vorbild sein. Wird aber von der Tochter gegenüber der Mutter doch immer wieder so hingestellt. Die andere Tochter und die Mutter haben aber recht. Immer.

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