Dietikon

Aufgrund des Lockdowns trainiert Riana Fischer auch in der Tiefgarage

Da war das Spiel noch in vollem Gange: Lucia Ondrusova (rechts) von Neunkirch kämpft gegen die FCZ-Spielerin Riana Fischer

Da war das Spiel noch in vollem Gange: Lucia Ondrusova (rechts) von Neunkirch kämpft gegen die FCZ-Spielerin Riana Fischer

Riana Fischer ist FCZ-Profifussballerin. Aktuell geniesst sie aber vor allem ihr zuhause in Dietikon und findet neue Trainingsorte.

Riana Fischer ist eher bekannt für ihre schnellen Pässe, als dafür, dass sie ihre Tage auf dem Sofa verbringt. «Normalerweise kam ich erst um 21 Uhr nach Hause», sagt die Dietikerin. Dann habe sie rasch etwas gekocht, für mehr blieb keine Zeit. Der Alltag der Sportlerin ist nun komplett auf den Kopf gestellt. Sie sitzt im dunklen Kapuzenpulli vor der Kamera und telefoniert von zuhause aus. Ihr Arbeitsplatz bei der Gemeindeverwaltung Buchs hat sie ins Homeoffice verlegt. Da der Schalter nicht geöffnet ist, kann sie es ruhiger angehen als im Alltag. «Erst in der nächsten Woche werden wir mehr zu tun haben, wenn die Unterstützungsanfragen der Kleinunternehmer kommen.» Die 25-jährige Profifussballerin ist sich anstrengendere Tage gewohnt. Normalerweise hat sie viermal pro Woche Training plus einen Match am Wochenende. Dies alles fällt nun weg. «Ich merke erst jetzt, wie viel Zeit der Fussball frisst», sagt Fischer.

Seit Fischer sechsjährig ist, spielt sie im Fussballclub. Sie startete bei den F-Junioren in Zürich Affoltern und wechselte später zu den Letzikids. Bis im Alter von zwölf Jahren spielte sie immer mit Knaben. Dann startete die Tochter des 1. FC Union Berlin-Trainers, Urs Fischer in der Frauenmannschaft des FCZ. Dort spielte sie sich ins Kader der Profifussballerinnen. Heute trägt Fischer in Abwesenheit von Fabienne Humm die Kapitänsbinde. Ihren Platz hat sie in der Innenverteidigung und ihre Stärke ist der linke Fuss, dieser sorgte bereits für viele Tore.

Geschicklichkeitsparcours in der Tiefgarage

Seit knapp drei Wochen hat sie nun keinen Ball mehr am Fuss. Stattdessen haben alle Fussballerinnen einen Trainingsplan erhalten. Dieser beinhaltet Joggen, Konditionstraining und Geschicklichkeitsübungen. «Das braucht schon ein wenig Überwindung», sagt Fischer. Dank dem Fischer seit einigen Monaten in Dietikon wohnt, kann sie ihre Joggingrunde auch auf dem Spazierweg Richtung Spreitenbach abrennen. Noch besser als die neue Umgebung ist aber, dass sie mit ihrer Teamkollegin zusammenwohnt. So können sie das verordnete Trainingsprogramm gemeinsam abarbeiten. Dazu bauen die beiden Fussballerinnen auch einmal einen Geschicklichkeitsparcours in der Tiefgarage auf. «Nur kicken können wir dort nicht», sagt Fischer und lacht. «Das Fussballspielen fehlt mir», fügt sie an. Sie wolle gerne wieder einmal mit den Nockenschuhen über die Wiese rennen.

Doch sie geniesse es auch, in Ruhe zuhause zu sein. Ohne Stress Küche, Wäsche und Haushalt erledigen zu können, ist ein neues Gefühl für sie. Auch habe sie nun viel mehr Zeit für Netflix, Filme und Bücher. «Vorher war ich viel zu müde dafür oder konnte nur noch wenige Minuten vor dem Schlafen lesen», sagt Fischer. Diese Zeit mache sie auch dankbarer für das was sie habe und verfestige den Zusammenhalt. «Ich freue mich schon sehr, meine Lieben wieder persönlich zu sehen», sagt Fischer.

Ob die Runde weitergeht ist noch unklar

Aus sportlicher Sicht habe die Pause jedoch wenig Gutes. «Man muss sich an der Nase nehmen, um die Kondition aufrechtzuerhalten. Sonst wird man das im Training später sofort merken», sagt Fischer. Wie es mit der Tabelle des FCZ weitergehe, sei noch nicht entschieden. Fest steht einzig, dass bis Ende April weder Training noch Spiele stattfinden. Ob die FCZ-Frauen mit 40 Punkten weiterhin auf dem zweiten Platz, einen Punkt hinter FC Servette bleiben oder ob die Saison zu Ende gespielt wird, ist noch nicht klar. «Ich fände es fair, wenn wir weiterspielen würden und die Runde nicht abgebrochen wird», sagt Fischer.

Auch abgesehen von der Zwangspause, ist das Jahr, nachdem die FCZ-Frauen die Meisterschaft und den Cup gewonnen haben, eine Herausforderung. «Wir hatten viele Abgänge in der letzten Saison, das merkte man uns auch auf dem Platz an», sagt Fischer. Nun fehle den Frauen die Zeit für die Teambildung. Was sie nach der Coronakrise erwartet, ist noch unklar und wie sie sich dann auf dem Platz behaupten können, weiss ebenfalls niemand. So bleibe ihnen nur, dass sie sich, wie bereits jetzt, mit der Situation arrangieren. «Wir werden einfach unser Bestes geben», sagt Fischer. Darauf freue sie sich aber schon heute.

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