callia blu
callia blu ist zurück. Und wie!

Ruth Weber Suter
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(chm)

callia blu ist zurück. Und wie!

Was callia blu seinem Publikum am Samstagabend in Bremgarten bot, war eine geballte Ladung an Energie und Singfreude. Die Besucher liessen sich von der Fülle der Emotionen berühren und mitreissen und genossen es sichtlich, endlich wieder ein Live-Konzert zu erleben.

Provokativ begrüsste der künstlerische Leiter Richard Geppert das Publikum mit den Worten «Goht’s no?». Bald wurde klar, dass der Ausspruch keineswegs vorwurfsvoll gemeint war, sondern sich auf die fast zweijährige, pandemiebedingte Pause des Ensembles bezog. Und ja, die Sängerinnen und Sänger und ihre Band zeigten an diesem Abend eindrücklich, dass es noch «ging», das Singen und Musizieren. Und wie!

Nicht nur eine Emotion, nein, eine ganze Fülle von Emotionen ergoss sich auf das Publikum. Um eine Besucherin zu zitieren: «Es waren 100’000 verschiedene Emotionen, von tief berührt, traurig, hoffnungsvoll, freudig, strahlend, zuversichtlich, fröhlich, zu Tränen gerührt, nachdenklich, überschwänglich glücklich und noch so viele mehr.»

Die Klaviatur der Emotionen

Das Ensemble und seine Band füllten die Kapuzinerkirche mit berührender und ausdrucksstarker Musik. Gekonnt spielten die Sängerinnen und Sänger auf der Klaviatur der Emotionen: Von der Trauer über Verlust und vergangene Liebe in «Der Weg» von Herbert Grönemeyer über «Hide und Seek» von Imogen Heap, einem Song, der nur so strotzt vor aggressiver Verunsicherung einer veränderten Welt gegenüber bis hin zum beängstigenden «Was kriegen wir vom Krieg?», einer Eigenkomposition von Richard Geppert über die unsinnige Zerstörungswut des Krieges. Conny Schock an den Tasten und Daniel Schwenger, Percussions, begleiteten das Ensemble dabei souverän.

Gänsehautmomente

Den ersten solistischen Auftritt des Abends bestritt Janine Reijnen mit «Gabriellas Song» aus dem Film «Wie im Himmel». Mit ihrer warmen Stimme besang sie das Schicksal einer jungen Frau, die ihren Weg sucht und sich befreit, um ihr eigenes Leben zu leben. Im Laufe des Auftritts kam das Publikum zudem in den Genuss des Duetts von Jane Reinhard und Christa Arnold in «Note to God», einem Song voller Verzweiflung über die Not der Welt und ein einziger Hilfeschrei zu Gott. Mit ihren wunderschönen Gospelstimmen bescherten sie dem Publikum Momente, die an Dramatik nicht zu überbieten waren. Gänsehautmoment pur.

Mit kurzen Moderationen traten einzelne Sängerinnen und Sänger zwischendurch aus dem Ensemble heraus und stellten sich persönlich vor. Das Ensemble erhielt dadurch für das Publikum immer mehr ein Gesicht und es wurde erkennbar, dass hier jeder seine Persönlichkeit leben und künstlerisch zum Ausdruck bringen darf. Eindrücklich auch die Moderation des Dirigenten im Dialog mit Janine Reijnen. Das Thema: innere Zerrissenheit, der Zweifel kämpft gegen die Zuversicht. Am Schluss die Frage ins Publikum: Für welchen der beiden entscheidest du dich?

Gelebte Singfreude

Ausgelassene Partystimmung herrschte schliesslich im Rocksong «You’re my best friend» von Queen. Dass die Sängerinnen und Sänger und ihre Band grossen Spass daran hatten, miteinander auf der Bühne zu stehen, kam deutlich zum Ausdruck. Zum Schluss führte Klaus Knapp das Ensemble mit «Leb den Tag», von Laith Al-Deen, eine Hommage an die Lebensfreude, zu einem weiteren Höhepunkt. Das Ensemble genoss es sichtlich und feierte den Moment und das Gefühl, wieder auf der Bühne zu stehen und seine Singfreude dem Publikum weiterzugeben.

Wer die Konzerte in Bremgarten verpasst hat, dem bietet sich im Dezember wieder eine Gelegenheit, callia blu in concert zu erleben: Am 5. Dezember 2021 steht das grosse Weihnachtskonzert in der reformierten Stadtkirche in Brugg auf dem Programm.

www.calliablu.ch

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