Hitze 2018
Wegen Waldbrandgefahr: Pfadis dürfen keine Lagerfeuer machen

Seit fast hundert Jahren war es nie mehr so trocken, die Regenmenge von zwei Monaten fehlt. Pfadis, die ihre Lager in Kantonen mit Feuerverbot durchführen, werden nun einfallsreich.

Sabine Kuster
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Lagerfeuer wie dieses gibt es für viele Pfadis dieses Jahr nicht.

Lagerfeuer wie dieses gibt es für viele Pfadis dieses Jahr nicht.

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Ein grosses Lagerfeuer hatte die Pfadi Jenaz aus dem Kanton Graubünden für ihr Sommerlager geplant: Feierlich hätten die Kinder eines abends ihr Pfadiversprechen ablegen sollen. Daraus wird nichts – jedenfalls nicht mit echtem Feuer. Denn die Pfadi Jenaz hat ihre Zelte gestern im Dorf Weite im St. Galler Rheintal aufgeschlagen, und da herrscht absolutes Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe.

Doch die Pfadis wissen sich zu helfen. Sie haben orange Verkehrspylonen mitgenommen. Diese werden sie mit Leuchtstäben von innen erhellen. «So imitieren wir das Lagerfeuer», sagt Lagerleiterin Mirjam Müller. Auch die Küche musste kurzfristig umorganisiert werden: Statt auf offenem Feuer wird jetzt auf zwei grossen Gasbrennern gekocht, welche die Jugendlichen von Pfadieltern ausleihen konnten.

So wie der Pfadi Jenaz geht es auch anderen Jugendgruppen, die ihr Lager in einem der momentan elf Kantone mit absolutem Feuerverbot durchführen. Vier Gruppen aus der Region Locarno zelten momentan in San Bernardino GR. Die Tessiner sind sich gewohnt, dass es im Sommer oft zu trocken ist, um über dem Feuer kochen zu dürfen, und hatten vier Gasküchen schon an Lager. «Eine Gruppe kocht auf einem geschlossenen Holz-Grill», sagt Lagerleiter Giona Rotanzi. Einer der Köche sei bei der Feuerwehr und nebst Feuerlöschern und Löschdecken haben sich die Pfadi für den Notfall mit einer Wasserspritze der Armee ausgerüstet.

Wasseranschluss und Löschdecken hätte auch die Pfadi Jenaz zur Hand. Die Leiter haben zum Lagerbeginn gestern auch die Kinder gewarnt: «Wir wollen sichergehen, dass ihnen die Gefahr bewusst ist. Zündhölzer müssen sie abgeben», sagt Mirjam Müller. Dafür haben die Leiter ein kleines Schwimmbecken mitgenommen und Wasserspiele zum Abkühlen eingeplant.

Schlimmer als 2003 und 2015

Für die Natur ist Abkühlung nicht in Sicht. Meteo Schweiz vermeldet die niederschlagsärmste Periode von April bis Juli seit 97 Jahren. Zum fehlenden Regen kommt eine Rekordhitze hinzu, welche sogar jene aus dem Hitzesommer 2003 übertrifft und zu einer starken Verdunstung führte. Zudem begann die Trockenheit heuer im Gegensatz zu 2003 und 2015 schon im Frühling. «Über die vier Monate sind im landesweiten Mittel nur 65 Prozent des langjährigen Durchschnitts an Regen gefallen», heisst es bei Meteo Schweiz.

Am wenigsten geregnet hat es im Norden der Kantone Aargau, Zürich, Schaffhausen und Thurgau. Dort fiel mit 150 bis 200 Millimeter nicht mal die Hälfte Wasser des langjährigen Mittels. In den Alpen gab es regional teilweise noch weniger Niederschlag. Es fehlt laut Meteo Schweiz die Regenmenge von rund zwei Monaten.

Jene Region, in der es bisher am meisten geregnet hat, ist der Kanton Tessin. Dennoch gilt auch dort ein absolutes Feuerverbot wegen Waldbrandgefahr. Denn trocken ist es gleichwohl: «Wir hatten zwar einen feuchten Frühling», sagt Kantonsoberförster Roland David, «aber seit einem Monat hat es praktisch nicht geregnet. Dazu ist es heiss und windig.» David fürchtet nun besonders die Gewitter. «Waldbrände durch Blitzeinschläge sind im Sommer schwer zu löschen. Denn oft brennen dann auch die Wurzeln unterirdisch und das Feuer schwelt wochenlang.» Im Kanton Tessin haben deswegen die Piloten der Lösch-Helikopter Pikettdienst.

Gewitter brachten und bringen auch in den nächsten Tagen höchstens lokal Regen, wobei die Erde den kurzen Wasserschwall nur schwer aufnehmen kann. Bise sorgt dafür, dass es oft nicht mal dazu kommt. Es bräuchte stattdessen Südwind, der die Gewitterzellen aus den Alpen ins Mittelland bläst.

Heisse Zukunft

Die Meteorologen rechnen auch in den kommenden Sommern mit mehr Trockenperioden. Denn bezüglich Klima erwarten sie keine Abkühlung: Am Ende des 20. Jahrhunderts gab es in der Schweiz einen massiven Erwärmungsschub. Die April-Juli-Periode ist bei uns um 1,6 Grad wärmer geworden. «Als Folge des Klimawandels wird gemäss Modellrechnungen eine Verschiebung der Subtropenzone nach Norden erwartet», sagt Stephan Bader, Abteilung Klima beim Eidgenössischen Departement des Innern. «Die sommerliche Mittelmeertrockenheit wird dann auch häufiger die Alpennordseite der Schweiz betreffen.»

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