Interview
«SRF darf seine Stars nicht so entsorgen»: Medienexperte Matthias Ackeret über das TV-Aus von Kilchsperger, Aeschbacher und Fasnacht

Roman Kilchsperger weg, Kurt Aeschbacher weg, Monika Fasnacht weg: Das Schweizer Fernsehen lässt gleich drei Topstars der TV-Unterhaltung nicht mehr auf den Bildschirm. Matthias Ackeret, Journalist und Beobachter der Medienszene, versteht die Entscheide nicht - der Sender schade sich nur selbst, sagt er.

Daniel Walt
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Keine Zukunft mehr bei SRF: (v.l.) Roman Kilchsperger, Kurt Aeschbacher und Monika Fasnacht. (Bilder: Keystone/SRF/Oscar Alessio/SRF (Daniel Winkler)

Keine Zukunft mehr bei SRF: (v.l.) Roman Kilchsperger, Kurt Aeschbacher und Monika Fasnacht. (Bilder: Keystone/SRF/Oscar Alessio/SRF (Daniel Winkler)

Matthias Ackeret, SRF hat sich mit Roman Kilchsperger von einem weiteren Starmoderator getrennt. Was ist los am Leutschenbach?

Matthias Ackeret: Im Fall von Roman Kilchsperger ging es wohl um eine Machtprobe. Leidtragender ist dabei der Zuschauer – genauso wie beim Aus für Kurt Aeschbacher und Monika Fasnacht. Kilchsperger, Aeschbacher und Fasnacht waren allesamt beliebte Aushängeschilder. Beim TV geht es nicht nur um Sendungsinhalte, sondern vor allem auch um Persönlichkeiten und um Identifikation. Ich kann den radikalen Schnitt, den SRF nun macht, deshalb nicht nachvollziehen.

Ist es nicht legitim, neue Köpfe aufzubauen, wie SRF das nun tun will?

Ackeret: Natürlich. Aber SRF darf seine Stars nicht so entsorgen, finde ich. Das grossenteils ältere TV-Publikum hatte eine Bindung zu Leuten wie Roman Kilchsperger. Im «Donnschtig-Jass» war doch er als Moderator der beste Live-Act der Sendung, wenn wir ehrlich sind! Mit solchen Aktionen schadet sich SRF nur selbst. Spannend ist ja auch, dass die Ringier-Presse SRF jahrelang sehr pfleglich behandelt hat – und nun schiesst der «Blick» aus vollen Rohren gegen den Sender wegen der Trennung von Kilchsperger. Wenn man die Boulevardzeitung als Spiegel für die Stimmung beim TV-Publikum nimmt, sagt das doch einiges aus.

Matthias Ackeret. (Bild: pd)

Matthias Ackeret. (Bild: pd)

Wo liegt die Gratwanderung für SRF beim angestrebten Verjüngungsprozess?

Ackeret: Man will Jüngere ans TV-Programm binden, hat aber ein älteres Stammpublikum. Die «No-Billag»-Initiative hat doch klar gezeigt: Jene, die hinter SRF stehen, sind oftmals genau die älteren, eher konservativen Menschen. Und die vergrault SRF jetzt.

Beim Aus für Kurt Aeschbachers Talksendung wurden die hohen Produktionskosten angeführt. SRF muss sparen…

Ackeret: Okay. Aber weshalb musste man diese Sendung über viele Jahre in einer Bar machen, die sich zwei Kilometer von den TV-Studios entfernt befindet? Hier hätte man locker viel Geld sparen können. Natürlich, Aeschbacher hatte höchstwahrscheinlich einen guten Lohn – aber generell gehören Talksendungen zu den billigsten Sendeformaten. Vermutlich war die Kostenfrage ein Vorwand. Man wollte Aeschbacher einfach loshaben.

Im Fall von Roman Kilchsperger dürften auch seine freche Art und die öffentliche Kritik an SRF in der «Weltwoche» zur Trennung beigetragen haben. Sind ein vorlautes Mundwerk und eine unbequeme Art bei SRF nicht erwünscht?

Ackeret: Mit solchen Dingen hat jede Firma Mühe, nicht nur SRF. Kilchspergers Aussagen in der «Weltwoche» waren wohl einfach der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Dabei hätte sich SRF doch fragen müssen: Was bringt uns die Figur Roman Kilchsperger? Ist sie ein Gewinn für uns und für den «Donnschtig-Jass»? Aus meiner Sicht war das ganz klar der Fall. Von daher hätte SRF über den Aussagen des Moderators stehen müssen. Desaströs ist vor allem die Aussenwirkung, die jetzt entsteht – die Leute registrieren, wie SRF mit seinen Aushängeschildern umgeht.

Welches Profil braucht jemand, der den «Donnschtig-Jass» nun übernehmen soll?

Ackeret: SRF braucht einen zweiten Roman Kilchsperger. Denn dieser hat die Latte sehr hoch gelegt. Als «Donnschtig-Jass»-Gesicht musst Du das Publikum auf dem Platz im Griff haben, die Zuschauer am Bildschirm unterhalten und auch noch etwas vom Jassen verstehen. Das ist ein ganz schwieriger Job. Jürg Randegger, Kliby und Monika Fasnacht haben ihren Job im «Donnschtig-Jass» allesamt gut gemacht – Kilchsperger war aber noch besser als sie.

Einer, der als möglicher Kilchsperger-Nachfolger gehandelt wird, ist der Thurgauer Reto Scherrer. Ein valabler Kandidat?

Ackeret: Ja. Er ist spritzig und überraschend. Scherrer kommt sicherlich in Frage. Allerdings polarisiert er um einiges mehr als Roman Kilchsperger. Zusammen waren die beiden ein Dream Team.

Matthias Ackeret

Matthias Ackeret arbeitete unter Roger Schawinski für Tele Züri und Tele 24. Der 54-Jährige aus dem Zürcher Weinland ist seit Jahren Verleger und Chefredaktor von «Persönlich» und persoenlich.com, deren Inhalte sich um die Schweizer Medien-, Verlags- und Werbewelt drehen. Ackeret interviewt zudem im Rahmen der Internetsendung «Tele Blocher» regelmässig alt Bundesrat Christoph Blocher. Mit zwei Differenzpunkten ist er aktueller Rekordhalter unter allen prominenten Gästen, die jemals im «Samschtig-Jass» dabei waren - obwohl er keine allzu grosse Ahnung vom Jassen habe, wie er selbst sagt. (dwa)