Corona-Begriffe
Vor einem Jahr drängte sich das Wort «Corona» in unseren Alltag – Grafiken zeigen, wie sich Corona-Begriffe breit machten

Exakt vor einem Jahr verlor der Begriff «Corona» seine Unschuld. Am 9. Januar 2020 wurde er erstmals in Deutschschweizer Medien im Zusammenhang mit der Pandemie gebraucht. Und plötzlich hatten auch andere Begriffe Hochkonjunktur. Ein grafischer Überblick über «Corona», «systemrelevant» - und «stosslüften».

Ralf Streule
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Heute überall präsent, vor einem Jahr noch praktisch unverbraucht: Das Wort «Coronavirus».

Heute überall präsent, vor einem Jahr noch praktisch unverbraucht: Das Wort «Coronavirus».

Hanspeter Bärtschi / SZ

«Neues Coronavirus steckt hinter Lungenkrankheit in China.» So und ähnlich wurde am 9. Januar 2020 in den Schweizer Medien getitelt. Die Lungenkrankheit in Wuhan war bereits um den Jahreswechsel medial Thema gewesen. Am 9. Januar aber wurde über die weltweiten Agenturen kommuniziert, dass hinter der Krankheit - wie bei Sars 2002 - ein Coronavirus steckt. So nahm der Begriff «Corona» gleichzeitig mit dem Virus selbst seinen Siegeszug ins Jahr 2020 auf.

Der Begriff «Corona» im Jahresverlauf

Bevor der Begriff die Schweizer Medienlandschaft dominierte, machte er aber in den Tagen nach der ersten Nennung noch einmal Pause. Sein Aufstieg kam erst mit dem Überschwappen von Covid-19 nach Norditalien. Die Häufigkeit des Begriffs «Corona» in der deutschschweizer Berichterstattung im Verlauf des Jahres zeigt folgende Grafik, mit Daten der Schweizer Mediendatenbank. Wir untersuchten die Nennungen des Begriffs in den CH-Medien-Tageszeitungen Aargauer Zeitung, Luzerner Zeitung und St. Galler Tagblatt, zudem jene in der NZZ, dem Tages-Anzeiger und dem Blick. Rund 7000 Artikel pro Zeitung wurden im vergangenen Jahr abgedruckt, die das Wort Corona enthielten.

Auffallend: In den untersuchten Schweizer Zeitungen ist der Anteil an Artikeln mit dem Begriff Corona im Jahresverlauf ungefähr gleich. Und: Der mediale Corona-Höhepunkt im März/April wurde mit der zweiten Welle im Oktober nicht annähernd erreicht.

Dass mit der Pandemie auch ein gewisses Vokabular Aufschwung erhielt, liegt auf der Hand. Wir zeigen eine Übersicht samt Grafik:

Kurzarbeit, Maskenpflicht, Schutzkonzept

Kurzarbeit: Mit dem Lockdown von Anfang März kam die grosse Frage, wer vom Staat wie entschädigt werden soll. Unkomplizierte Hilfe bei Kurzarbeit wurde vom Bundesrat früh angekündigt. Wie ein Hoch des Begriffs während des Lockdowns zeigt.

Maskenpflicht: Diskutiert wurde diese in der Schweiz ebenfalls schon früh. Durchgesetzt wurde sie im öV am 6. Juli, kontinuierlich ausgeweitet auf öffentlichen Gebäude wurde sie ab Oktober. Die Begriffshäufigkeit zeigt in jenen Momenten Ausschläge.

Schutzkonzept: Als Begriff ein Dauerbrenner im 2020. Mit einem Hoch im Frühsommer, als man damit rechnete, alleine mit Schutzkonzepten eine zweite Welle verhindern zu können.

Taskforce, WC-Papier, Homeschooling, Stosslüften

Covid-Taskforce: Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes hatte seinen medialen Höhepunkt in der zweiten Welle - war aber schon zuvor immer wieder Thema.

Homeschooling: Zwischen Horror und heile Welt: In der der ersten Welle war das Zuhause-Beschulen zwangsläufig Thema.

WC-Papier: Nur in der ersten Welle Thema. Weshalb gehamstert wurde, weiss bis heute niemand.

Stosslüften: Dieses Wort wurde zwar hinter «systemrelevant» zum Wort des Jahres gewählt. In den genannten Medien kam es aber nur acht Mal vor während des ganzen Jahres. Kein Ausschlag in der Grafik.

Impfstoff, systemrelevant, Triage

Impfstoff: Endlich, gegen Ende Jahr, konnte so richtig viel darüber geschrieben werden.

systemrelevant: Das Wort des Jahres 2020. Umstritten aber bleibt, wo die Grenze gezogen werden soll zwischen systemrelevant und nicht systemrelevant.

Triage: Die schlimme Vorstellung, dass Ärzte sich entscheiden müssen, wen sie überleben lassen können und wen nicht. War während den Peaks der Wellen Thema.

Pfizer, Lonza, Echinaforce

Pfizer-Biontech: Der Hersteller des Impfstoffes, der die Welt hoffen lässt.

Lonza: Der Pharmazulieferer aus Visp half bei der Herstellung des Impfstoffs der US-Firma Moderna. Der Impfstoff soll als Alternative zu Pfizer-Biontech bald in der Schweiz eingesetzt werden.

«Echinaforce»: Ein Präparat aus dem Roten Sonnenhut soll das Coronavirus in der Zellkultur hemmen. Zum Wundersaft wurde das pflanzliche Mittel der Thurgauer Firma A Vogel aber nicht. War medial nur kurz Thema.

Die Hauptdarsteller

Mister und Misses Corona: Nicht alle Vorsteher der BAG-Abteilung übertragbare Krankheiten des BAG hatten gleich viel Medienpräsenz. Wir erinnern uns.

Der Bundesrat: Natürlich hatte Gesundheitschef Alain Berset alle Hände zu tun, auch medial. Am wenigsten Medienpräsenz erhielt 2020 der EDA-Chef Ignazio Cassis.

Corona im Jahr 2019

Zu guter Letzt lohnt sich ein Rückblick auf die Corona-Nennungen im Jahr 2019, als Corona in den untersuchten Zeitungen noch ein Maisbier, ein mexikanischer Fussballer und eine Heilige war - und nur gerade einmal das Coronavirus der Sars-Epidempie aus 2002/03. Etwa fünf Corona-Einträge pro Zeitung sind 2019 zu finden. Bei der Suche amüsiert vor allem ein Bericht in der Süddeutschen Zeitung an Weihnachten 2019, nicht lange vor dem Corona-Ausbruch in Europa. In einem Reisebericht über den niederösterreichischen Ort Sankt Corona am Wechsel ist von der Dorfheiligen Corona die Rede. Fürbitterin sei sie, wenn es um Hilfestellungen in kleinen Nöten gehe. Und sie sei Schutzpatronin der Geschäftsleute mit Vision und Fernblick. Bitte für uns, Corona!