Leserbeitrag
Sommerwallfahrt Lourdespilgerverein Fricktal

Stefan Treier
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Wallfahrt der Pfarreien im Wegenstettertal und des Lourdespilgervereins Fricktal:

Fricktaler Lourdesfreunde pilgerten zu drei Klöstern

Die eintägige Sommerwallfahrt des Lourdespilgervereins Fricktal gehört seit Jah-ren zur Tradition dieses aktiven Vereins. Die Pflege der gemeinsamen Pilgerfahrt mit den Pfarreien des Wegenstettertales hat mittlerweile ebenfalls traditionellen Charakter angenommen. Kürzlich stand die vereinigte Fricktaler Pilgerfahrt wieder auf dem Pro­gramm. In Begleitung von Vereinspräses Pfarrer Fabian Schneider und des Fricktaler Dekans Pfarrer Alexander Pasalidi führte der Weg dieses Jahr in die Ostschweiz. Gleich drei Klöster standen auf der Besuchsliste der frohen Pilgerschaft. Die gut 70 Teilnehmerin­nen und Teilnehmer erfreuten sich an interessanten Begegnungen und eindrücklichen Erlebnissen.

Erste Station der Reise war Fischingen im Hinterthurgau. Im dortigen Benediktiner-Kloster wurde mit den beiden mitreisenden Priestern die heilige Messe gefeiert. Das Kloster Fischingen beinhaltet die Gedenkstätte der heiligen Idda vom Toggenburg, welcher in der Klosterkirche eine Seitenkapelle gewidmet ist. Durch einen Ordensmann der Klostergemeinschaft konnten die Fricktaler die bewegte Geschichte der Ostschweizer Heiligen erfahren.

Von der Adeligen zur Volksheiligen und zur Nonne

Nach der Legende lebte Idda im 12. Jahrhundert. Sie war mit einem Grafen von Toggenburg verheiratet. Gemäss Ueberlieferung habe ihr einst ein Rabe den Ehering gestohlen. Der Ring wurde von einem Jäger im Nest des Vogels gefunden. Als ihr Ehemann den Ring an der Hand des Jägers bemerkte, bezichtigte er Idda der Untreue. Er liess den Jäger töten und stürzte Idda im Jähzorn aus dem Fenster seiner Burg. Wegen ihrer Unschuld sei sie von Gott auf wundersame Art und Weise gerettet worden. Sie lebte alsdann zurückgezogen und widmete ihr Leben bis an das Lebensende Gott als Einsiedlerin. - Sie wird übrigens bis heute in der Diözese Basel als Patronin des entlaufenen Viehs verehrt.

Für die meisten der Pilgerschaft dürfte der Besuch in der schmucken Gaststätte im klostereige-nen Restaurationsbetrieb erstmalig gewesen sein. Dieser Betrieb beansprucht für sich zurecht eine Neuinterpretation der Tradition klösterlicher Gastfreundschaft für die einkehrenden Gäste. So wird das „genussvolle Tafeln als Ausdruck barocker Lebensfreude“ bezeichnet. Das durften die Fricktaler Pilger in Fischingen erfahren.

Zisterzienserinnen-Kloster – älter als die Eidgenossenschaft

Zum Erreichen der zweiten Station der bunten Pilgerreise führte der Weg über hügeliges Voral-pengebiet zum Kloster Magdenau, im Ortsteil Wolfertswil der sanktgallischen Gemeinde Degersheim gelegen. Bereits 1244 wurde an diesem idyllisch gelegenen Ort durch einen Ritter ein Frauenkloster gegründet. Die Klostergründung bestand damals im starken Willen, hier eine Stätte der „Vermehrung der Verehrung des göttlichen Namens“ zu schaffen. Der grosse Ordensvater, nicht aber ihr Gründer, ist der heilige Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153). Heute noch leben in Magdenau 13 ältere wie jüngere Schwestern diesem so wichtigen christlichen Grundsatz nach. Nach herzlicher Aufnahme durch eine Vertreterin der Ordensleute erlebte die Pilgerschaft eine feierliche Andacht, bevor sie alsdann allmählich wieder die Heimreise antrat.

Aargauer Enklave des Glaubens – unweit der Grossstadt

So ganz nach dem Motto „aller guten Dinge sind deren drei“, machte der Car schliesslich noch bei einer dritten Oase des Glaubens halt, dieses Mal gar auf Aargauer Boden. Das 1130 gegrün­dete Kloster „Fahr“ als Enklave, umgeben von Zürcher Kantonsgebiet, winkte als letzte Besuchsstätte. In der heimeligen Kloster-Gaststätte zu den „zwei Raben“ wurden die Gäste zu einer feinen Zobig-Verpflegung willkommen geheissen. Das Wetterglück bescherte ihnen zudem noch einen Rundgang durch die Klosteranlage mit dem bunten Garten. Einige erinnerten sich an die vor drei Jahren eingestellte Bäuerinnen-Schule des Klosters Fahr, welche sich weitherum in bäuerlichen Kreisen der Beliebtheit erfreute. Zum Abschluss des vielseitigen Pilgertages hielten die Gläubigen noch inne in der ganz im Rokokostil erbauten Klosterkirche, welche von 1743 – 1746 so umgestaltet wurde, ein Gotteshaus mit hohem kunsthistorischem Wert. Mit einer Abend­andacht im Stile des Kloster-Komplets schloss die Fricktaler Wallfahrtsgemeinschaft einen freudvollen Pilgertag ab.

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