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Schul-Projektwoche der Primarschule und Kindergarten Endingen

Marianne Graf
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(chm)

Zwar ist das Leben selbst im Moment eigentlich schon Projekt genug, weiss man in Pandemiezeiten doch unheimlich wenig genau, was morgen noch so sein wird, wie es heute grad’ ist. Trotzdem: Eine Schul-Projektwoche wie die dieswöchige der Primarschule Endingen zum Jahresmotto «Der Natur auf der Spur», wenn auch aus Corona-Schutzgründen «nur» in den Stammklassen durchgeführt, ist halt trotzdem etwas ganz Spezielles!

Da sind zum Beispiel verschiedene Klassen, welche eine Waldwoche durchführten, teilweise bei garstigen Witterungsbedingungen nach Spuren suchten, Bärlauch kosteten, vom Forstwart seinen Beruf und vor allem seine Ausrüstung und seine Werkzeuge erklärt bekamen und sogar anprobieren durften! Sie erforschten zudem den Waldboden und beobachteten ihre «Fänge» wie Hundertfüssler, Tausendfüssler, Spinnen und Asseln neugierig mit der Becherlupe. Es blieb genügend Zeit, um die wohlige Nähe eines wärmenden Feuers zu geniessen oder einfach, um den Wald auf eigene Faust zu entdecken, zu sägen und Hütten zu bauen. Auch Werkzeuge wurden in den Wald geschleppt und ausprobiert: Es wurde genagelt, gesägt, gebohrt und gefeilt, bis die Totholzäste krachten! Man sammelte auch geeignetes Waldmaterial für Wald-Mandalas, welches dann in der Schule in einen rund gewallten Salzteig hineingedrückt wurde. Ein Jäger konnte einer Klasse einiges Interessantes zu den Wildtieren erzählen. Er führte die Kinder ins Unterholz, wo sie Fuchsspuren und einen Fuchsbau entdeckten. Eine Klasse entdeckte einen unbekannten Wald in Klingnau! Schnell war da ein Geheimversteck gefunden und bald wurde dort gemunkelt, man hätte ein Rascheln gehört und etwas Braunes erspäht – vielleicht ein Wildschwein!? Der Jagdaufseher bestätigte, dass in unseren Wäldern zwar auch Wildschweine leben, doch dass sich diese Tiere bei so viel fröhlichem Kindergeschrei ziemlich sicher sehr schnell versteckten...

Andere Klassen suchten verschiedene kleine und grosse Wunder der Natur auf: Sie besuchten das Naturschutzgebiet in Gippingen, wo die Kinder mit allen Sinnen Gewässer, Bäume, Büsche, den Boden und was die Gegend sonst noch zu bieten hatte, erkundeten. Sie befassten sich auch mit Amphibien: «Das müssen ja an die 1000 Kaulquappen sein», tönte es beim Anblick des kleinen Kaulquappenteiches in Unterendingen erstaunt von allen Seiten. Es schien, als sei der ganze Teich in Bewegung. Sogar einige Mölche wurden beim Luftholen an der Wasseroberfläche gesichtet! Auf einem Abstecher ins Musital oberhalb Rekingen konnten an vielen Tümpeln und Teichen Gelbbauchunken, Molche und Amphibien mit Becherlupen untersucht oder teilweise gar auf der Hand begutachtet werden. Eine Klasse beschäftigte sich schon vor der Projektwoche mit Amphibien. Nun nahmen sie sich vor, das im Laufe der Zeit stark überwachsene Biotop der Bezirksschule zu «entrümpeln». Bewaffnet mit Gummistiefeln, Handschuhen und Werkzeug ging es los. Es wurde gerodet. Mit grosser Rücksicht auf die Froschlaiche wurden grobe Äste an Land gezogen und einiges Schilf herausgerechelt. Erstaunlich war, wie gross der Teich nach kurzer Zeit wieder erschien! Ein Ausflug zum Naturschutzgebiet Chly-Rhy bei Rietheim unter kundiger Führung brachte viele Erkenntnisse über Bienen, Biber, Frösche und verschiedene Vögel. Gespannt warteten die Besucher auf den typischen Ruf des Eisvogels, der wie ein blauer Diamant mit 70 km/h über die Wasseroberfläche fliegen kann. Diesmal leider nicht... Wieder andere besuchten den Loohof: «Wir sind Bauernhof-Entdecker!», «Ich bin ein Küken-Forscher», «Wir sind Muni-Entdecker!» und «Wir sind Schweinchen-Forscher», liessen sich dabei die Kinder zitieren. Bei anderen Gelegenheiten auch mit «Wir erforschen Naturmaterialien wie Spinat, Randen, Pfefferminze, Beeren und Kurkuma, um auf natürliche Weise zu färben», oder «Wir sind Lauscher und lieben die Geschichten von Jürg Steigmeier!».

Die Förderung der Biodiversität auf dem Schulareal war für eine Klasse ein Thema: Es wurden dafür Hotelzimmer für Hummeln, Schmetterlinge, Marienkäfer, Fledermäuse und Vögel gezimmert, luxuriös verziert und adäquat eingerichtet. Damit diese Tiere auch genügend Nahrung finden können, wurde Ziergras vor dem Schulhauseingang unter grossem Einsatz der LandschaftsgärtnerInnen aus dem Boden gestochen, die Erde gelockert und mit Humus und neuer Erde ergänzt. So war das Terrain zur Aufnahme von unterschiedlichen Wildstauden vorbereitet. Und damit dieser neue Garten künftig nicht von ungebetenen Zweibeinern betreten wird, wurde extra ein Weidenzaun geflochten. Eine Klasse beschäftigte sich mit unserem blauen Gold, dem Wasser: Es wurden Filter und Wasserräder gebaut und experimentiert, weshalb auch schwere Schiffe schwimmen können und welche Materialien denn überhaupt schwimmfähig sind. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse wurden eigenhändig Schiffchen gebaut, welche vom Stapel liefen und ihre Wassertaufe erlebten! Zusammen mit einer Fliesswasserexpertin konnten in der Surb viele Kleinstlebewesen wie Bachflohkrebse, Strudelwürmer, Köcherfliegenlarven gefunden und beobachtet werden. Auch ein «clean-up»-Tag fehlte nicht: Es war erstaunlich und bedenklich, wie viele Zigarettenstummel und Plastikmaterialien auf dem Weg von Endingen nach Tegerfelden eingesammelt werden konnten! Eine Klasse schliesslich tauchte in die einheimische Vogelwelt ein: Zu Beginn der Woche konnten zwei engagierte Hobby-Vogelforscher die Kinder schnell für ihre Leidenschaft begeistern! Danach wurde mit viel Liebe an Nisthilfen gewerkelt. Abgerundet wurde die Woche mit einer Exkursion zum BirdLife-Naturzentrum am Klingnauer Stausee.

Es war viel los! Nun lassen wir aber all die Tiere und Tierchen im Wald, im Bach, im Teich, im See, ums Schulhaus rum oder gar auf dem Bauernhof gerade wegen unseres Mehrwissens über sie gerne wieder in Ruhe ihr mehr oder weniger wildes Dasein frönen und freuen uns auf die nächste Projektwoche! (Erich Haller)