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Abpaddeln des Kanu Club Dietikon

Christian Schütz
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Bild: Christian Schütz
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(chm)

Am Samstag, dem 2. Oktober, führte der Kanu Club Dietikon das jährliche Abpaddeln durch. Die letzte gemeinsame Ausfahrt im 2021 auf dem Wasser. Ein wahrer Leckerbissen stand auf dem Programm. Den Zürichsee überqueren, mitten durch die Altstadt von Zürich paddeln, über zwei historische Kraftwerksanlagen der EWZ übersetzen, durch die renaturierte Landschaft der Limmat fahren, die rauschende Durchfahrt beim Streichwehr des Kloster Fahr passieren und weiter zu unserem Klubhaus an der Limmat in Dietikon. 60m3 Wasser pro Sekunde strömten mit der Limmat durch unser Tal. Die Limmat zeigte sich zahm, gemütlich, war uns wohlgesonnen. Auch das Zwischenhoch aus dem Westen bescherte uns ideales Wassersportwetter. Anfangs leichte Bewölkung am Himmel. Je länger wir unterwegs waren, umso sonniger wurde der Tag.

Um 09:00 trafen sich viele Klubmitglieder beim Bootshaus an der Limmat. Es war schön, all die bekannten Gesichter wieder einmal zu sehen. 14 Kanuten freuten sich auf die aussergewöhnliche Tour. Zusammen beluden wir den Anhänger mit unseren Booten. Vier Kanadier und sechs Kajaks gingen auf die Reise. Neben dem Strandbad Mythenquai (Zürich) wasserten wir unsere Boote in den Zürichsee ein. Schwimmwesten für jede Person und Auftriebskörper im Boot waren Pflicht bei der Teilnahme. Der See war unruhig, kabbelig. Der Föhn aus den Alpen brachte Bewegung ins Wasser. Der Tourenleiter Daniel Schmidt legte einen eindrücklichen Start hin. Aus einer Höhe von 2,5 m katapultierte er sich und sein Gefährt in den See. Beim Eintauchen ins Wasser verschwand das kurze, wendige Kajak beinahe ganz unter dem Wasser. Die Spritzdecke verhinderte das Eindringen von Wasser ins Boot. Nach kurzer Zeit tauchte das Boot wieder auf. Die Tour konnte beginnen.

Sonne und blauer Himmel waren ab nun unsere Begleiter. Der See in seinem Blau, die Berge am Horizont, eine imposante Szenerie. Wind und Wellen unterstützten unseren Kurs zum Abfluss des Sees, zur Limmat. Mit Rückenwind kamen wir gut voran. Von fern tauchte schnell ein grosses Schiff der Zürcher Schifffahrtsgesellschaft auf. Die Flotte des Kanu Club Dietikon unterbrach das Paddeln, besammelte sich ausserhalb der Schifffahrtslinie und liess dem übergrossen Schiff den Vortritt. Gegen 11:00 Uhr verliessen wir den See und fuhren nun auf der Limmat abwärts. Von den zahlreichen Kirchtürmen läuteten die Glocken und begrüssten die Wasserfahrer aus Dietikon. Die Fahrt unserer farbenfrohen KCD-Flotte durch die Altstadt von Zürich verursachte etliche Aufmerksamkeit bei den Passanten links und rechts der Limmat. An der Schipfe, beim Wasserfahrverein Zürich hallten die Töne einer Blasmusik über das Wasser. Das Befahren der Limmat von der Gemüsebrücke bis zum Kraftwerk Letten mit Booten ist nur mit Genehmigung der Behörde gestattet. Bei der Wasserschutzpolizei haben wir diese Erlaubnis eingeholt. Hinter dem Landesmuseum kam das EWZ – Stauwehr in Sicht. Auf der rechten Limmatseite fliesst der Oberwasserkanal des Kraftwerks Letten von der Limmat aus. Beinahe sämtliches Wasser aus dem Abfluss des Zürichsees wird in die Turbinen des Kraftwerkes Letten geleitet. Anfangs mechanische, nachher elektrische Energie für Zürich seit 1874. Auf dem Weg zum Kraftwerk durchqueren wir das Lettenbad mit unserer Flotte. Die Wassertemperatur beträgt ca. 18 Grad. Schwimmer begleiten uns. Vor dem Kraftwerk Letten erwartet uns ein EWZ – Mitarbeiter an der Kahnrampe. Sämtliche Boote werden ausgewassert und von Hand auf den Kahnwagen verladen. Mit der alten aber bewährten Vorrichtung wird der Kahnwagen mit all den Booten zum Unterwasserkanal transportiert. Einsteigen und Platz nehmen.

