Therme «Fortyseven»
In Baden lässt sich endlich wieder wellnessen: der lange Weg zurück zu alter Bäder-Blüte

Vor der neuen Wellnesstherme Fortyseven musste Baden viele Zerreissproben bestehen.

Andreas Fretz
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Der neue Aussenbereich ist bewusst in warmen Farben gehalten.

Der neue Aussenbereich ist bewusst in warmen Farben gehalten.

Bild: Gianni Baumann

Das Badener Bäderquartier mit seiner 2000-jährigen Geschichte als Badekurort ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Stätten der Schweiz. Bereits die Römer nutzten die Quellen, aus denen das heilende Wasser mit einer Temperatur von bis zu 47 Grad strömt. Soldaten und Offiziere der in Vindonissa (Windisch) stationierten Legionen fanden am Limmatknie Erholung und trugen zum Wachstum und Wohlstand des Ortes bei.

Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert blühte die Bade­kultur erneut auf. Badegasthöfe und -hotels buhlten um die Gäste. Zahlreiche be­deutende und illustre Persönlichkeiten aus der ganzen Welt wie etwa der Schriftsteller Hermann Hesse verbrachten ihren Kuraufenthalt in Baden. Die Blütezeit des Kurorts wurde durch den Bau der Spanisch-Brötli-Bahn 1847 befeuert. Die erste ganz auf Schweizer Boden befindliche Bahnstrecke verband Zürich mit Baden und brachte die noble Gesellschaft in die Bäderstadt.

Das alte Thermalbad wurde 2012 geschlossen

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte der Kurort auf medizinische Angebote und Rehabi­litation. Zuletzt gab es 1963 einen Thermalbad-Neubau nach den Plänen des Architekten Otto Glaus. 1980 kam ein Aussenbad hinzu. Es waren die letzten Meilensteine. Ende Juni 2012 wurde das alte Thermalbad geschlossen.

So sah der Aussenbereich der alten Therme aus.

So sah der Aussenbereich der alten Therme aus.

Bild: Walter Schwager

Der Weg zurück zu alter Blüte, der mit der Eröffnung der Wellnesstherme Fortyseven eingeläutet werden soll, war steinig und mühselig. Er war voller Hoffnungen, Zerreissproben und Niederlagen. Spektakuläre Projekte wurden aus der Taufe gehoben und gingen ebenso spektakulär bachab. Allzu oft wurde die Erneuerung des Kurzentrums heraufbeschworen, fast ebenso oft stand am Ende die Ernüchterung.

Für viel Aufsehen in und um Baden sorgte 1995 das Projekt «Riverfront». Der israelische Milliardär Motti Zisser hatte grosse Pläne. Für 150 Millionen Franken plante er den Bau von Badeanlagen, Feinschmecker-Restaurants, Luxus-Hotels und Casino. Wahrzeichen sollte ein Turm mit 20 Stockwerken werden. Zissers Projekt spaltete die Stadt. Seine Träume verflogen, als ihm finanzielle Unregelmässigkeiten nachgesagt wurden.

Stararchitekt Mario Botta gewinnt den Studienauftrag

Zahlreiche Projekte scheiterten, ehe Initiant und Projektentwickler Benno Zehnder der Durchbruch gelang. 2006 übernahm eine Investorengruppe unter Zehnder die Aktienmehrheit der Verenahof AG, der grössten Grundeigentümerin im Bäderquartier. 2009 gewann Architekt Mario Botta mit seinem Vorschlag den Studienauftrag, den die Verenahof AG mit der Stadt und einer Jury durchführte.

Mario Botta ist der Architekt der neuen Therme in Baden

Mario Botta
ist der Architekt der neuen Therme in Baden

Bild: Gianni Baumann

Bis zum Spatenstich war viel Geduld und Ausdauer nötig. Der Entwicklungsrichtplan Bädergebiet wurde revidiert, die Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung wurde genehmigt. Im Herbst 2012 lag der vom Regierungsrat genehmigte Gestaltungsplan Limmatknie vor.

Im Juli 2015 reichte man die Baueingabe ein für die Wellnesstherme Forty­seven und das Wohn- und Ärztehaus. Im April 2018 erfolgte der Spatenstich für das neue Thermalbad, das Wohn- und Ärztehaus sowie die Gesundheitsklinik im Verenahof-Geviert. Das gesamte Projekt kostet rund 180 Millionen Franken und wird von der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach+Baden getragen.

Die Wellnesstherme Fortyseven in Baden: Rechts ein Aussenbecken, links die Limmat.
22 Bilder
Architekt Mario Botta posiert im Aussenbereich der Wellnesstherme Fortyseven.
Nach der Garderobe gehts durch hier die Piazza ins Innere der Therme.
Becken mit Whirlpool sowie vielen Liege- und Sitzgelegenheiten.
Ein grösseres Innenbecken.
Der Cold- und der Hot-Pool.
Ein spezieller Bereich ist der «Kosmos» mit dieser Liegemuschel.
Yello-Musiker Boris Blank hat die Musik, die im Kosmos zu hören ist, komponiert.
Blick ins Solebad, das zum Kosmos gehört.
Vorne das Schwimmerbecken, das mit Leitungswasser (eine Ausnahme) gefüllt ist.
Die Liegemöglichkeiten sind zahlreich
Architekt Mario Botta bei der Eröffnung – die Liegemöglichkeiten auf dem Rasen sollen folgen.
Blick in eine Sauna im Fortyseven. Draussen blickt man über die Limmat hinweg nach Ennetbaden
Blick in die Panoramasauna..
Eine Besonderheit: Im Schneeraum können sich Saunagänger abkühlen, der Schnee fehlt hier noch.
Der Wintergarten - eine Ruhezone
Wintergarten.
Architekt Mario Botta mit Antony Strub, dem Gesamtbauleiter des Fortyseven.
Ruhebereich.
Blick von oben auf die Therme.
Ein Teil des Gastrobereichs.

Die Wellnesstherme Fortyseven in Baden: Rechts ein Aussenbecken, links die Limmat.

Ennio Leanza/Keystone

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