Leserbeitrag
Über Gott und die Welt

Rudolf Velhagen
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Bilder zum Leserbeitrag

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Beim «40 Minuten»-Talk im Museum Eduard Spörri ging es im Gespräch zwischen Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht und dem Kurator des Museums, Rudolf Velhagen, am letzten Mittwoch um die «grossen Fragen» des Lebens und Sterbens.

Als Gast hatte Rudolf Velhagen den reformierten Wettinger Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht zum diesjährigen «40 Minuten»-Talk eingeladen und für die Zuhörenden wurde schnell klar, dass der Gastgeber die Gelegenheit, einen Theologen zu Gast zu haben, nutzen wollte, um über die Verknüpfung von biblischen Motiven mit aktuellen Themen zu sprechen. Die aktuelle Weltlage, die von grossen Konflikten geprägt ist, zeige eine Grundstruktur des Menschen, wie sie unter anderem im Brudermord von Kain und Abel angelegt ist, so die beiden Diskutierenden. Weiter ging es von der Opferung Isaaks über Adam und Eva bis zu Jabobs Kampf am Jabbok. Letzterer erzählt von einem Kampf Jakobs mit Gott, was Velhagen zur Frage an den Gast nutzte, ob er auch schon mit Gott gekämpft habe, Zweifel kenne. Ganz offen sprach der Pfarrer daraufhin von einer Glaubenskrise während des Studiums und dem «gesunden Zweifel», der zum Glauben dazu gehöre, womit die beiden bei den Jüngern Jesu angelegt waren, unter denen es auch einen Zweifler gab. Das spannende sei, so war für die Zuhörer zu erfahren, dass Jesus keine «Supergläubigen» um sich scharte, sondern Menschen mit Stärken und Schwächen, Menschen wie wir. Auch Gott selbst, der uns ja in Jesus begegnet, sei nicht als Superman Mensch geworden, sondern vordergründig als Gescheiterter, der mit Folterung und Kreuzigung einen grausamen Tod stirbt. Dies, so Fischer-Lamprecht, sei für ihn letztendlich die Antwort auf die Theodizeefrage, dass Gott selbst Leiden erlebt hat und deshalb im Leiden besonders nah ist.

Selbstverständlich spielte im Gespräch auch das Werk von Eduard Spörri eine Rolle. Ausgehend von der Figur einer Winzerin sprachen Velhagen und Fischer-Lamprecht über die Bedeutung des Weinbaus für Wettingen, die jahrhundertlange Förderung desselbigen durch das Kloster und die Entwicklung Wettingens vom Dorf zu einer grossen Agglomerationsgemeinde. Die Skulpturen Spörris, so Fischer-Lamprecht, insbesondere die Winzerinnen, die vor dem Rathaus und bei der Brücke nach Neuenhof zu finden sind, böten im modernen Wettingen eine Reminiszenz an das alte Dorfleben, wie es der 1901 geborene Spörri erlebt hatte.

Über die Skulptur des Engels beim Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Brunnenwiese, neben dem der Pfarrer in den sieben Jahren seines Wirkens ungefähr 70 Mal beim Abschied von einem Menschen gestanden hat, nahm der Talk nochmals eine Wende, hin zur heutigen Trauerkultur. Fischer-Lamprecht vertrat die Meinung, dass neben dem Kulturwandel auch die Mobilität grosse Auswirkungen auf die Art der Bestattung habe. Familiengräber, wie sie auf dem Alten Friedhof und auch dem Friedhof Brunnenwiese noch zu finden sind, können in Wettingen nicht mehr neu angelegt werden, da das Interesse dafür zu gering war.

Das Gespräch schloss mit der Frage, wie wir den Flüchtlingen – dem Fremden – begegnen sollten: «Ohne Angst und ohne Vorurteile», war die Antwort der beiden Diskutierenden, denn auch Jesus ist den Samaritern, den Menschen in Samaria, ohne Angst und Vorurteile begegnet.

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