Unkrautvertilger
Glyphosat wirkt doch längerfristig – und machte in einer Studie zwei Drittel der Pflanzen unfruchtbar

Die Diskussionen laufen noch, ob Glyphosat krebserregend sei. Damit beschäftigt sich die aktuelle Studie aus Kanada nicht: Sie zeigt aber, dass Spuren des Wirkstoffs auch zwei Jahre nach der letzten Anwendung in Wildpflanzen noch nachweisbar sind.

Christoph Bopp
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Nadel-Rosen (rosa acicularis) dienten als Vergleichspflanzen - einmal gespritzt, einmal ohne Glyphosat.

Nadel-Rosen (rosa acicularis) dienten als Vergleichspflanzen - einmal gespritzt, einmal ohne Glyphosat.

naturegate

Forscher der Universität von British Columbia haben einen Artikel in der Zeitschrift «Frontiers in Plant Science» veröffentlicht, in dem sie nachweisen, dass Pflanzenschutzmittel auf Glyphosat-Basis (GBH - Glyphosate-based herbicides) auch zwei Jahre nach der Ausbringung noch in Wildpflanzen nachweisbar seien und ihre Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigten.

Unkrautvertilger mit dem Wirkstoff Glyphosat sind weit verbreitet. Sie wirken gegen grüne Blätter, werden dann im Boden absorbiert und nicht sehr toxisch gegen Tiere. Man kann sie nach der Ernte einsetzen (Ackerhygiene) oder kurz vor oder nach der Aussaat, da wirken sie gegen die Unkräuter, bevor die Nutzpflanzen gekeimt haben.

In Kanada wird GBH in sogenannten «Cutblocks» angewendet. Das sind lokal begrenzte Waldgebiete für die Holz­nutzung. Nach dem Holzschlag wird der Wald behandelt, damit die Nadelhölzer, die man ernten will, ohne die Konkurrenz durch andere Pflanzen besser aufwachsen können.

Die Forscher sammelten Exemplare der Nadel-Rose (rosa acicularis), die in nördlichen Breiten häufig vorkommt. Sie stammten von drei ausgewählten Cutblocks, von mit GBH behandelten wie unbehandelten Flächen. Als Kontrollgruppe wurden 38 Exemplare von Rosa acicularis in der Umgebung der Universität gesammelt und in einem Gewächshaus gezogen.

Ein Drittel der Pflanzen wurden unfruchtbar

Die Nadel-Rosen aus den behandelten Waldflächen unterschieden sich durch ihr Aus­sehen. Auffallend waren die Unterschiede in der Lebens­fähigkeit der Pollen. Die der behandelten Exemplare war um zwei Drittel reduziert gegenüber den Kontrollgruppen. Bei einem Drittel der Pflanzen öffneten sich die Staubbeutel nicht, sie unfruchtbar. Dazu fanden sich Herbizid-Rückstände in den Pflanzen auch noch zwei Jahre nach der letzten Ausbringung.

Noch unklar sind die Auswirkungen auf die Insekten. Vielleicht beeinträchtigen die Farbänderungen die Interaktion zwischen den Pollensammlern und den Pflanzen. Zusätzlich sollen auch Insekten auf Glyphosat-Rückstände untersucht werden.

Die Forscher betonen, zwar hätten Studien gezeigt, dass die im normalen Verlauf ausgebrachten GBH für Tiere und Menschen nicht unmittelbar giftig seien, aber langfristig wisse man immer noch zu wenig über die tatsächlichen Auswirkungen. Dass die GBH Pflanzen auf Fruchtflächen störten, habe man gewusst, sagte Assistenzprofessorin Lisa Wood, aber dass man es nach zwei Jahren und im Wald noch sehe, sei schon aussergewöhnlich.

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