Leserbeitrag
Ausflug der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung

Marcel Siegrist
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Die erlebte Führung, von zwei überaus kompetenten Damen mit Charme und Pfiff gestaltet, durch die Mosterei Möhl war in jedem Fall eine Reise wert. So tönte es geradezu mit Begeisterung bei den etwas mehr als dreissig Teilnehmenden vom KAB-Ausflug 2015. Schon die Anreise nach Arbon am Bodensee liess erkennen, dass die Landschaft mit den zahlreichen Obstbäumen des Oberthurgaus zu Recht Mostindien oder Apfelparadies genannt werden darf.

Im noch einzigen, grösseren Mosterei-Familienbetrieb der Schweiz kann man vor allem in der Herbst- und Erntezeit mitverfolgen wie die täglich bis zu 500 Tonnen angelieferten Aepfel, heute nur noch ein kleiner Anteil von Birnen, im modernen Betrieb zu begehrten Säften verarbeitet werden.

Beachtenswert erscheinen die drei hydraulischen Pressen in deren Zylinder, um die eigene Achse drehend, durch einige hundert Drainageschläuche der Saft von der Maische abverlangt wird.

Am Ende der Produktionsabfolge präsentieren fertig abgefüllte Glas- und Petflaschen in Harassen gestapelt, sowie rostfreie Stahltanks und nostalgisch erscheinende Eichenholzfässer zum Abtransport, respektive zum weiteren Reifeprozess und folglich dann zum Verkauf.

Vom reichhaltigen Sortiment stehen bei Möhl die Bügelflaschen mit Saft vom Fass, alkoholhaltig wie auch alkoholfrei (ein begehrtes Ligthprodukt) als Favoriten zum Trinkgenuss an erster Stelle.

Bei den Gebrüder Möhl verdienen 60 Mitarbeitende in einem fairen Betriebsklima ihr Jahreseinkommen. Einen goldenen Chefsessel gibt es hier nicht. Wenn im saisonalen Hochbetrieb irgendwo Not am Mann auftaucht, springen auch die beiden Brüder mit ihren Söhnen in die Lücke. Die Geschäftsübergabe von der vierten zur fünften Generation ist absehbar.

Zum Abschluss vom Rundgang degustierte die KAB-Reisegruppe im Saft- und Brennereimuseum, hatte noch Gelegenheit im Abholmarkt einzukaufen, um dann mit dem Car zum Mittagessen weiter zu reisen.

Nach diesem Tafel-Genuss in einem gepflegten Gasthaus in der St. Galler Vorortsgemeinde Wittenbach war Landschafts-Genuss genau das Richtige für Herz und Seele. Die Fahrt über Hügel und durch Täler mit schmucken Dörfer zwischen Bodensee und Säntismassiv führte zum Aufenthalt im Nostalgie-Gasthaus Waldegg oberhalb Teufen. Immer wieder schweiften die Blicke zum Alpstein und Säntisgipfel. Dabei war man sich in der Reisgruppe einig, dass wir in einem wirklich schönen Land auf unserer Erde leben dürfen. Je älter wir werden, wissen wir das auch zu schätzen.

Zur Heimfahrt wieder im Car versammelt, versicherte uns Chauffeur Fritz mit pointiert vorgetragenen Reimen, dass das Altern sowieso eine Menge von Vorteilen mit sich bringt.

So genossen wir in froher Stimmung die zügig vorankommende Rückfahrt und trafen noch kurz vor der Dämmerung in Würenlos ein. Beim dankbaren Verabschieden wünschte man nebst einer guten Nacht auch nächstes Jahr wieder einen Ausflug durchzuführen.

Franz Dahinden

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