Leserbeitrag
Vom Grenzland Zurzibiet beeindruckt

Im Fokus der Schweizerischen Gesellschaft für militärische Studienreisen

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Auf grosses Interesse stiess auch der zweite Aargauer Kantonaltag der Schweizerischen Gesellschaft für militärische Studienreisen (GMS). Er führte durch den historischen „katholischen Korridor" Freiamt-Grafschaft Baden ins Zurzibiet-Fricktal. Dieser Gegend kam innereuropäische Bedeutung als Grenzland und Brückengebiet sowie die Funktion einer Pufferzone zwischen den Ständen Bern und Zürich in der Alten Eidgenossenschaft zu. „Die Dichte von historischen Ereignissen und die Dynamik dieses Kantons beeindruckten mich", gestand ein Teilnehmer. Alt Ständerat Willy Loretan, Zofingen, organisierte das elfstündige Besichtigungsprogramm. Das Historikerpaar Jürg und Barbara Stüssi-Lauterburg, Windisch, leitete die Führungen.

Der Etappenhalt im Zurzibiet war aus historischer und aktueller Perspektive interessant. Franz Keller, früherer Gemeindeammann, schilderte die bewegte wirtschaftliche Entwicklung der Region, von der letzten Zurzacher Messe (1855) über die Gründung einer Textilfabrik (1872) und Schuhfabrik (1900) durch Industriepionier Jakob Zuberbühler, die Entstehung der Spiesshofer & Braun/Triumph International (1932), die Salzgewinnung und den Betrieb der Schweizerischen Sodafabrik, bis zur Erbohrung der Thermalquelle (1955) samt Ausbau zum Kurort Bad Zurzach mit Thermalbädern, Reha-Klinik und 800 Hotelbetten. Dank aufblühenden Betrieben der Gesundheitspflege verkraftete Zurzach die Stilllegung mehrerer produzierender Unternehmen. Die nachbarschaftlichen Grenzbeziehungen über den Rhein bezeichnete Keller als gut - trotz deutschen Empfindlichkeiten in Sachen Kernkraftwerke und Fluglärm.

Vom spätrömischen Kastell Kirchlibuck aus, mit Blick auf Rhein und Brücke, schilderte Jürg Stüssi-Lauterburg die 2000-jährige Grenz- und Scharnierfunktion dieser Gegend. Der Bogen erstreckte sich von der Abwehr der Helvetier gegen die Germanen über die Befestigung der Rheinlinie durch die Römer, die Infiltration der Alemannen, die Zurzacher Blütezeit als Wallfahrts- und Messeort bis zu Napoleons Eingriff, der die verbindende Wasserstrasse Rhein zur trennenden Grenze machte, bei der es bis heute blieb.

Militärhistoriker Stüssi charakterisierte auch die militärische Rheingrenze in den letzten 150 Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg. Aus seinem Wissensfundus vermittelte der Referent zudem anekdotische Details, wie General Guisan bei geheimen Kontakten sowohl mit Offizieren der deutschen Wehrmacht als auch mit alliierten Truppen, namentlich mit der französischen Heerführung, die schweizerische Abwehrhaltung verdeutlichte. (hpw)

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