Forschung

Studien zeigen: Zink macht Viren mürbe und träge – könnte dies auch gegen Corona helfen?

Könnte Zink auch gegen Corona helfen? Noch fehlen aufschlussreiche Studien.

Könnte Zink auch gegen Corona helfen? Noch fehlen aufschlussreiche Studien.

Das Mineral könnte auch bei Corona helfen – doch noch fehlen einschlägige klinische Studien.

Ein Antikörper-Cocktail, der Virushemmer Remdesivir, die Entzündungshemmer Aspirin und Dexamethason sowie der Magensäurehemmer Famotidin, Vitamin D und das Schlafhormon Melatonin: Die Liste der Medikamente, die US-Präsident Donald Trump zur Therapie seiner Covid-19-Infektion ein­nehmen musste, war lang.

Und auf ihr stand noch ein weiterer Wirkstoff, den man mittlerweile in jedem Drogerie- und Supermarkt bekommt: Zink. Das Mineral erfreut sich bereits seit längerem einer grossen Beliebtheit, als Therapie und Prävention gegen Schnupfen. Aber bei Corona?

Ein internationales Forscherteam um Immunologin Inga Wessels von der RWTH Aachen hat sich dieser Frage angenommen und kürzlich eine umfangreiche Studie dazu veröffentlicht. Ihr Resümee: Klinische Studien zu Zink und seinen Einsatzmöglichkeiten bei Corona würden noch fehlen. «Doch die bislang zur Verfügung stehenden Daten deuten durchaus auf den Nutzen einer Zink­supplementierung hin.»

Merkmal für Risikogruppe: Zinkmangel?

So fällt auf, dass die Corona-­Risikogruppen auch in der Regel diejenigen sind, die immer wieder durch Zinkmangel auffallen. Wie etwa Senioren, Diabetiker und Patienten mit Krebs, Autoimmunerkrankungen, Bluthochdruck und starkem Übergewicht. Die Daten in diesem Zusammenhang, so Wessels, seien «wirklich beeindruckend».

Zudem scheint Zinkmangel die Sterblichkeit bei Covid-19-­Patienten zu erhöhen, was zumindest indirekt auf einen Schutzeffekt des Minerals schliessen lässt. Spanische Wissenschafter erhoben vom 15. März bis zum 30. April 2020 die Zink-Werte im Blut von Patienten, die so schwer erkrankt waren, dass man sie ins Krankenhaus einliefern musste.

Dabei zeigte sich: Diejenigen, die an der Krankheit starben, hatten lediglich einen Zink-Wert von 43 Mikrogramm pro Deziliter; im Unterschied zu 63 mcg/dl bei den Überlebenden. «Bei einem Wert von unter 50 mcg/dl bestand ein um das 2,3-Fache erhöhtes Sterberisiko», betont Studienleiter Roberto Güerri- Fernández vom Hospital Del Mar in Barcelona.

Emsiger Flimmern mit genügend Zink

Auch seine physiologischen Wirkungen sprechen für einen Covid-19-Schutz von Zink. So wird es für den Schutz der Atemschleimhäute gebraucht, die durch einen Mangel des Minerals durchlässiger und damit anfälliger für Infektionen werden.

Eine zentrale Rolle bei der Infektabwehr spielt aber auch das sogenannte Flimmerepithel, jene feinen Härchen, die mit ihren Bewegungen die Keime und andere unerwünschte Fremdkörper aus den Atem­wegen abtransportieren. Sie schlagen, erklärt Wessels, «mit grösserer Frequenz», sofern sie mit ausreichend Zink versorgt werden. Und sie werden länger, so legen es zumindest Experimente an Ratten nahe.

Darüber hinaus schützt das Mineral vor Überreaktionen des Immunsystems. Es wirkt, was schon länger bekannt ist, direkt auf Viren, indem es deren Hülle aufweicht und ihren Zugang zur Wirtszelle blockiert. Allerdings ist dies für Sars-Cov2 noch nicht explizit nachgewiesen, wohl aber für andere Virenstämme der Coronafamilie.

Wie überhaupt Zink noch nicht über vielversprechende Ansätze in der Therapie und Prävention von Covid-19 hinausgekommen ist. Was bislang fehlt: klinische Studien, in denen das Mineral sich gegen Placebo oder ein anderes Medikament behaupten muss. Ganz zu schweigen davon, dass unklar ist, in welcher Form es zum Einsatz kommen muss, und in welcher Dosierung. Was für Zink spricht: Es ist preiswert und überall zu bekommen und leicht sowie risikoarm mit anderen Medikamenten zu kombinieren.

Die wissenschaftliche Medizin scheint ohnehin die Zukunft des Minerals eher darin zu sehen, dass es die Wirkung konventioneller Coronamedikamente wie Remdesivir oder Hydroxychloroquin unterstützt. Ents­prechende Studien sind angemeldet oder laufen bereits.

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