Tabakindustrie

Wie gefährlich sind Mentholzigaretten? Die EU verbietet sie, in der Schweiz bleiben sie legal

Der einstige Bundeskanzler Helmut Schmidt zählte in Deutschland zu jener kleinen Minderheit, die Menthol rauchte.

Der einstige Bundeskanzler Helmut Schmidt zählte in Deutschland zu jener kleinen Minderheit, die Menthol rauchte.

Die Schweiz wird zur Mentholinsel. Doch wo liegen die besonderen Risiken der parfümierten Zigaretten? Eins vorneweg: Krebs ist es nicht.

Wer zum ersten Mal im Leben an einer Zigarette zieht, findet in aller Regel den Geschmack übel und muss Husten. Abhilfe schafft Menthol: Es übertönt den Tabakgeschmack und lindert den Hustenreiz. Jugendliche wählen deshalb laut dem Bundesamt für Gesundheit oft Mentholzigaretten als Einstiegszigaretten.

In der gesamten EU und im Vereinigten Königreich sind ab heute Zigaretten mit einem «charakteristischen Aroma» verboten. Damit ändert sich die weltweite Menthol-Landschaft massiv. Bisher kannten nur einzelne Länder wie Kanada, Brasilien, die Türkei und Äthiopien Verbote. In den USA verbietet Massachusetts als erster Bundesstaat Mentholzigaretten per 1. Juni. In der Schweiz bleiben sie legal.

Fürs Herz besonders schädlich

Doch sind Zigaretten mit Mentholgeschmack wirklich gefährlicher als andere? Mit dieser Frage mussten sich die Gesundheitsbehörden diverser Länder in den vergangenen Jahren intensiv auseinandersetzen. Denn die grossen Tabakkonzerne wie Philip Morris und British American Tobacco wehrten sich heftig gegen Verbote und stellten die Vorwürfe, auf denen diese basierten, infrage.

Auf der Website des Bundesamts für Gesundheit ist zum Beispiel zu lesen, dass beim Verbrennen von Menthol Substanzen wie Benzopyren und Benzol entstehen, die Krebs erregen. Doch die Weltgesundheitsorganisation durchkämmte vor fünf Jahren mehr als hundert Studien zu Mentholzigaretten und fand keine verlässlichen Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko im Vergleich zu anderen Raucherinnen und Rauchern. Hingegen seien vermehrt Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu befürchten.

Doch dies ist nicht das Hauptargument für ein Verbot. Sorgen macht den Fachleuten vielmehr, dass Mentholzigaretten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders beliebt sind. Daten dazu gibt es aber fast nur aus den USA, und über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Es könnte tatsächlich der Geschmack sein, der den Einstieg erleichtert. Vielleicht steckt dahinter aber auch Marketing, das auf junge Menschen abzielt.

Menthol macht Jugendliche stärker süchtig

Bedenklich ist es auf jeden Fall. Denn Jugendliche sind stärker nikotinabhängig, wenn sie Zigaretten mit Menthol rauchen – das bestätigen mehrere Studien. Bei Erwachsenen ist der Zusammenhang weniger klar.

Doch in der Industrie hat ohnehin ein Umdenken eingesetzt. Philip Morris zum Beispiel – der grösste internationale Tabakkonzern – setzt voll auf E-Zigaretten und legt zumindest in Europa vor allem Wert darauf, dass bei diesen Menthol-Liquids erlaubt bleiben. Gegenüber CH Media schreibt der Konzern: «Geschmacksrichtungen können eine wichtige Rolle dabei spielen, erwachsenen Rauchern, die sonst weiterhin rauchen würden, den Wechsel zu besseren Alternativen zu erleichtern.»

Bei herkömmlichen Zigaretten war der Marktanteil für Mentholprodukte in Mitteleuropa sowieso tief. Während in den USA jede dritte Zigarette Mentholgeschmack hat, waren es in Deutschland weniger als drei Prozent. In der Schweiz dürfte der Anteil ähnlich gering sein. Mit einem Verbot ist hier so rasch nicht zu rechnen. Im Entwurf für das neue Tabakgesetz, dass derzeit in Vernehmlassung ist, steht Menthol nicht in der Liste verbotener Zutaten.

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