Die Fahrt geht weiter. Graue Wohn- und Geschäftshäuser rücken sehr nah, sogar direkt an die Limmat. Seit langer Zeit überliess das wirtschaftlich geprägte Zürich der Limmat nur minimalen Raum. Das Wasser wird in ein enges künstliches Korsett gedrängt. Eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt hat hier kaum Grundlagen, um sich zu entfalten. Die aktuellen Strategien der Städteplaner zeigen, wohin in Zukunft die Reise gehen wird. Als riesiges Monument hebt sich der Swissmill-Tower vom alten Zürcher Stadtbild ab. Der Blick von der Limmat zum Dach des Getreidespeichers verwirrt meine Sinne. Eine unendlich lange Wand, scheint mir, erhebt sich in den Himmel. In Höngg versperrt noch einmal ein Stauwehr die freie Durchfahrt. Das Limmatwasser wird zum Kraftwerk Höngg geleitet. Seit dem Jahr 1365 wird dort erneuerbare Energie aus dem Wasser gewonnen. Anfangs wurde mit der Wasserkraft und einer Mühle Getreide gemahlen. Seit 1973 gehört das Kraftwerk der Stadt Zürich (EWZ). Beim Hönggerwehr heisst es noch einmal Aussteigen. Auch hier ist der Ausstieg aus unseren Booten gut machbar und ungefährlich. Ein weiteres Mal beladen wir den Kahnwagen mit unseren Booten. Bis zum Eintreffen des EWZ-Mitarbeiters bleibt Zeit, um uns für den letzten Teil der Abfahrt mit einem Lunch zu stärken. Für die Passage mit dem Kahnwagen wird die Wehrbrücke für Fussgänger und Velofahrer gesperrt. Eindrücklich ist auch hier die alte mechanische Vorrichtung zum Übersetzen der Boote. Jung und Alt schauen interessiert zu und helfen tatkräftig mit, den Kahnwagen von Hand über den höchsten Punkt der Rampe zu schieben.

Weiter geht unsere Reise. 2,5 Stunden sind wir bereits unterwegs mit den Booten. Wir kehren der Stadt unseren Rücken zu. Häuser, Fabriken, Strassen weichen vom Ufer zurück. Wiesen, Wälder, Hecken und Ackerland prägen nun das Bild. Auf der Höhe der Gemeinde Oberengstringen wurde die Limmat renaturiert. Das Flussbeet wurde in der Breite vergrössert. Als Lebensraum für die Vögel und Insekten wurden Inseln in der Limmat angelegt. Zwischen den Inseln steigt die Abflussgeschwindigkeit der Limmat an. Ohne Zwischenfall passieren wir dieses Juwel. Entspannt fahren wir die Limmat hinunter. Ruhig fliesst die Limmat dahin und nimmt uns mit. Die Jungmannschaft vertreibt sich sie Zeit mit Wasserball. Alle geniessen die schöne Fahrt durch das Tal. Viele Spaziergänger und Velofahrer schätzen diese Landschaft und sind unterwegs.

Eine Herausforderung an den Mut der Schiffsführer bildet das Streichwehr beim Kloster Fahr. Für einen Adrenalin-Kick steuern Abenteurer und sportlich eingestellte Fahrer auf die weissen Wellenberge beim Streichwehr zu. Es gilt, das Boot kontrolliert im Gleichgewicht zu halten, den Wasserkräften in den Wellen Stand zu halten, ein Kentern zu verhindern. Im Kanadier fährt Robert den Kurs auf die Wellen. An Bord sind Tochter (6) und Sohn (4). Mit dem Paddel steuert Robert die Route durch die tosende Wasserwelt. Steuermann und Kinder werden von den Wellen nassgespritzt. Einige Kanuten befahren die Wellen mehrmals. Die Gegenströmung hinter den Wellen schiebt die Fahrer immer wieder zur Welle. Mit spektakulären Manövern durchfahren oder queren sie die Wellen. Auf der linken Limmatseite des Streichwehres ist eine einfache und problemlose Passage möglich.

Rund vier Stunden dauerte der Ausflug auf dem Wasser. Alle Teilnehmer erreichten gesund und ohne Zwischenfall das Klubgelände. Der sportliche Teil war getan. Bei Sonnenschein, blauem Himmel und ausgelassener Stimmung gab es viel zu berichten über den Ausflug und allerlei Alltagsgeschichten. Der Grill auf unserem Gelände war bereits eingeheizt und in Betrieb. Nach Belieben konnten Fleisch und Würste gegrillt werden. Zum Abschluss dieses einmaligen Ausfluges gab es Kaffee und Kuchen. Es war ein schöner, gemütlicher Anlass, dieses Abpaddeln 2021. Vielen Dank an alle, die mitgeholfen und mitgemacht haben.

Christian Schütz

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