100 Jahre Bauhaus
So geht bauhausen

Die Bauhaus-Klassiker sind moderner denn je. Als teure Objekte machen sie Wohnen zum Statussymbol. Preiswerter sind Neuheiten von jungen Designern.

Diana Hagmann-Bula
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So geht bauhasen
12 Bilder
Freischwinger S 64 von Marcel Breuer von 1928. Bei Thonet, 1150 Franken.
Barcelona Chair von Bauhausdirektor Ludwig Mies van der Rohe von 1929. Bei Knoll, 6800 Franken.
Ulmer Hocker von Max Bill von 1954. Bei WB Form, 440 Franken.
Wolldecke im Bauhaus-Design. Bei Zigzag Zurich, 199 Franken.
Vom Bauhaus inspiriert Fair produzierter Pullover mit Print, bei Komana, 135 Franken.
Kleines Schiffbauspiel von Alma Buscher von 1924. Bei Naef Spiele, 159 Franken.
Walter Gropius entwarf 1920 den Sessel für sein Direktionszimmer. Tecta, 3300 Franken.
Die Teekanne von Marianne Brandt von 1924 aus versilbertem Messingblech.
Tischleuchte von Christian Dell von 1933. Bei Kaiser idell, 600 Franken.
Höhenverstellbarer Beistelltisch von Eileen Gray von 1927. Bei Classicon, 750 Franken.
Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld Carl Jacob Jucker. Technolumen, 450 Franken.

So geht bauhasen

HO

Moderne Eleganz, so lautet der neuste Einrichtungstrend. Bauhaus-Klassiker mit ihren klaren Linien passen da perfekt in die Wohnung. Sie sind die besten Freunde der gerade angesagten Mid-Century-Stücke.

Beide leicht, praktisch, zeitlos sowie stark in der Form, beide ein Statussymbol. Der Stahlrohrstuhl von Marcel Breuer verdeutlicht diese Reduktion aufs Nötigste, weit weg von jeglichem Schnickschnack: er schwebt im Raum, keine vier Beine, die unnötig schmücken. Form follows function.

Die Bauhaus-Vertreter um Walter Gropius haben 1919 in Weimar auch mit dem Spruch «Design fürs Volk» für ihre Ideen geworben. Verwirklicht hat er sich nicht, wie ein Blick auf die heutigen Preise zeigt. Marianne Brandts Teekanne gibt es nur noch sieben Mal. Sechs Exemplare stehen in Museen, das siebte kaufte jemand für 361'000 Dollar.

Budgetfreundlicher ist der Ulmer Hocker (450 Franken) vom Schweizer Architekten Max Bill. Er kommt zwar ohne die bauhaustypischen Stahlrohrbeine aus. Die Investition lohnt sich, weil das Möbel überall einsetzbar ist: Mal sitzt ein unerwarteter Gast drauf, mal steht es als Nachttisch bereit.

Auch die Wagenfeld-Leuchte zählt zu den Bauhaus-Ikonen. Das war nicht immer so. Zu teuer war der Entwurf von Wilhelm Wagenfeld und vom Schweizer Carl Jacob Jucker; er floppte bald nach dem Start. Seit 1980 ist die Lampe wieder erhältlich. Und beliebter denn je.

Anlässlich des Jubiläums überarbeiten junge Möbeldesigner Klassiker für die grossen Marken. Doch auch Kreative aus anderen Branchen lassen sich von der Stilrichtung inspirieren. Sie greifen oft das typische Muster auf. Und drucken das Bauhausmuster gar auf Pullis. Kreis, Quadrat, Streifen, Einfachheit verkauft sich auch heute noch.

Ausstellungen und Bücher zum Bauhaus

Ausstellungen Deutschland

Alle Veranstaltungen an 100 Orten: www.bauhaus100.de/

Ideal Standard Spekulationen über ein Bauhaus heute, Zeppelinmuseum Friedrichshafen. Bis 28. 4.

Designer Anton Lorenz Vitra Museum, Weil. 22. 2.–28. 4.

Bauhaus imaginista Die globale Rezeptionsgeschichte. Haus der Kulturen der Welt (HKW), Berlin. 23. 3.–10. 6.

Neues Bauhaus-Museum Weimar. Eröffnung: 6. 4.

Bauhaus Bauten Dessau Originale neu erzählt. 12 Gebäude sind zugänglich. Ab 18. 4.

Neues Bauhaus Museum Dessau Eröffnung: 8. 9.

Berlin Bauhaus-Archiv und Museum für Gestaltung, bis 2022 wegen Renovation geschlossen. Aktuell gibt es Touren zu Siedlungen und Bauten.

Ausstellungen Schweiz

Johannes Itten Kunstmuseum Bern, 30. 8.–2. 2. 20

Bauhaus imaginista Zentrum Paul Klee, Bern. 20. 9.–12. 1. 20.

Roman Clemens Haus Konstruktiv, Zürich. 31. 10.–12. 1. 20.

Bücher

Bauhaus Reisebuch Prestel. Der ideale Führer zu Bauten und Museen in Deutschland.

Magdalena Droste Bauhaus 1919–1933. Taschen, 400 S. Das Standardwerk

Hans Engels Bauhaus-Architektur 1919–1933. Prestel. 152 S.,

Bauhausbücher und Bauhausjournal Reprints der Originale. Lars Müller Publishers.
downloadbar unter: bit.ly/BauhausBook

Hajo Düchting Wie erkenne ich? Bauhaus, Belser, 128 S.

Wulf Herzogenrath DAS Bauhaus gibt es nicht. Alexander-Verlag, 224 S.

Sabina Becker Experiment Weimar. Eine Kulturgeschichte Deutschlands 1918–1933. wbg Academic, 608 S.

Gloria Köpnick, Rainer Stamm (Hg.): Die Bauhaus-Postkarten. Insel, 82 S.

Mein Bauhaus 100 Architekten zum 100. Geburtstag eines Mythos. Edition Detail, 240 S.

Ulrike Müller Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk, Design. Insel, 160 S.

Kinderbuch. Wer wohnt in weissen Würfeln? So lebten die Bauhaus-Meister in Dessau (Ab 8 J.). E.-A.-Seemann-Verlag. 56 S.

(sa)

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