Leserbeitrag
Der traditionelle Maibummel des Münsterchors Bad Zurzach

Sabine Siebenhaar
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Barbara Villiger
undefined Der Münsterchor Bad Zurzach in Tiengen

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Albrecht Knopf

Der alljährliche Maibummel des Münsterchors Bad Zurzach führte, am 5. Mai 2015, die aufgeweckten und fast vollzähligen Chormitglieder über die Grenze nach Tiengen.

Mit wasserfester Ausrüstung und mit Regenschirmen in verschiedenen Farben ausgerüstet, traf man sich beim Hotel Bercher, um anschliessend bei der gleich daneben stehender kath. Pfarrkirche „Marie Himmelfahrt“ den Altstadtrundgang zu starten.

Begrüsst wurden wir von einem in Tiengener Original gekleideten Herrn, welcher mit Laterne und dazu passendem Musikinstrument nicht zu übersehen war.

So standen wir mit der kath. Pfarrkirche „Marie Himmelfahrt“ bereits vor einer der ersten Sehenswürdigkeit, welche Tiengen zu bieten hat. Die jetzige Pfarrkirche wurde von Peter Thumb erbaut und ist im barocken Stil gehalten. Zuvor standen am gleichen Platz eine romanische und eine gotische Kirche.

Geschichtlich erfuhren wir, dass sich zuerst die Kelten, danach Römer und anschliessend die Alemannen in dieser Gegend nieder liessen. Urkundlich ist der Ort Tiengen erstmals 858 erwähnt.

Weiter ging es zum naheliegenden Schloss von Tiengen, welches aus einer frühmittel-alterlichen Burg aus dem 11. Jahrhundert entwickelt und erweitert wurde. Im Innenhof wird deutlich, dass es sich um zwei Schlösser handelt. Die Grafen von Sulz hatten hier ihren Sitz und herrschten über das Land. Heute befindet sich unter anderem das Klettgauer Heimatmuseum darin.

Durch den kleinen und wunderschönen Schlossgarten ging es weiter in die Gassen und Gässlein der bezauberten Altstadt. Immer wieder wurde die Führung durch instrumentale und gesangliche Einlagen des Stadtführers bereichert und untermalt.

Die Bereicherung kam, wie so oft wenn der Münsterchor im Genuss des Maibummels ist, auch von oben herab. Sie wurden aber von einem wunderschönen Regenbogen für das Nass entschädigt.

So erreichten wir eines der Wahrzeichen von Tiengen, der Storchenturm. Dieser ist ein Eckpfeiler der einstigen Stadtbefestigung und wurde um 1300 erbaut. Er diente teilweise als Gefängnis und die im Jahre 1899 aufgesetzte Haube trägt noch heute ein Storchennest, welches namensbezeichnend ist.

Weiter unterwegs, fallen die Blicke immer wieder auf die, für Tiengen ganz speziellen Bemalungen (Sgrafitti) an den Häusern auf. Erwähnenswert und auffallend ist das Haus Schnitzer, welches im Jahre 1503 erbaut wurde. Die Fassadenmalerei zeigt die Einnahme Tiengens durch die Eidgenossen im Jahre 1499.

So erreichten wir den Marienbrunnen, welcher erbaut wurde, nachdem unter Hilfe der Mutter Gottes, eine Stürmung der Eidgenossen im Mittelalter erfolgreich zurückgeschlagen werden konnte.

Erstaunt waren wir alle, dass in Tiengen der sogenannte „Schwyzertag“ gefeiert wird. Dieser ist dem Umstand zu verdanken, dass im Jahre 1415 der Herzog von Urslingen einen Erbanspruch auf Tiengen erhob. So durchbrach er mit seinen Söldnern die Stadtmauer, entgegen kamen ihnen aber sich heftig wehrende Bürger aus der Stadt, welche sie vertrieben. Diese glaubten, dass sie nur mit der Hilfe Gottes und der Mutter Maria, diesem Angriff standhalten konnten. Sie gelobten diesen Tag als „Schwyzertag“ alljährlich als kirchliches Hochfest zu feiern.

Bereits schon bald am Ende der Führung angekommen, stiessen wir auf die alte Oelmühle, welche bis ca. 1950 noch in Betrieb war. Verarbeitet wurden vorwiegend Ölfrüchte wie Walnüsse, Mohn, Raps usw.

Nach einem Abschlussgesang und der Verabschiedung unseres Stadtführers, waren alle froh, mit so vielem neuem Wissen im Hotel Bercher Platz nehmen zu dürfen. Bei einem feinen und gemütlichen Abendessen wurde die Gelegenheit genutzt das Zusammensein auszukosten und sich unter einander rege auszutauschen.

Zufrieden und doch etwas müde, machte man sich zu später Stunde wieder auf den nach Hause weg, zurück über die Grenze in die Schweiz.