Wetter
Schon wieder ein Rekordjahr – die Schweiz wird wärmer

Immerhin ein Trost während des ersten Lockdowns – der Frühling 2020 war so warm und extrem sonnig wie kaum zuvor.

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Badewetter schon im Mai: Kinder und Erwachsene vergnügen sich bei sommerlichen Temperaturen im Schwimmbad Tiefenbrunnen in Zürich.

Badewetter schon im Mai: Kinder und Erwachsene vergnügen sich bei sommerlichen Temperaturen im Schwimmbad Tiefenbrunnen in Zürich.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Nicht einmal der Small-Talk übers Wetter hatte eine Chance gegen Corona – vom Klima gar nicht zu reden. Das die Welt in Sachen Zielwerte des nun genau fünf Jahre alten Pariser Klimaabkommens nicht auf Kurs ist, ging im Corona-Lärm unter.

Die Messungen von Meteo Schweiz zeigen nun aber, dass wir gerade wieder ein Rekordjahr erlebt haben. Zwar geht es dabei um die Jahresbilanz des Wetters und Wetter ist nicht gleich Klima. Doch der Blick auf die durchschnittlichen Jahrestemperaturen seit im Jahr 1864 mit Temperaturaufzeichnungen begonnen wurde, ist eine Langzeitbetrachtung und somit eine Aussage zum Klima in den letzten 157 Jahren. Und dieser Blick zeigt, dass dieses Jahr wieder Rekordwärme herrschte, so wie im bisherigen Rekordjahr 2018.

CH Media

Zehn Monate lang war es 2020 milder als im Durchschnitt der vergangenen 40 Jahre, nur der Oktober war kühler und der Juni entsprach der Norm. Im Vergleich heiss waren die Monate Februar, April und November. Der Februar war der zweitwärmste seit Messbeginn 1864.

Kein bisschen Schnee im Mittelland

Deutliche Wärmerekorde gab es in den Bergen, insbesondere auf dem Jungfraujoch, der Grimsel, Grächen im Wallis und der Chaumont im Kanton Neuenburg wie auch im urnerischen Andermatt. Unsere Erinnerung an einen schneelosen Winter im Mittelland trügt uns zudem nicht. Wir haben den mildesten Winter seit 1864 erlebt mit drei Grad über dem Normwert. Eine ähnlich extreme Wärme mit landesweit über Null Grad über den ganzen Winter gab es erst viermal in der 157-jährigen Messgeschichte. Regional lagen die extremen Winterwerte knapp 1 °C über den bisherigen Rekorden, schreibt Meteo Schweiz.

Stürmischer Februar

Der Februar war nicht nur aussergewöhnlich warm, sondern auch ungewöhnlich stürmisch. Drei Winterstürme zogen in der ersten Februarhälfte übers Land, was wir wohl vergessen haben, weil gleichzeitig der Corona-Sturm losbrach. Am kräftigsten entwickelte sich der Sturm Sabine vom 10. Februar. Im Mittelland erreichten die Windspitzen gemäss Meteo Schweiz verbreitet 90 bis 120 km/h. Auf den Jurahöhen stiegen die Höchstwerte auf 140 bis 160 km/h, in Gipfellagen sogar auf 160 bis 200 km/h.

Das Wetter machte uns dann einen Gefallen in der schwierigen Zeit des Lockdowns im März und April. Der drittwärmste Frühling machte die Spaziergänge zur einzig tröstlichen Beschäftigung, weil es extrem sonnig war. Der Messstandort Basel registrierte mit 718 Sonnenstunden den zweitsonnigsten Frühling seit Messbeginn 1886. Im Rekordfrühling 2011 gab es mit 725 Sonnenstunden nur unbedeutend mehr Sonnenschein.

Die wärmsten Frühlinge alle in den letzten 20 Jahren

Gemessen wurde zudem eine landesweite durchschnittliche Frühlingstemperatur von mehr als 6 Grad Celsius, was eine neue Erscheinung in der langen Messgeschichte der Schweiz sei, wie Meteo Schweiz schreibt. Und was in Bezug auf die Klimaveränderungen von Bedeutung ist: Die fünf wärmsten Frühlinge wurden alle nach dem Jahr 2000 aufgezeichnet.

Als logische Folge der hohen Sonnenscheindauer war es im Frühling auch extrem trocken. Von Mitte März bis gegen Ende April gab es kaum Niederschlag, in Teilen der Schweiz lagen die April-Niederschlagsmengen nur bei einem Drittel der Norm.

Moderater Sommer

Etwas durchschnittlicher als der Frühling war der Sommer. Zwar gab es moderate Hitzewellen Ende Juli und Anfang August. Im Vergleich mit den ausgeprägten Hitzewellen der vergangenen zwei Jahrzehnte war die Hitze im Sommer 2020 moderat und gebietsweise sogar gering.

Gegensätzlich war der Herbst. September und November brachten vorwiegend mildes und sonniges Wetter. In beiden Monaten regnete es zudem kaum. Der Oktober war dagegen kühl und regnerisch mit Starkniederschlägen zu Monatsbeginn. Und was uns letzten Winter verwehrt blieb, nämlich Schnee bis in die Niederungen, geschah diesmal genau mit dem ersten Wintertag im Dezember.