Leserbeitrag
Aargauer Symphonie Orchester spielte in Wohlen

Konzert unter dem Motto Theaterzauber

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Am letzten Freitagabend war das Aargauer Symphonie-Orchester auf Einladung des Konzertfonds Wohlen Gast im Casino Wohlen. Mutig hat der Dirigent Douglas Bostock die Musiker, die normalerweise bei Opern und Balletten im Orchestergraben musizieren, auf die Bühne geholt. Das Orchester hat sich aufs Schönste selbst inszeniert.
Die Ouvertüre aus "Die verkaufte Braut" von Bedrick Smetana, machte den Auftakt. Temperamentvoll kommt die Musik daher, hin und wieder an die Symphonie "Die Moldau" erinnernd. Die Geigen, fein sirrend, steigern sich mit dem Kontrabass und den Bläsern zu einem beeindruckenden Miteinander. Im Kontrast zu den schnellen Streichern setzen vereinzelte Bläser lieblich und doch markant ein kurzes Motiv. Ein schönes Holzbläsersolo weiss sich bei aller Fülle immer wieder zu behaupten. Die Polka wird von Pauken und Cynellen fein untermalt. Doch das Ganze steigert sich zu einem fröhlichen Fest. Da wird getanzt, da wirbeln die Röcke der Mädchen und da stampfen und drehen sich die schwarzen Stiefel der Männer. Da ist Volksmusik, fröhlich und heiter. Es folgt "La Péri", ein getanztes Gedicht in Bildern von Paul Dukas. Es ist ein interessanter Wechsel in der Instrumentierung und Dynamik. Ein langer, ruhiger Geigenton macht den Anfang. Die Querflöte bewegt sich quirlig um die verhaltenen Melodien der Streicher. Das Englisch Horn setzt neue Akzente. Eine eigenartige Schwermut wird im Cello hörbar. Der Kontrabass gibt Boden. In dieser Musik ist immer wieder Luft und Licht zu Spiel und Einfall. Die Streicher steigern sich zu einem fast schwülstigen Forte und versinken darauf in einem Piano, das kaum hörbar von der Pauke begleitet ist. Wellenbewegungen durchströmen das ganze Werk. Dieses Auf und Ab, diese Crescendi und Decrescendi hat der Dirigent fast sichtbar mit seinen Musikern gestaltet. Die musikalischen Wellen wogen hin und her wie ein Kornfeld bei den ersten Böen eines aufkommenden Gewitters. Das wäre Filmmusik zu dramatischen Szenen, in denen Stimmungen und Gefühle Achterbahn fahren. Liebliche Harmonien wechseln mit fast noch schöneren Disharmonien. Da ist Spannung, welche gegen den Schluss in eine wohltuende Wärme übergeht. Die Hörner haben nun den langen, ruhigen, ja fast versöhnlichen Schlusston.
Sehr abwechslungsreich ist die Ballett-Suite "Sylvia" von Léo Delibes. Auch in diesem Werk sind französische Leichtigkeit und Durchsichtigkeit. Kurzweil ist angesagt. Die Instrumentierung ist vielfältig und gleichzeitig transparent. Da ist ein überraschendes Hüpfen von Motiv zu Motiv. Streicher und Blasinstrumente folgen sich mit lüpfigen Melodien. Galant ist ein Hornsolo eingestreut. Im Stück "Festzug des Bacchus" fehlen Pauken und Cynellen nicht, obwohl die Streicher den Takt angeben. Die Geigen sind ausladend, schwelgend, während die Querflöten, Klarinetten und Oboen sich ganz dem Genuss von kecken Melodien und Verspieltheit hingeben. Schon fast berauschend ist eine rhythmische Verlangsamung herausgearbeitet. Und plötzlich setzen Pauke und Cynelle dem ganzen Spuk ein Ende. Da macht das zuhören Spass.
Eine Suite aus der Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" von Sergej Prokofjew bringt Genuss für Ohr, Auge und Herz. Herausfordern, schrill sind die ersten Takte. Doch die tiefen Streicher beruhigen und Triolen bringen rhythmische Impulse. Mehrschichtig ist dieses Werk. Es ist eine Mischung von Vertrautem und Neuem. Volkstümliche Motive wechseln mit ungewohnten Klängen. Da ertönen unzählige farbige Klangfäden, welche der Dirigent wie mit Zauberhand zusammenhält. Jedes Instrument steigert sich im Ganzen zu einer Eigeninszenierung, zu einem Solo, allen voran die Streicher. Und der Rhythmus lebt, drängt weiter, beruhigt und überrascht mit neuen Ideen. Alle Farben des Orchesters leuchten auf. Sie erinnern an eine blühende Sommerwiese in der russischen Tundra. Sie lassen Tausende von farbig schillernden Libellen über eine Wasserfläche schwirren. Ein blühender Rosengarten vor einer Daschka taucht auf. Da verwandelt sich ein grossartiges Orchester in eine musikalische Zauberwelt. Da werden Dirigent und Musiker eine harmonische Einheit auf hohem Niveau. Jugendliche Frische setzt übermütige Akzente.
Der Raum des Casinos war für dieses hervorragend spielende Orchester fast zu klein, für die Zuhörerinnen und Zuhörer fast zu gross. Doch der Schlussapplaus war herzlich und begeistert und die Blumen waren mehr als verdient. (Klara Bosshart)

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