Leserbeitrag
Gipsy-Reise 2012, Feuerwehrverein mit Abstecher nach Italien.

Adrian Hüssy
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GC-Reise2012_9729.JPG Steiler Aufstieg ins Valle di Lei.

GC-Reise2012_9729.JPG Steiler Aufstieg ins Valle di Lei.

Der Gipsy-Club wanderte via Italien ins bekannte Hochtal Avers und besuchte Exil-Möriker.

Frühmorgens am 1. September trafen sich zehn wasserfeste Mitglieder des Gipsy-Club, des Feuerwehrvereins Möriken-Wildegg, zur zweitägigen Vereinsreise mit Wanderung. Der Herbstbeginn hatte zu ergiebigen Niederschlägen und empfindlich kühlen Temperaturen gesorgt, zudem weckten die Wetterprognosen und gewagte Recherchen bei WebCams für diesen Tag nicht allzu grosse Hoffnung: Im Zielgebiet lag etwas Schnee und die Wetterfrösche prophezeiten Schneefall bis 1600m.ü.M. also noch über 400m tiefer als unser Tagesziel. Nichtsdestotrotz machte sich die fröhliche Schar voller Tatendrang auf in den Südosten der Schweiz, ins Avers. Ein kurzer Zwischenhalt am Walensee liess die übliche Aussicht nur erahnen, noch immer hingen die Wolken tief und von den wohl mit Schnee gezuckerten Bergen war nichts als deren grauen Füsse zu sehen. Schlussendlich erreichten wir Andeer und über eine abenteuerliche Strasse Innerferrera, den Ausgangspunkt für unsere Wanderung. Nach einem kurzen Apéro machten wir uns an den Aufstieg durch den eisig kalten und nicht minder nassen Wald in höhere Gegenden. Unzählige Pilze, Moose und noch einige wenige übriggebliebene Heidelbeeren säumten den Pfad, der von einem Bergbach kurzum über längere Strecken als willkommenes Ausweichbachbett angesehen wurde. Nach etwa einer halben Stunde überschritten wir die Grenze nach Italien, gekennzeichnet durch einen schlichten Grenzstein und eine kleine Tafel. Es war ein fantastischer Aufstieg, dem leider nur die schöne Aussicht durch die immer noch tief hängenden, triefenden Wolken verwehrt war. Schneeflecken wiesen auf die vergangene kühle Nacht hin und schliesslich wurde das Gelände flacher, die ersten Kuhfladen deuteten auf eine bäuerliche Bewirtschaftung. Durch wenige Wolkenlöcher waren nun zeitweise Ausschnitte der nahen Staumauer des Lago die Lei zu entdecken als wir das Bergrestaurant Valentino Baita di Capriolo erreichten. Die unkomplizierte Gaststätte bewirtete uns hervorragend mit verschiedenen Käsen und Fleisch. Spitzenreiter war der achtjährige Bergkäse, welcher einfach fantastisch schmeckte. Die Staumauer des Lago die Lei war inzwischen in voller Grösse sichtbar und wir machten uns gut gestärkt auf den Weg zurück in die Schweiz. Zwar liess die Wanderung über die Dammkrone einen Ausblick über den 8 km langen See und das darunterliegende Tal zu, aber der steife Wind lud nicht zum verweilen und bewog uns die Schritte zu beschleunigen. Der Infopavillon auf der gegenüberliegenden Seite bot Windschutz und gute Gelegenheit, sich über die spezielle Geschichte dieses imposanten Bauwerkes zu informieren, welches zwischen 1955 und 1962 in internationaler Zusammenarbeit erbaut wurde.

Schlussendlich bestiegen wir den Kleinbus der Kälin Reisen und fuhren unserer Unterkunft in Juppa entgegen. Vreny und Heinz Bryner, die zwei Exil-Möriker, hatten hier im Juni ihr neues Hotel «turtschi» auf 2027m.ü.M. eröffnet und wir freuten uns auf das Wiedersehen. Wir waren gespannt, was sich die beiden in diesem entlegenen Tal aufgebaut hatten. Das imposante Haus lachte uns von weitem entgegen. Die grosszügigen Räume mit einheimischen Baumaterialien und der raffiniert schlichten Einrichtung fand gefallen und wir fühlten uns sofort zu Hause. Nach einem fröhlichen und genussreichen Abend fanden wir schliesslich nach und nach Ruhe und einen zufriedenen Schlaf.

Der Sonntag empfing uns mit wunderschönem Wetter. Endlich sahen wir all die schönen Berge um uns herum vor blauem Himmel. Nach dem Frühstück machten wir einen kurzen Abstecher nach Juf. Juf ist eine Walsersiedlung, welche ursprünglich im 13. Jahrhundert aus dem Oberwallis bevölkert wurde. Der Ort liegt zuhinterst im Hochtal Avers auf 2126 Metern über Meer und ist damit die höchstgelegene Siedlung Europas, welche ganzjährig bewohnt wird. Auf der malerischen Fahrt nach Zillis, unserem nächsten Ziel rund 1200 Höhenmeter tiefer, begleitete uns mancher Murmeltierpfiff und wir genossen die wunderschöne Kulisse des Avers. Ab Zillis erkundeten wir in einer kurzen Wanderung den oberen Teil der bekannten Via Mala Schlucht. Diesmal begegneten wir wesentlich mehr Wandertouristen als tags zuvor. Schlussendlich mussten wir uns aus der Bergwelt verabschieden und uns auf den Rückweg ins Unterland begeben.

Die Gipsy-Reise 2012 war wieder ein herrliches Erlebnis und wir freuen uns bereits aufs nächste Mal. Weitere Infos unter www.gipsy-club.ch.

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