Erschütterungen

Ungewöhnlich viele Erdbeben in den letzten zwei Wochen – besonders betroffen ist das Wallis

Der Erdbebenzähler auf der Webseite des SED zählt seit dem 1. Januar 2019 bis gestern Nachmittag die Zahl von 1393. (Symbolbild)

Der Erdbebenzähler auf der Webseite des SED zählt seit dem 1. Januar 2019 bis gestern Nachmittag die Zahl von 1393. (Symbolbild)

In diesem Jahr bebte die Schweiz bereits etwa 1400 Mal. Gespürt haben wir davon aber nur wenig, denn die meisten Erdbeben haben nur eine kleine Stärke.

Die Schweiz ist unruhig. Das bestätigt ein Blick auf die Erdbebenkarte des Schweizerischen Erdbebendiensts (SED). Unterschiedlich grosse Punkte verraten darauf, wo es in dieser Woche zu wie starken Erschütterungen gekommen ist.

Aktuell meistens im Wallis, zuvor auch grenznah in Vaduz und nördlich von Konstanz. Nördlich von Sion haben sich seit Montag ungefähr 200 Erdbeben mit Magnituden zwischen 0,1 und 3,3 ereignet. Zwölf davon wurden von der Bevölkerung im Wallis teilweise deutlich gespürt; sie hatten eine Magnitude von 2,5 oder mehr nach der Richter-Skala. Die vier stärksten Beben erreichten Magnituden zwischen 3,0 und 3,3 und wurden vereinzelt bis ins Berner Oberland gespürt.

Erdbeben sind in der Schweiz an sich nichts Besonderes. Der Erdbebenzähler auf der Webseite des SED zählt seit dem 1. Januar 2019 bis gestern Nachmittag die Zahl von 1393. «Das sind alle Erdbeben, die wir detektieren, über alle Stärken hinweg», sagt Philipp Kästli, Seismologe beim SED.

Nicht alle dieser Erschütterungen, die durch das seismische Netzwerk in der gesamten Schweiz aufgezeichnet werden, haben ihren Ursprung in der Schweiz, auch gewisse Beben im nahen Ausland werden von den feinen Sensoren erfasst. Durchschnittlich ereignen sich in unserem Land zwischen 1000 und 1500 Erdbeben pro Jahr. Etwa zehn bis zwanzig davon sind zu spüren.

Ungewöhnlicher Erdbebenschwarm

Das zeigt, die Zahl der Erdbeben ist in dieser Woche ungewöhnlich hoch. Es handelt sich dabei um einen Erdbebenschwarm. «Ein Schwarm mit einem Dutzend bis Hundert Beben von ähnlicher Grösse ist für die Schweiz nicht aussergewöhnlich», sagt Kästli.

Einmalig ist das dennoch nicht. Zum Beispiel gab es in Obwalden in den 1960ern noch grössere Erdbebenschwärme als jetzt im Wallis, die zu Schäden geführt haben. Es bebte zudem über Monate.

Ob es nun so weiter bebt im Wallis, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Die Seismologen können aber Aussagen zur Wahrscheinlichkeit von Nachbeben machen. «Normalerweise klingt eine solche Aktivität nach ein paar Tagen oder Wochen wieder ab. Normal heisst mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 bis 95 Prozent. Das beobachten wir auch jetzt», sagt Kästli.

Zurzeit gibt es noch ein Beben pro Stunde mit kleineren Magnituden. Statistisch besteht die Möglichkeit, dass aus dem Schwarm noch ein Nachbeben mit etwa Magnitude 4 oder grösser auftritt. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa fünf bis zehn Prozent. Generell gibt es im Wallis eine latente Hintergrundaktivität, nach der es dort statistisch alle 100 Jahre zu einem Riesenerdbeben mit Magnitude 6 kommt. Das Wallis gehört zu den Gebieten mit der grössten Erdbebengefahr.

, sagt Kästli. Eine grössere Gefährdung gibt es auch im St.Galler Rheintal. Das Einzelereignis Anfang Woche in Vaduz hat aber mit dem Erdbebenschwarm im Wallis keinen mechanischen Zusammenhang. Auch das näher gelegene Erdbeben in Zermatt, ebenfalls am Montag, war ein unabhängiges Ereignis.

Gefährdet ist auch die Region Basel, wo die Erde im Jahr 1356 sehr stark gebebt hat, mit einer Magnitude von 6,6. Ein solches Erdbeben kommt dort etwa alle 1000 bis 1500 Jahre vor. An welchem Datum es dann wirklich rüttelt, ist damit aber nicht gesagt.

Sicher ist dagegen, dass ein solches Erdbeben heute extremere Schäden entstehen liesse als damals. Denn das Ausmass der Schäden hat nicht nur mit der Stärke des Bebens zu tun, sondern auch mit der Besiedlung. Weil die Schweiz ein Bebenland ist, sollten deshalb bei Neubauten Erdbebennormen eingehalten werden, die für die Erdbeben-Regionen gesetzlich vorgeschrieben sind. Sie sollen sicherstellen, dass ein Haus nicht einstürzt, wenn es zu einem Erdbeben kommt, wie es an diesem Standort alle 500 Jahre zu erwarten ist.

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Autor

Bruno Knellwolf

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