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Konzert der Canny Brass

Marcel Siegrist
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Die CANNY BRASS lud in den Gemeindesaal von Buchs zum Konzert ein. Die Band besteht seit 6 Jahren, rekrutiert 31 enthusiastischen Bläsern weit über die Kantonsgrenze hinaus und vermag mit ihrem Musizierstil und der besonderen Atmosphäre am Konzert viele Zuhörerinnen und Zuhörer zu mobilisieren, so dass der Saal sehr gut besetzt war. Auf dem Programm standen anspruchsvolle Kompositionen im Brass-Band-Sound, Originalwerke und auch Bearbeitungen klassischer Werke. Nach dem November-Konzert kehren die Mitglieder wieder als wichtige Stützen in andere Formationen zurück.

Die Band eröffnete den Konzertabend mit dem letzten Satz aus Léon Boellmanns Suite gothique, einer fulminanten und brillanten Toccata, im Original für grosse Kirchenorgel komponiert, die den Bläsern technisch und tonlich viel abverlangt. Darauf folgte vom englischen Komponisten Eric Ball „Resurgam“, das Hauptstück des Abends. Ball hat seine Tondichtung 1950 komponiert und seither gehört sie zum festen Repertoire von allen ambitionierten Bands. Mit musikalischen Mitteln schildert Ball seine Gedanken zum Bibel-Text "Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand und keine Qual kann sie berühren", die Zuversicht, Verzweiflung und Erlösung erlebbar machen bis zum verklärten Schluss „ich werde auferstehen“. Zuhörerinnen und Zuhörer waren von der Aufführung beeindruckt. „Reflections in nature“ von Robert Redhead bildete dazu einen beruhigenden Kontrast. Das Stück ist eigentlich ein kunstvoll bearbeiteter Choral, dessen Melodie und Charakter sich nach der jeweiligen Textstrophe richten. Wolfgang Amadeus Mozart machte mit seiner Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte“ den Schluss des ersten Teils. Das Stück gefiel dem Publikum ausserordentlich, und die grossartige Musik sowie die lebendige und virtuose Aufführung gaben Gesprächsstoff für die Pause.

Die Fortsetzung nach der Pause begann völlig unerwartet. Der Schlagzeuger begann sein Spiel ganz alleine. Registerweise traten danach die Bläser von hinten auf die Bühne und nahmen am vorderen Bühnenrand Aufstellung. Dort präsentierten sie ihren Part der Komposition „Presenting the Band“ von Norman Tailor dem überraschten Publikum fulminant und wirkungsvoll. Auf die Eröffnung im Swing-Stil erwies die CANNY BRASS einem wichtigen Schweizer Blasmusikkomponisten der Vergangenheit Referenz: Stefan Jaeggi. Sein „General-Guisan-Marsch“, der militärischen Schneid mit einem Waadtländer Volkslied („Roulez Tambours“) verbindet, wurde von der Brass Band stilgerecht intoniert. Wie flexibel die Formation ist, zeigte sie auch, als der Titel „Brass Night“ von Alan Fernie angespielt wurde. Die Spielfreude der Band kam bei diesem schmissigen Sound besonders eindrücklich zur Geltung. Ein besonderer Leckerbissen erwartete das Publikum mit der Uraufführung des Es-Horn-Solos „3 Canny Hornblowers“. Sie stammt aus der Feder von Eugen Busslinger, welcher zum festen Bestand der Formation gehört. Dass der Bandname „Canny“ nicht nur „erfahren“ sondern auch „geschickt“ bedeutet, erlebte das Publikum hautnah. Es liess den Applaus nicht verstummen, bis der Dirigent das Zeichen zur Wiederholung gab. Die drei Solisten Roland Schaub, Silas Brönimann und Othmar Sinniger stellten ihre Virtuosität auch beim zweiten Mal eindrücklich unter Beweis.

In der Ballade „Imagine“ von John Lennon brillierten gleich mehrere Register durch ihre Ausdrucksstärke. Mani Matters Chanson „Hemmige“, welches nach einer Vorstellung des Themas durch das Euphonium in einen Big Band Sound mündet, stellte wiederum einen rassigen Kontrast zur vorangehenden Nummer her. Der letzte Titel im Programm war eine Hommage an den vor wenigen Monaten verstorbenen Hazy Osterwald. Seine „Fanfaren“ riefen den erfolgreichen Entertainer nochmals in nostalgische Erinnerung.

Das Publikum setzte durch seinen kräftigen Applaus zwei Zugaben durch. Zum einen „The Old Rugged Cross“ von, einem gelungenen Blues-Arrangements des Kirchenliedes, das zum Repertoire von Elvis Presley und vielen anderen gehörte, zum anderen mit „Abschied der Slawin“ von Wassili Agapkin, einem sehr melodischen Konzertmarsch, der in Russland noch immer äusserst populär ist.

Ronald Frischknecht, dem musikalischen Leiter und Gründer der CANNY BRASS, ist es wiederum gelungen, das Potential der erfahrenen Bläser optimal einzusetzen und ihnen seine differenzierte Interpretation der Werke zu vermitteln. Das ist erst recht eine Glanzleistung, wenn man bedenkt, dass die Band nur drei Monate im Jahr zusammen probt um danach wieder in zahlreichen anderen Formationen mitzuwirken.

Viel zur besonders aufmerksamen Aufnahme des Konzertes durch das Publikum hat die Ansage durch Helen Gloor beigetragen. Die jugendliche Moderatorin wusste mit ihrer frischen Art die Ohren und Herzen des Publikums zu öffnen. Auf den Hinweis zum nächsten Konzert zückten viele die Agenda und notierten sich den Termin: 3. November 2013 zur selben Zeit am selben Ort.