Leserbeitrag
Sima's Songs - Jiddische Lieder

Alexander Solomon
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Yoéd Sorek und Grossmutter Sima Shukovitch Konzertflyer Sima's Songs
Yoéd Sorek, Tenor aus Jerusalem

Der Verein zur Erhaltung der Jüdischen Kultur in Baden lud am vergangenen Sonntag im Gedenken an die Reichspogromnacht zu einem besinnlichen Konzert in der Synagoge Baden ein.

Der israelische Tenor Yoéd Sorek, in Jerusalem geboren und wohnhaft in Augsburg, hat seine Ausbildung unter anderem an der Akademie in Jerusalem, dem Königlichen Konservatorium in Den Haag und der Schola Cantorum Basiliensis mit Bravour absolviert. Er trat zusammen mit dem virtuosen Akkordeonisten Konstantin Ischenko auf und sang unter dem Titel «Sima’s Songs – vererbte Geschichten vom Enkel gesungen» jiddische Lieder im Andenken an seine 2015 verstorbene Grossmutter Sima Shukovitch, die 1924 in Vilnius geboren wurde. Sie verlor nach der Besetzung Litauens durch Hitlers Truppen 1941 ihre gesamte Familie und wurde selbst in verschiedenen Konzentrationslagern gefangen gehalten. Trotz unsäglichen Leids überlebte sie, ging nach dem Krieg nach Israel und gründete dort eine Familie.

Um der Stimmung der Thematik Rechnung zu tragen, war die Synagoge in Dämmerlicht gehüllt. Yoéd Sorek las aus dem Buch seiner Grossmutter Sima Shukovitch Z’L vor und erzählte von ihrer Jugend und der Schreckensherrschaft der Nazis. Das Ganze ging unter die Haut und wurde durch jiddische Lieder berühmter Zeitgenossen wie Nakhum Sternhelm, Alexander Olshanetsky, Mordechai Gebirtig und vielen anderen untermalt. Titel wie «Reyzele», «Yome Yome», «Vilne, Vilne», «Bulbes», «der Rebbe Elimelekh» und zahlreiche andere Melodien zogen das Publikum in ihren Bann. Yoéd Sorek ist ein Meister seines Fachs mit einer umwerfenden Bühnenpräsenz und wurde 2014 in Amsterdam beim internationalen Musikfestival für sein jiddisches Programm ausgezeichnet in der Kategorie «Best Yiddish». Das Publikum liess sich von diesem charmanten und exzellenten Künstler mit der subtilen Tenorstimme faszinieren und dankte auch dem meisterhaft spielenden Begleiter Konstantin Ischenko, der mit seinen unglaublichen Technik die hohe Kunst des Akkordeons beherrscht wie kein anderer. Es war ein Wechselbad von Momenten tiefer Trauer und Entsetzen über das Gehörte bis zu einem spontanen Lächeln über die teils humorvollen Liedtexte. Die Juden haben bei all dem Leid wahrlich eines nie vergessen – ihren Humor. Alles in allem ein sehr bewegender Konzertabend.

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