Einfach erklärt
Vitamin-D-Tropfen in den Wintermonaten: Wie sinnvoll ist das Ergänzungsmittel? Und was bewirkt es?

Ein Stück Sonne in der Flasche? In den dunkleren Monaten greifen viele Menschen auf Vitamin-D-Tropfen zurück. Wir erklären, was das Vitamin bewirkt, wer das Ergänzungsmittel nutzen sollte und wann eine Einnahme gefährlich wird.

Sheila Eggmann
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Eine Frau fängt in St.Gallen Sonnenstrahlen und ein schönes Bild ein.

Eine Frau fängt in St.Gallen Sonnenstrahlen und ein schönes Bild ein.

Bild: Benjamin Manser

Kurzantwort: Aufgrund der geografischen Lage der Schweiz und der damit verbundenen ungenügenden Sonnenbestrahlung haben rund 60 Prozent der Bevölkerung in den Wintermonaten eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Das schreibt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Insbesondere ältere Menschen, Säuglinge oder Personen, die sich selten im Freien aufhalten, haben ein erhöhtes Risiko für einen Mangel. Wer Ergänzungsmittel einnehmen möchte, sollte das zuerst mit seiner Hausärztin oder seinem Hausarzt besprechen.

Das BLV weist darauf hin, dass man bei Einnahme von Vitamin-D-Supplementen die korrekte Anwendung und Dosierung beachten soll. Um eine Vitamin-D-Überdosierung zu vermeiden, sollte man Vitamin D nicht aus diversen Quellen (angereicherte Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Arzneimittel) gleichzeitig konsumieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung wiederum empfiehlt eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel erst, wenn eine Verbesserung weder durch den regelmässigen Gang nach draussen noch über die Ernährung erzielt werden kann. Nimmt man übermässig viel Vitamin D zu sich, kann das zu einer Vergiftung führen.

Was ist Vitamin D?

In der Werbung wird Vitamin D oft als Sonnenersatz angepriesen. Der Hintergrund: Wir können das Vitamin in unserem Körper selbst bilden, aber nur unter Lichteinfluss.

Vitamin D ist genau genommen nicht ein einzelnes Vitamin, sondern ein Überbegriff für eine Gruppe fettlöslicher Vitamine: die Calciferole. Zu den wichtigsten Formen gehören Vitamin D2 (Ergocalciferol) und Vitamin D3 (Cholecalciferol).

Wofür braucht der Körper Vitamin D?

Wir brauchen Vitamin D vor allem für unsere Knochen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) schreibt: Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium und Phosphat im Darm sowie deren Einbau in die Knochen und ist deshalb wichtig für eine gesunde Knochen- und Zahnbildung.

Vitamin D ist aber an vielen weiteren Vorgängen im Körper beteiligt. So zum Beispiel bei der Bildung von Proteinen oder der Steuerung einer Vielzahl von Genen. Gemäss des Robert-Koch-Instituts liess dies in den vergangenen Jahren die Vermutung zu, dass Zusammenhänge zwischen der Vitamin-D-Versorgung und chronischen Krankheiten bestehen und damit gleichzeitig neue Präventionsmöglichkeiten entdeckt werden könnten. Beispielsweise bei Bluthochdruck oder Krebskrankheiten habe man zwar Zusammenhänge in Beobachtungsstudien gefunden, bislang gebe es jedoch keine Beweise für kausale Beziehungen.

Wie gelangt Vitamin D in den Körper?

Der Körper bildet in der Haut 80 bis 90 Prozent des Vitaminbedarfs selbst. Das passiert mit Hilfe von Sonnenlicht. Der Haken dabei: Dazu ist ein Aufenthalt im Freien nötig. Ein Aufenthalt in hellen Räumen reicht nicht aus, da die dazu nötigen UV-B-Anteile im Sonnenlicht nicht durch das Glas in Fensterscheiben dringen können.

