Umwelt
Ein toter Uhu führte zur Entdeckung der Giftquelle im Schweizer Nationalpark

Die Staumauer Punt dal Gall im Kanton Graubünden sondert Giftrückstände aus einem Korrosionsschutzanstrich in den Fluss ab. Das Gift gelangt bis ins Schwarze Meer.

Bruno Knellwolf
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Im Herbst 2020 fand ein Parkwächter diesen toten Uhu.

Im Herbst 2020 fand ein Parkwächter diesen toten Uhu.

Schweizerischer Nationalpark

Ruhig plätschert das Wasser durch das Bächlein Spöl im Schweizerischen Nationalpark. So wie wohl auch am 20. September 2020 als ein Parkwächter dort am Rand eines Wanderwegs einen toten Uhu fand. Ein Flügel war gebrochen und der Vogel wog nur noch 1,3 Kilogramm, die Hälfte des Normalgewichts. Normalerweise werden tote Tiere von anderen gefressen, doch dieser Kadaver landete am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern. Man wollte sehen, ob im Körper des Uhus Giftrückstände zu finden waren, weshalb die Spezialisten die Eingeweide an die Empa sandten.

Die Staumauer Punt da Gall am Lago di Livigno wurde 1970 fertiggestellt. Einige der wasserführenden Rohre sind mit PCB-haltiger Rostschutzfarbe geschützt, was damals noch zulässig war.

Die Staumauer Punt da Gall am Lago di Livigno wurde 1970 fertiggestellt. Einige der wasserführenden Rohre sind mit PCB-haltiger Rostschutzfarbe geschützt, was damals noch zulässig war.

Schweizerischer Nationalpark

Als die Empa-Chemiker die ersten Proben im Massenspektrometer untersuchten, wunderten sie sich: «Das Gerät zeigte Konzentrationen, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Die Belastung an besonders toxischen polychlorierten Biphenylen (PCB) in diesem Vogel lag bei 20 Mikrogramm pro Kilogramm Fett – das ist tausendfach über den normalen Werten für Wildtiere», sagt Chemiker Markus Zernegg von der Empa.

Gift von der Staumauer

Doch woher stammt das Gift? Die Spöl bezieht ihr Wasser aus dem Lago di Livigno. Der See wird durch die Staumauer Punt dal Gall aufgestaut, die in den späten 1960er-Jahren gebaut wurde. Dabei wurde PCB-haltige Korrosionsschutzfarbe eingesetzt. Damals war das noch legal. Dieses Gift wird seither langsam abgetragen und verunreinigt das Wasser im Spöl. Nicht nur das: Das Gift gelangt bis ins Schwarze Meer. Nun muss das Flüsschen saniert werden. Umstritten ist, auf welcher Länge und wer dafür zahlt.

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