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Über das Lesen von Büchern

Richard Brusa
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(chm)

Über das Lesen von Büchern

Utopie – Hoffnung oder Dystopie?

Diese Zeilen sind inspiriert durch ein gutes Gespräch mit meiner 30-jährigen Tochter über ihre Generation und die Zeit, in der wir gerade leben. Auch sie sieht uns in einer Zeit des totalen Überflusses. Unser Gespräch bezog sich auf uns privilegierte Schweizer. Zu viel an Konsum. Zu viele Honigsorten im Kaufhausregal. Zu viele TV-Sender. Zu viele Gratiskanäle. Zu viel Flatterwerbung auf allen Bildschirmen. Zu viel Infomüll. Zu viele Fake News. Zu viele Wahlmöglichkeiten, die viele von uns hoffnungslos verwirrt und zerstreut. Zu viele unqualifizierte Meinungsäusserungen, die wir kaum mehr von Wahrheit oder von wahrer Qualität unterscheiden können. Oder unterscheiden wollen? Wir leben in einer Zeit, wo jeder Oberstufenschüler eine umfassende Weltbibliothek in der Tasche mit sich führt. Gleichzeitig ist da aber auch noch ein Spielcasino inbegriffen. Und auch noch das grösste Klatschkaffee der Welt. Weltbibliothek, Spielcasino, Klatschkaffee. Alles jederzeit und gratis verfügbar. Ja, wir leben in einer unglaublich spannenden und herausfordernden Zeit.

Das gedruckte Buch ist zu alldem das perfekte Gegenmittel. Buchautoren empfinde ich oft wie Freunde, die zu mir sprechen. Freunde, die in aller Sorgfalt und ohne sofortige Gegenrede, ihre Botschaften differenziert darlegen können. Und unzählige Autoren bemühen sich, die Quintessenz ihres Suchens und Strebens so gut darzulegen, wie nur möglich. Damit wird eine gut sortierte Büchersammlung zu einer reichen Schatzkammer, zu einer Oase des Geistes, zu einer Quelle für Inspiration und persönlicher Weiterbildung. Zu einem Medikament für innere Fokussierung und Sinnstiftung. Und zu einem Visionslabor für eine wünschenswerte Zukunft.

Auch in der unendlich weitläufigen Welt der Bücher kann man sich hoffnungslos verlieren und verzetteln. Um dem entgegenzuwirken, empfehle ich, immer zuerst die Quelle zu prüfen. Wer ist die Autorin, der Autor? Habe ich zu ihr oder zu ihm Vertrauen? Gehört sie vielleicht zu jenen Lieblingsautorinnen, deren Wirken ich schon seit Jahren mitverfolge und die dadurch mein uneingeschränktes Vertrauen geniessen? Eben wie bei guten Freundschaften.

Meine zweite Empfehlung ist, mir selbst zuerst die Fragen zu stellen. Das mache ich vor der Auswahl der für mich besten und passendsten Bücher. Aber auch vor der Lektüre von Kapiteln und Themen. Ich stelle die Fragen! Die Autorin oder der Autor hat vielleicht eine bessere und umfassendere Antwort gefunden als ich. Und vielleicht inspiriert sie mich zu einer eigenen neu geformten Antwort.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist der Besuch einer richtigen Buchhandlung – auch im digitalen Zeitalter. Manche mögen die kleinen und überschaubaren Bücherecken. Bei mir kann eine Buchhandlung gar nicht gross genug sein. Hier betrete ich ein ganzes Universum mit allen denkbaren Fachgebieten und Themen. Von der Unterhaltungsabteilung, zur Kochecke, zu Ferien und Reisen, zu Philosophie, Psychologie und Spiritualität, zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Überall gibt es eine uferlose Fülle von Anregungen und kreativen Impulsen, die meine eigene Lebendigkeit anstacheln. Und damit man in dieser Vielfalt nicht den Überblick verliert und konfus wird, gibt es diese ganz einfache Empfehlung: Stelle Dir selbst die Fragen! Dann findest Du die für Dich und Deinen jetzigen Stand stimmigen Antworten.

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