Es ist heiss an diesem Donnerstagabend, besonders im Saal des Katholischen Pfarreizentrums in Schlieren. Trotzdem herrscht emsiges Treiben und mittendrin steht Bruno Sonetto, der Schlieremer Musiker und Produzent. Geprobt wird sein neues Musical «Come una farfalla nel vento» (übersetzt: «Wie ein Schmetterling im Wind»). Es sind nur noch zwei Tage bis zur Premiere und die Aufgaben und Einsätze der rund 80 Personen vor und hinter der Bühne müssen koordiniert werden. Die Energie aller Mitwirkenden ist spürbar und als die Musik erklingt, wähnt man sich irgendwo in Italien.

Es ist das fünfte Musical von Sonetto, das wiederum aus seiner Feder stammt und in italienischer Sprache aufgeführt wird. Er schrieb nicht nur die 20 darin enthaltenen Songs, sondern er ist auch Urheber der Geschichte, ist für die Choreografie verantwortlich und hat letztendlich jedes kleinste Detail geplant. «Das neue Musical ist für mich speziell, da es eine Auftragsarbeit für die Katholische Kirche Schlieren darstellt», sagt Sonetto. Er erhielt die Anfrage, um deren kürzlich neu eröffnetes Pfarreizentrum erstmals mit einem grossen musikalischen Projekt zu bespielen. Zudem sollte es ein Werk sein, das die Integration thematisiert. Beste Voraussetzungen für Sonetto, um basierend darauf ein neues Musical zu schreiben.

«Man fühlt sich fragil»

«Wie ein Schmetterling im Wind» erzählt die Geschichten von vier Menschen, die alle aus verschiedenen Gründen, sei es wegen eines Krieges oder aus wirtschaftlichen Gründen, ihre Heimat für die «Neue Welt» verlassen. «Wir erwähnen bewusst keinen Namen für diese Neue Welt, denn diese kann überall sein», sagt Sonetto. Freilich erinnert der Grundgedanke an die italienischen Einwanderer in die Vereinigten Staaten – zwischen 1820 und 1978 emmigrierten Millionen Italiener nach Amerika.

«Als Immigrant fühlst Du dich wie ein Schmetterling im Wind, daher auch der Titel. Man fühlt sich fragil, wird rumgestossen und sucht seinen Weg in der Fremde.» Sonetto selbst, Sohn italienischer Einwanderer, die in die Schweiz kamen, liess seine Erfahrungen in das Musical einfliessen. «Die Message der Geschichte ist: Ja, wir sind fern von der Heimat, aber wir sind angekommen und durften uns ein neues Leben aufbauen», sagt Sonetto.

Sein Musical soll die Dankbarkeit der Immigranten gegenüber ihrer neuen Heimat betonen, die ihnen Arbeit und neue Möglichkeiten bot. «Meine Protagonisten werden am Schluss sagen, dass es schön sei, wie es ist.» Nicht nur die Musik mit ihren Texten wird diese Message transportieren, sondern auch die Handlung, dies mit packenden Szenen, wie man es sich von einem Musical wünscht. «Selbstverständlich spielt die Liebe eine grosse Rolle, aber auch Freundschaften sind wichtig. Es sind Verbindungen, die über Jahre halten», sagt Sonetto. Auch im Hinblick darauf, dass das Musical mehrere Jahre beschreibt.

Stars der Musikszene

Sonetto kann auf ein begeistertes Publikum hoffen: Sein letztes Musical «Der Mond von Arcano» feierte im September 2016 mit grossem Erfolg Premiere, damals noch im Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon. Er ist zudem bestens vernetzt in der Musikszene, führt er doch nicht nur sein eignes Label Toscanelli Records (wo wiederum eine CD zum neuen Musical erscheint), er organisiert weiter diverse Musikwettbewerbe und ist Initiant des Festivals «Il Sonetto della Musica Italiana». Seine Musicals sind entsprechend professionell und aufwendig inszeniert.

Und sie warten mit Stars der italienischen Musikszene auf. «Eine Hauptrolle im Musical wird Francesca Alotta singen und spielen. Sie gewann mit nur 18 Jahren das Sanremo-Musikfestival», sagt Sonetto stolz. Ebenfalls an Bord ist Giuseppe Milici. Der in Palermo geborene Mundharmoniker spielt sein Instrument heute auf bedeutenden Bühnen in der ganzen Welt.

Neben einem 18-köpfigen Ensemble und einer Live-Band bietet Sonetto auch Tänzerinnen und Tänzer der Mary’s Company auf. Und als Chorleiter lässt er es sich nicht nehmen, seine drei Gruppen – der Jugendchor JC Newton aus Schlieren, sein Pendant aus Dietikon, der Coro Voci Bianche und der Corale San Giuseppe aus Schlieren – in das Musical einzubinden. «Die Altersspanne der Mitwirkenden reicht von 5 bis 93 Jahre», sagt Sonetto stolz.

Es erstaunt, dass das Musical daher nur zweimal – an diesem Samstag und am Sonntag – aufgeführt wird. «Das Ziel ist schon, dass wir ‹Wie Schmetterlinge im Wind› noch mehr spielen können», so Sonetto. Das sei letztendlich aber auch eine finanzielle Frage. Er wird zweifellos sämtliche Möglichkeiten ins Auge fassen, um seine Schmetterlinge viele weitere Male fliegen zu lassen.