Schlieren

18 Tonnen schweres Wagi-Denkmal fliegt sachte durch die Luft: «Nun freuen wir uns auf das erste Bier im Wagen»

Zwei Pneukranen hievten den Wagen WR. 8952 vom Schwertransporter.

Nun stehen an der Brunngasse zwei Bahnwagen-Beizen fürs Schlierefäscht bereit. Der Transport des Kulturerbes barg einige Tücken.

«Sie sind verrückt! So etwas macht man nicht!», sagte eine Passantin, als sie am Samstagmittag durch die Brunngasse ging und das Filisurer Stübli entdeckte. Dieses war am Morgen mit zwei Pneukranen von einem Schwertransporter auf die Gasse gehievt worden.

Den zehn Tonnen schweren Wagen der Rhätischen Bahn, 1903 von der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft in Neuhausen produziert, hatte der Bündner Club 1889 im Jahr 2002 restauriert. Nun wurde er erneut aufgefrischt und aus dem Bündnerland nach Schlieren gebracht. Am Schlierefäscht steht er als Beiz im Einsatz. Angeboten werden Bündner Spezialitäten, zum Beispiel Salsiz, Nusstorte, Hausfrauen-Röteli und Arvenschnaps. Zudem wird eine Dampfbahn-Gruppenfahrt von Chur nach Arosa und retour verlost,
wie Club-1889-Präsident Fredy Pfister am Samstag sagte.

Neben dem Filisurer Stübli steht der 18 Tonnen schwere Wagen WR. 8952, hergestellt 1912 in der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren (SWS). 1961 ausgemustert, stand er fortan als Rottenwagen, also als Küchenwagen für Gleisbauer, im Einsatz, ehe er zum Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland gelangte. Im Herbst 2017 kaufte ihn der Verein Historic Schlieren, um ihn zu restaurieren. Am Freitag trocknete die letzte Farbe: der Goldstreifen auf der Seite des Wagens. Ein Hingucker ist auch das SWS-Logo.

Um 15.20 Uhr am Samstag hatten die Pneukranen den WR. 8952 auf die Brunngasse gehievt. «Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Nun freuen wir uns auf das erste Bier im Wagen», sagte Patrick Bigler. Er ist Vizepräsident des Vereins Historic Schlieren und leitet das Wagi-Museum. Der Wagen-Transport hatte sich zuvor um Stunden verzögert. Denn als die Bähnler den Wagen, den sie im Gasi-Areal restauriert hatten, mit dem Hallenkran auf den Schwertransporter hieven wollten, schien die Sache unstabil. So mussten sie ein passenderes Kran-Joch anfertigen. Dann klappte alles. Am Schlierefäscht wird es im Wagen WR. 8952 unter anderem Kaffee aus einer Cimbali-Maschine und feine Desserts geben.

Am 11. September soll das Filisurer Stübli zurück ins Bündnerland und WR. 8952 an die alte Badenerstrasse transportiert werden. Dort ist er als Sommerbeiz im Einsatz. Und setzt erneut das Schlieremer Industriekulturerbe in Szene.

Meistgesehen

Artboard 1