Auch mit der richtigen Ernährung können wir das Vitamin aufnehmen. Der Anteil der Aufnahme über Lebensmittel wird aber nur auf 10 bis 20 Prozent geschätzt. Nur wenige Lebensmittel enthalten grössere Mengen an Vitamin D, so zum Beispiel fetter Seefisch, bestimmte Innereien oder Eier.

Wenn ein Mangel besteht, kann Vitamin D neben natürlichen Quellen auch über Nahrungsergänzungsmittel dem Körper zugeführt werden.

Wer sollte Vitamin-D-Präparate einnehmen?

Ein Mangel an Vitamin D tritt oft bei Menschen auf, die sich hauptsächlich in geschlossenen Räumen aufhalten. Manchmal sind aber auch Erkrankungen für einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel verantwortlich.

Generell sind ältere Menschen gefährdet, da die Eigenproduktion von Vitamin D mit zunehmendem Alter nachlässt. Neben älteren Personen haben Säuglinge ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel, da sie keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden sollten. Auch Menschen, die aus religiösen oder kulturellen Gründen nur mit bedeckter Haut ins Freie gehen, sowie Menschen mit dunklerer Hautfarbe haben in der Tendenz weniger Vitamin D – bei Letzteren ist dies auf die höhere Pigmentierung in der Haut zurückzuführen, die weniger UV-Strahlen durchlässt.

Das bedeutet nun aber nicht, dass die Einnahme von Vitamin D-Präparaten für all diese Gruppen grundsätzlich sinnvoll ist. Denn nimmt man übermässig viel Vitamin D zu sich, kann man sich gar vergiften. Facharzt Erik Mossdorf empfiehlt, zuerst von einer Fachperson – in der Regel der Hausärztin oder dem Hausarzt – abklären zu lassen, ob überhaupt ein Mangel besteht, und diesen dann gezielt und mit der richtigen Dosis zu beseitigen. Mossdorf ist Facharzt für Infektiologie und Allgemeine Innere Medizin bei der Hirslanden Klinik.

Kann man zu viel Vitamin D zu sich nehmen?

Ja. Das kann vor allem dann problematisch werden, wenn man das über eine längere Zeitspanne tut. «Ein Überschuss an Vitamin D kann das Risiko erhöhen, an Nierensteinen zu erkranken. Es kann vereinzelt sogar zu gefährlichen neurologischen oder Herzrhythmusstörungen kommen», schreibt Erik Mossdorf in diesem Artikel.

Weiter: «Wer frei nach dem Motto ‹Nützt’s nüt, so schadt’s nüt› Vitamine, Mineralstoffe und naturbasierte Arzneimittel zu sich nimmt, dem sei geraten, dabei ein gutes Augenmass zu wahren.» Vitamine und Mineralstoffe seien wesentliche Schlüsselstoffe für unseren Stoffwechsel. Nehmen wir allerdings zu viel davon ein, können die Substanzen auch Nebenwirkungen aufweisen.

Übrigens: Bei der natürlichen Bildung ist keine Überdosierung möglich. Die Haut stellt die Produktion von Vitamin D ein, wenn sie genug hat.

Hilft Vitamin D gegen Corona?

Da sind sich die Wissenschafterinnen und Wissenschafter nicht einig. Klar ist einzig: Vitamin D beeinflusst das Immunsystem. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) hält eine Zusatzernährung mit Vitamin D bei weiten Teilen der Bevölkerung für nicht nötig. Ob es älteren und immunschwächeren Personen gegen Covid-19 hilft, ist noch nicht klar. Es gibt aber auch noch keinen Beleg dafür, den Nutzen kategorisch abzulehnen. Ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden Sie in diesem Artikel.

Quellen

- Antworten des Robert-Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), insbesondere dieser Text über Vitamin D
- Dr. med. Erik Mossdorf, Facharzt für Infektiologie & Allgemeine Innere Medizin bei der Hirslanden Klinik, insbesondere dieser Artikel
- Netdoktor, insbesondere dieser Text, der von ärztlichem Fachpersonal geprüft wurde
- Die Website der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

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