«Auf ein Wort»-Kolumne
Warum man heute nur noch in Österreich vom «Jänner» spricht

In seiner Mundartkolumne erklärt Niklaus Bigler diese Woche, woher unsere Bezeichnungen für die Monate kommen.

Niklaus Bigler
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Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

CH Media

In einem lateinischen Text aus dem 9. Jahrhundert, einer Lebensbeschreibung Karls des Grossen, kommen auch ein paar althochdeutsche Wörter vor, darunter die volkstümlichen Monatsnamen der Franken.

Da heisst der November herbistmanoth, der Dezember heilagmanoth, der Januar wintarmanoth. Im Schweizerdeutschen ist der alte Name des Dezembers Christmonet, während Herbstmonet für den September und Wintermonet für den November üblich waren. Beim Januar fehlt ein eigenes deutsches Wort; Jän(n)er statt Januar ist ja nur eine Laut­variante.

Die lateinischen Monatsnamen verdanken wir (wie den Kalender selbst) den antiken Römern. Namenspatron des Januars war der Gott Jānus. Er hatte zwei Gesichter, blickte also zugleich nach vorn und zurück; das Substantiv iānus bedeutet «Durchgang, Torbogen».

Die Monatsangabe «(mensis) ianuarius» (januarlicher Monat) war noch jahrhundertelang üblich; Urkunden wurden nämlich unabhängig von der gesprochenen Sprache in Latein verfasst. Einzig die lateinische Endung -ius liess man im 18. Jahrhundert weg.

Auf der volkslateinischen Form jenuarius beruht unser Jäner oder Jänner, aber auch französisch janvier, italienisch gennaio, spanisch enero und portugiesisch janeiro (die Stadt Rio de Janeiro heisst wörtlich «Januar-Fluss»).

Gegen den klassischen Januar hat der mundartliche Jäner heute einen schweren Stand. Schon vor hundert Jahren hat er sich in Süddeutschland und in der Schweiz zunehmend aufs Land zurückgezogen, und heute dürfte er in der jüngeren Generation so gut wie verschwunden sein. Anders in Österreich; da ist Jänner sogar noch immer die offizielle Form.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).