Leserbeitrag
Haïti - wenn Schule Luxus ist

Hans Fischer
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Unterricht zuerst durch Mütter; Regen verschmierte die Lehrmittel an derWand
Unterricht.....
Schulfest! Mit Süssmost aus der Schweiz..
Bau der neuen Schule mit Blick auf Port au Prince
Neu erbautes kleines Schulhaus
Turnen in steilem, steinigem Gelände
im neuen Schulzimmer.. noch dienen Bänke als Tische..bis der Container ankommt
Schulbesuch aus der Dom.Rep. -links Otto Hegnauer, rechts Melissa Charles, Schulleiterin
18.Mai - Nationalfeiertag in Haiti; Hegnauer unter den Kindern :-)
Danke für Ihre Spende!

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"ESMONO" - Schulprojekt eines pensionierten Wynentaler Lehrers in der Karibik

Wie viel ist Ihnen Ihre Bildung wert? Haben Sie sich auch schon überlegt, wo Sie heute ständen, wenn Sie die grundlegendsten Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen nie gelernt hätten? Oder wenn Sie in einem Entwicklungsland geboren worden wären, z.B. in Haïti, wo 80% der Schulen privat sind und mehr kosten als sich eine Durchschnittsfamilie leisten kann?

Haïti - Inselstaat und einstige Perle der Karibik, ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre seiner Geschichte wegen (eintragsreichste, da masslos ausgebeutete Kolonie Frankreichs) und der diversen Naturkatastrophen (Erdbeben-2010, Wirbelstürme). Von den rund 9 Mio. Einwohnern lebt der grösste Teil von weniger als 2 Dollar /Tag.

Im Gebirge oberhalb der Hauptstadt Port-au-Prince, in den "Montagnes Noires", leben viele (Strassen-)Kinder, die weder lesen noch schreiben können. Sie haben Glück, denn am selben Ort hat der 80jährige, vor vielen Jahren ausgewanderte Schweizer Otto Hegnauer Unterschlupf gefunden.

Hegnauer ist älteren Wynentalern kein Unbekannter. Nach Abschluss des Lehrerseminars in Wettingen 1954 unterrichtete er sechs Jahre lang an der Primarschule Teufenthal und baute zusammen mit dem leider bereits verstorbenen ehemaligen Reinacher Berufswahlschullehrer Fritz Hunziker und weiteren Lehrern aus dem Oberen und Unteren Wynental den "Schweizer Jugendtierschutz" auf. Später bildete er sich weiter zum Geografen und Naturkundler, schnupperte in vielen Berufen und nachts arbeitete er im Fernsehstudio, erst als Kabelträger und Tellerwäscher, später als Autor und Regisseur. Otto Hegnauer drehte Filme über Tiere im Schweizer Nationalpark und in Afrika, leitete Abenteuerreisen. Schliesslich lernte der Abenteurer, der bereits mehrere Bücher heraus gab, seine haïtianische Frau Rosi kennen. Die entführte ihn 1983 nach Haïti - ferienhalber. Dieses Land packte ihn so, dass er die Schweiz 1994 verliess und seither ständig in seinem Traumland lebt. Auch nach 2010. Hegnauers Haus, Hab und Gut wurden Opfer des Erdbebens vor 3 Jahren. Ausser seinem Leben verlor er alles. Tausende starben. Er überlebte; aus Dankbarkeit blieb Hegnauer in Haïti und baute mit seiner AHV eine gratis Schule für Strassenkinder. Die Schule wurde ESMONO getauft (Ecole "Soleil sur les Montagnes Noires" = Sonne über den Schwarzen Bergen), vier Lehrerinnen arbeiteten ein Jahr lang gratis, Freunde in Europa begannen zu spenden. ESMONO zählt heute rund 100 Kinder. Aus der Schule in der Erdhöhle wurde eine solche im Zelt, jetzt steht ein kleines Schulhaus im Rohbau da.

Lehrmittel als Opfer des Regens

Im ersten "Schulhaus" fehlten Türen und Fenster, weder Strom noch Licht waren vorhanden. Die Lehrmittel an den Wänden malten Mütter, manchmal mit Hilfe der Väter und Kinder. Plötzlich waren die Wände kahl, Regen hatte die Lehrmittel zerstört. Sie mussten neu erstellt werden. Die Kinder lernten zunächst das ABC ab Etiketten und Aufdrucken auf Büchsen, Kartons, Dosen, Werbungen, Medikamenten gegen Kopfschmerzen und Cholera, Sprache und Inhalt spielten keine Rolle.

