Leserbeitrag
Der "Baselbieter Gotthelf" neu aufgelegt.

Stefan Hess
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Bis vor Kurzem konnten die Werke des Dichterpfarrers Jonas Breitenstein (1828–1877), Pionier der Baselbieter Mundartliteratur, nur noch antiquarisch erworben werden. Das Ortsmuseum Binningen und das Dichter- und Stadtmuseum Liestal haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, das gesamte literarische Werk des «Baselbieter Gotthelfs» neu herauszugeben. Am 21. Oktober fand im Dichter- und Stadtmuseum Liestal die Vernissage des zweiten Bandes statt. Darin enthalten sind neben der Mundartidylle «Der Her Ehrli» und diversen Gedichten auch «Der Herbstmäret in Liestal» aus den «Erzählungen und Bildern aus dem Baselbiet» sowie zwei Geschichten aus dem «Monatsblättern für Frauenvereine», die im Nachlass des Schriftstellers im Dichter- und Stadtmuseum wiederentdeckt wurden.

An der Vernissage stellte Maja Samimi-Eidenbenz vom Ortsmuseum Binningen das ganze Projekt vor, das nur dank grosszügiger Sponsoren möglich wurde, und Stefan Hess, Leiter des Dichter- und Stadtmuseums, machte eine Einführung ins Werk des Dichters. Im Zentrum des Abends standen jedoch Lesungen aus den neu aufgelegten Werken durch die beiden Kulturhistoriker Rémy Suter aus Ziefen und Beat Trachsler aus Basel. Dazwischen sang der Frauenchor Binningen unter der Leitung von Imogen Jans vier Lieder nach Breitenstein-Gedichten.

Die höchst positive Reaktion der rund 60 Besucher auf die Lesungen hat gezeigt, dass die von Menschlichkeit und Humor geprägten Werke von Jonas Breitenstein bis heute nichts an Lebendigkeit eingebüsst haben. Die Erzählungen und «Idyllen» schildern das karge Leben der Landbevölkerung, insbesondere der Seidenweber, aber auch der «Auswanderer» in die Stadt. Manches erweist sich als erstaunlich aktuell, wenn etwa Breitenstein den Konsumrausch am Liestaler Herbstmarkt beschreibt. Beeindruckend sind auch der überaus reiche Wortschatz und der Wechsel zwischen Baselbieter und baselstädtischer Mundart, die Breitenstein beide virtuos beherrschte.

Die ersten beiden erschienenen Bände der Neuausgabe sind im Ortsmuseum Binningen, im Dichter- und Stadtmuseum Liestal und in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich. In einem Jahr soll dann der abschliessende dritte Band erscheinen, der wiederum einige Raritäten verspricht.

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