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Max Keller - Eidgenössischer Ehrenveteran

Karl Gruber
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die Geschwister gratulieren Festhütte Wegenstetten
HWK-Fanfaren mit Chorgesang Jubiläumsakt in Wegenstetten

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Brigtte Frey

Max, anlässlich des Kantonalen Musiktages in Wegenstetten wurdest du für 70 Jahre aktives Musizieren geehrt. An dieser Stelle nochmals ganz herzliche Gratulation! Was sind deine Erinnerungen an diesen Tag?

Ich habe mich sehr auf diesen Tag gefreut – und es war einfach herrlich! Als ich die Auszeichnung vom Aargauischen Musikverband entgegennehmen durfte, hatte ich das Gefühl, das ganze Festzelt gehöre mir. Nicht nur die Harmonie – nein, alle anwesenden Personen haben sich zusammen mit mir gefreut. Die Fanfare unserer Trompeten und Posaunen und die zahlreichen Fähnli – einfach unglaublich. Es war etwas ganz Besonderes und ich bin glücklich und dankbar, dass ich diesen Moment erleben durfte.

Ebenfalls in diesem Jahr durftest du deinen 80. Geburtstag feiern. D.h. du hast als 10-jähriger mit dem Musizieren begonnen. Erinnerst du dich noch daran, wie alles begann?

Der damalige Dirigent der Knabenmusik und der Harmonie, Josef Widmer, war in Wettingen als Versicherungsagent tätig. Er klapperte die Häuser ab und landete auch bei unserer Familie. Meinen Vater überzeugte er davon, dass wir Kinder doch ein Instrument erlernen sollten. So kam es, dass ich in der damaligen Knabenmusik landete. Zuerst auf dem Flügelhorn und etwas später auf dem Tenorhorn – weil es dieses Instrument gerade brauchte ... Mit 16 Jahren spielte ich parallel zur Knabenmusik noch in der Harmonie mit. Mit 18 Jahren musste jeder die Knabenmusik verlassen. Somit war der Wechsel in die Harmonie definitiv. Dass Josef Widmer damals ganze Arbeit geleistet hatte, zeigte das Resultat, dass ich in der Harmonie mit fünf meiner Brüder musizierte. Aber nicht nur wir Kinder wurden vom Musikvirus befallen: Unser Vater war – nachdem wir mit dem Musizieren begannen - während 20 Jahren Präsident der Knabenmusik.

Während diesen sieben Jahrzehnten hast du einige Dirigenten erlebt. Welche sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Es waren in dieser langen Zeit genau sieben Dirigenten. Der erste, Josef Widmer, war sehr streng. Vor allem sah er es gar nicht gern, wenn wir Fussball spielten. Sein Nachfolger, Ernst Niederer, war ein grosser Liebhaber der konzertanten Blasmusik. Und entsprechend kam er auch daher: sehr elegant im Frack. Der nächste Dirigent setzte einen Meilenstein für den Verein: Georges Hofer, welcher uns die Unterhaltungsmusik näher bringen wollte. Er setzte vorgängig bereits den Musikgesellschaften Strengelbach und Unterentfelden diesen Stempel auf. Nach der streng konzertanten Linie war das für viele von uns ein Schock! Es war eine Revolution, eine grosse Umstellung für den Verein. Aber er schaffte es und nach knapp 10 Jahren Amtszeit übernahm dann Felix Schneider das Ruder und festigte den Verein in dieser Sparte.

Du bist nicht nur ein ausserordentlich zuverlässiges Vereinsmitglied – du hast dich auch stets zusätzlich für den Verein eingesetzt. Was waren das für Ämtli?

Total war ich während 18 Jahren im Vorstand aktiv (1954 – 1972): zuerst als Mitgliederobmann, dann als Aktuar und zuletzt als Präsident.

Du hast unglaublich viel Zeit für die HWK aufgewendet. Gab es auch Zeiten, wo du die Lust zum Musizieren ein bisschen verloren hast? Wenn ja: wie hast du dich wieder dafür motiviert?

Einen wirklichen Hänger hatte ich nie. Mir bedeutet die Harmonie und das Vereinsleben seit jeher sehr viel. So war es einfach immer klar, dass ich in diesem Verein mitspiele. Meine Ehefrau Sonja musste viel auf mich verzichten, weil die Harmonie sehr sehr oft Vorrang hatte. Wenn ich mir das so überlege: im Schnitt ca. 70 Einsätze im Jahr mal 70 Jahre – da kommt doch einiges zusammen!

Was schätzt du besonders an der HWK?

Die Kameradschaft und die Hilfsbereitschaft sind sehr ausgeprägt. Das Vereinsleben existiert hier noch im wahrsten Sinne des Wortes. Ich freue mich auch sehr ob dem grossen Engagement der Jungen. Sie zeigen mir auch sehr oft, dass sie das Alter schätzen. Es sind keinerlei Berührungsängste da. Der Verein trägt einem!

Was sind deine Wünsche für die kommenden Jahre – privat und für den Verein?

Ich hoffe, dass sich Sonja und ich weiterhin an guter Gesundheit erfreuen dürfen und so gemeinsam noch viele Wanderungen und Reisen unternehmen können.

Dem Verein wünsche ich, dass er den Mitgliederbestand halten und sich immer wieder an Nachwuchs erfreuen kann. Und – das ist heute alles andere als selbstverständlich – dass er weiterhin als Verein Harmonie Wettingen-Kloster bestehen kann.

Max Keller/Jubilar

Brigitte Frey/Interview