Die Kinder lernen nebst Buchstaben und Zahlen, dass man nicht lügt und stiehlt, dass man pünktlich ist und die Uhrzeit kennt und befolgt, dass man "Guten Tag" und "Auf Wiedersehen" sagt, dass man nicht nur die Hände, sondern auch sich selber eifrig wäscht, wie man die Zähne putzt und dass man saubere Unterhosen trägt, dass man für Geld arbeiten muss, statt einfach die hohle Hand zu machen.

Krankheiten

Täglich tragen die Grösseren sauberes Wasser her und stellen das Fass vor Schulbeginn vor das Schulhaus, denn rundherum grassiert die Cholera und holt sich immer noch ihre Opfer. Die Kinder lernen, wie man die Krankheit vermeiden kann; vor dem Eintritt in die Schule werden die Hände richtig gewaschen, bis hinten zu den Ellbogen und rund um die Fingernägel. Eine Lehrerin kontrolliert das akribisch genau. Wie der Präsident, der täglich Händewaschen am Fernsehen vorzeigt oder der Rockpopper, der kreolische Compas zum Händewäschen fetzt - und das Volk fetzt mit.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Otto Hegnauers Engagement in der Strassenkinderschule unterstützen, den Kindern ihre Lebenschance bieten wollen (denn ohne Bildung keine Zukunftsperspektiven!), können Sie das gerne!

Wir haben in den vergangenen Monaten auf die Bedürfnisses ESMONOs zugeschnittenes Schulmaterial gesammelt. Nebst Verbrauchsmaterialien wie z.B. einer Palette gespendeter Hefte, 200 kg Schreibblöcken und Zeichnungspapier, Schreibutensilien, Lehr- und Jugendbücher (Wir haben mehr als 300 schöne, oft neue Kinder- /Jugend- und einige Erwachsenenlektüren für die Einrichtung einer tollen Bibliothek) warten auch praktische Unterrichtsmittel wie Werk- und Bastelmaterialien, Tretnähmaschinen samt Stoffen, Faden und Wolle auf den Transport.
Die Kinder sollen möglichst ganzheitlich für den Alltag gerüstet werden, ihre Fähigkeiten entdecken und so Perspektiven für ihre Zukunft gewinnen.
Einige Instrumente, (Lern-)Spiele und wenige Sportartikel ergänzen das Angebot. In den Unterricht einbezogen wird auch die Hygiene. Unterstützend helfen hier z.B. gespendete Zahnbürsten.

Mit im Container befinden sich Ausrüstungen für das neu erbaute Schulhäuschen. Mobiliar wie Wandtafeln, Stühle, Bänke, Büchergestelle, Schränke, auch das Dach aus Welleternit/Faserzement sind dabei.

Teurer Transport

Ein 6 m See-Container wurde bereits vergünstigt gekauft - durch die Vermittlung der Firma Bertschi AG in Dürrenäsch, vielen Dank! - ein Teil des Materials wird beladen und wartet auf den teuren Seetransport nach Haïti; ein zweiter sollte folgen, doch fehlen die finanziellen Mittel. In Haïti selber ist längst nicht alles (legal) erhältlich. ESMONO ist auf alle diese Waren angewiesen und das möglichst bald. Transport und Einfuhr der Hilfsgüter gestalten sich im Moment schwierig und teuer, eine Verbesserung der Lage ist nicht absehbar. Doch sie kommen an, da sie an eine direkt an eine konkrete Adresse spediert werden.

Unter www.100-days.net/de/projekt/haiti-schule-tut-not oder www.swissfot.ch und www.lesefutter.ch finden Sie mehr spannende Infos, Perlen aus dem Alltag in Haïti und Spendemöglichkeiten mit Goodies. Vergessen Sie nicht: Haïtis Strassenkinder WOLLEN lernen. Schreiben. Lesen. Rechnen. ESMONO gibt ihnen Gelegenheit dazu. Unentgeltlich.

Mit Ihrem Engagement ist auch für die Strassenkinder Haïtis, die Ärmsten der Armen, Schulbildung kein Luxus. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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