Wer zuletzt lacht...

Balkonkonzert statt Live-Musik: Diesen Klängen lauscht unser Kolumnist alternativ in Corona-Zeiten

Die Frage, die sich nun natürlich stellt: Wählen die Amseldamen wirklich die besten Sänger aus? (Symbolbild)

Die Frage, die sich nun natürlich stellt: Wählen die Amseldamen wirklich die besten Sänger aus? (Symbolbild)

Unser Schlieremer Kolumnist Martin von Aesch vermisst die Besuche im Konzertsaal – jedoch hat er eine schöne Übergangslösung auf dem Balkon entdeckt.

Eigentlich geht es mir gut. Sehr gut sogar. Sicher so gut, dass ich mich beinahe entschuldigen muss, wenn ich jemandem von meinem erfreulichen Gemütszustand erzähle. Denn eigentlich sollte es mir in diesen struben Zeiten, in denen nichts mehr so ist wie vorher, ja so richtig schlecht gehen. Wenn mein Gegenüber mich nach meinem Statement etwas konsterniert mustert, gebe ich dann halt zu, dass es schon Sachen gibt, die ich vermisse. Als erstes erwähne ich immer gleich die Musik. Die Live-Musik. Was auch stimmt. Denn ich würde unendlich gerne wieder einmal in einem Konzertsaal sitzen.

Was ich aber nicht erwähne, ist, dass ich längst Ersatz gefunden habe. Seit die Seuche ausgebrochen ist, setze ich mich recht häufig auf den Balkon, um dem Gesang meiner Lieblingsamsel zu lauschen. Wie dieser kleine Vogel virtuos die schwierigsten Arien vom gegenüberliegenden Dach trällert, ist schon einmalig. Natürlich weiss ich, dass dieser Piepmatz nicht für mich singt. Er tut es für seine Angebetete, die ihn erhören soll.

Die Frage, die sich nun natürlich stellt, ist die: Wählen die Amseldamen wirklich die besten Sänger aus? Vermutlich ja. Denn sonst würde er sich nicht so ins Zeug legen. Nur eben, sie könnte ihre Wahl bereuen. Denn wenn es dann um die Brutpflege geht, wird er sich verabschieden, weil er sich wieder seiner Kunst hingeben muss. Was unter dem Strich bedeutet: Gute Sänger eignen sich für die Begattung. Schlechte allerdings besser für die Betreuung der Geleges.

Klar. Ich bin kein Ornithologe. Ob meine Theorie also auf Amseln zutrifft, weiss ich nicht. Auf Menschen hingegen mit Sicherheit. Sie hört ihn singen, will ihn haben, kriegt ihn auch, wird dann schwanger, und schon gibt er das nächste Konzert, ist also weg. Doch dann kommts knüppeldick. Denn plötzlich muss er im Homeoffice arbeiten und geht ihr schon nach Tagen ganz fürchterlich auf den Keks.

Warum mir in diesem Zusammenhang Dieter Bohlen in den Sinn kommt? Keine Ahnung. Dummerweise denke jetzt immer an diesen Dieter, wenn ich der Amsel lausche. Dieter, die Amsel. Wie passend.

Zur Person:

Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

Der Schlieremer Martin von Aesch gehört als AHV-Positiver zur Corona-Risikogruppe. Hier überlegt er sich, wie er trotz der Krise den Humor nicht verliert.

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