Leserbeitrag
Vom Samichlaus überrascht

Philipp Nanz
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Noch hing das letze Wort der Präsidentin in der Luft, da klopfte es an der Türe. Noch bevor jemand aus der Kirchgemeindeversammlung aufstand, betrat der Samichlaus den Saal und sprach in breitem Berndeutsch zu den Anwesenden. Gemächlich kam er durch den Saal geschritten, bis er vor der Kirchenpflege stand und sich jenem Mann zuwandte, der per Ende aus der Kirchenpflege zurücktreten wird und ebenfalls Berndeutsch spricht. Ins Gewissen redete er ihm, doch dann erhielt er ein Chlaussäckli. Auch die beiden Neugewählten für die Kirchenpflege wurden vom Samichalus persönlich beschenkt. Alle andern der 44 Anwesenden bedienten sich dann nach der Versammlung aus dem Samichlaussack, den der Mann im roten Kleid und weissen Vollbart bei der Türe aufgestellt hatte.

Mit dieser Überraschung hatte niemand gerechnet. Denn die Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirchgemeinde Meisterschwanden – Fahrwangen war bis dahin ruhig und zügig verlaufen. Mit einer zum Schmunzeln anregenden Geschichte hatte Edith Mauch, die Kirchenpflegepräsidentin, die Versammlung eröffnet. Susanne Häusermann und Walter Hunziker wurden als neue Mitglieder in die Kirchenpflege gewählt; ein Sitz in der Behörde war schon seit einem Jahr nicht besetzt und zudem hatte Erich Geissbühler frühzeitig seinen Rücktritt auf Ende Jahr angemeldet. Auch das Budget, das Florian Stern, der Ressortverantwortliche, übersichtlich und kompetent vorstellte, wurde ohne Gegenstimme bei gleichbleibendem Steuerfuss genehmigt. Nach einigen Informationen aus dem Mitarbeiterteam orientierte die Präsidentin darüber, dass ein neuer Jugendarbeiter gefunden sei, der anfangs Februar mit 50% seine Tätigkeit aufnehmen und sein Pensum ab August auf 80% erhöhen werde. Sie selber werde im neuen Jahr für drei Monate nach Bolivien reisen, ihr Spanisch verbessern und in einem Projekt mitarbeiten. Während ihrer Abwesenheit seien die Aufgaben innerhalb der Kirchenpflege aufgeteilt.

Und dann die Überraschung. Rasch beugte sich die Präsidentin über ihr Blatt und kritzelte einige flüchtige Notizen darauf. Und als der Samichlaus am Ende seines Besuchs sie um ein Versli bat, trug sie ihm vor: ‚Samichlaus, du Guete; d’Chilepfleg bruucht e kei Ruete. Mer lueged guet zu oise Gschäft; ig hoffe, das sig dir au rächt’.

Dass der Samichlaus darauf auch sie persönlich mit einem Chlaussäckli beschenkte, war nicht anders zu erwarten gewesen.

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