Dietikon

Bau der Limmattalbahn: «Jede Baustelle ist ein Eingriff»

Vor zwei Jahren: Daniel Issler beim Spatenstich für die erste Bauetappe der Limmattalbahn.

«Mit den Arbeiten stören wir Dietikon», ist sich Daniel Issler, der Geschäftsführer der Limmattalbahn AG bewusst. Er versucht die negativen Auswirkungen der Bauerei zu minimieren - unter anderem indem rasch vorwärts gemacht wird. Ein Rück- und Ausblick.

Im Empfangsbereich in den Räumen der Limmattalbahn AG hängen weisse und schwarze T-Shirts: «Eröffnungsfeier 1. Etappe», steht gross darauf. Sie wurden zur Einweihung der ersten Bauetappe bestellt, die vor zehn Tagen gefeiert wurde. Im grossen Sitzungszimmer sind derweil mehrere Pläne an die Wand gepinnt, die die verschiedenen Schritte der zweiten Bauetappe zeigen. Diese wird bis 2022 dauern.

Wie ist Ihre Gemütslage: Ist die Freude über den Abschluss der ersten Etappe oder die Anspannung vor der zweiten grösser?

Daniel Issler: Im Moment überwiegt schon die Freude. Es ist toll, dass in den vergangenen zwei Jahren alles derart reibungslos geklappt hat. Und die erste Woche des fahrplanmässigen Trambetriebs ist auch problemlos verlaufen. Der Zweier war, auch weil er zu einhundert Prozent auf einem Eigentrassee verkehrt, extrem pünktlich unterwegs. Es gab keine Verspätungen.

Beim Baustart, der heute vor genau zwei Jahren stattfand, gab es heftige Kritik.

Im Vorfeld wussten wir tatsächlich nicht, wie die Baustellen mitten im Schlieremer Zentrum aufgenommen werden. Aber dank des schönen Herbstes 2017 kamen wir wahnsinnig schnell voran. Die Unternehmer haben einen riesigen Vorsprung auf den Bauplan herausgeholt. Das hat uns sehr geholfen. So gab es spätestens Ende 2017 fast nur noch positive Rückmeldungen.

Weil man gesehen hat, dass sich etwas tut?

Ja, wenn 150 Arbeiter auf der Baustelle schaffen, dann kann man nicht sagen, das Ganze dauere ewig, das gehe nicht voran. Diesen Einsatz der Arbeiter haben die Leute geschätzt. Zudem konnte der Verkehr trotz der Bauerei weiterhin fliessen.

Jetzt sind gerade die Arbeiten für die zweite Etappe gestartet: Laufen da die Telefondrähte bei Ihnen heiss?

Es ist erstaunlich ruhig. Wir haben ein paar Mails und Anrufe erhalten. Wir überwachen den Verkehr und beobachten die Situation in Spitzenzeiten. Der Verkehr läuft insgesamt relativ flüssig.

Aber Kritik kam doch auf?

Es ist eine Tatsache, dass wir die Limmattalbahn in einem dicht besiedelten Gebiet bauen. Mit den Arbeiten, das bin ich mir absolut bewusst, stören wir beispielsweise Dietikon. Eine Baustelle ist immer ein Eingriff. Wir versuchen, die Auswirkungen zu minimieren.

Im Internet wird aber beispielsweise heftig gegen die Verkehrsführung an der Dietiker Bunkerkreuzung geschossen: Zebrastreifen wurden gestrichen, Velofahrer fühlen sich unsicher.

Die Signalisation war dort am Anfang nicht gut. So gab es Veloweg-Schilder, die trotz Aufhebung des Velowegs, nicht abgedeckt waren und so zur Verwirrung führten. Und es fehlte im Niderfeld die Signalisation für Fussgänger, damit sie nicht über die gesperrte Bunkerkreuzung, sondern über einen Umweg geführt werden. Das haben wir inzwischen verbessert.

Am Umweg für Fussgänger führt kein Weg vorbei?

Es ist ein Fakt, dass wir an der Bunkerkreuzung eine riesige Baustelle haben. Wir erstellen eine grosse Strassenunterführung. Dies hat eine sehr grosse Baugrube zur Folge, die nicht mehr passiert werden kann. Die Wegführung, die nun besser ausgeschildert ist, scheint vertretbar zu sein.

Haben Sie bei der Planung für die zweite Etappe bereits von den Erfahrungen der ersten Etappe profitieren können?

Vom Verkehr her lassen sich die beiden Etappen nicht vergleichen. Vom Farbhof in Zürich Altstetten bis zur Geissweid in Schlieren war die Ausgangslage anders. Die Badenerstrasse war so breit, dass während den ganzen Bauarbeiten der Verkehr in beide Richtungen fliessen konnte. Bei der zweiten Etappe sieht dies nun anders aus. In Dietikon ist es, beispielsweise an der Zürcherstrasse, sehr eng. Da müssen wir auf ein Einbahnregime ausweichen, damit die Arbeiter genügend Platz haben. Aus diesem Grund haben wir bereits vor über einem Jahr mit der Vorbereitung und Planung der Verkehrsmassnahmen begonnen.

Nehmen Sie – abgesehen vom Verkehr – etwas von der ersten in die zweite Etappe mit?

Eine Erkenntnis ist sicher, dass sich die beiden Intensivbaustellen bewährt haben. Im Sommer 2018 haben wir während den Ferien auf dem Schlieremer Stadtplatz gebaut, im Sommer 2019 am Farbhof. Dabei konnten die beteiligten Unternehmen extrem konzentriert viel Leistung erbringen. Dies kommt bei Anwohnern besser an, als wenn sie mit einer ewigen Baustelle konfrontiert sind. In der zweiten Etappe werden wir deshalb wiederum mit Intensivbaustellen schaffen. So unter anderem im Sommer 2020 im Bereich der Reppischbrücke und im Sommer 2021 im Abschnitt vom Dietiker Bahnhof bis zum Stadthaus. Bis dahin bleibt der Kirchplatz praktisch unberührt.

Die zweite Bauetappe gilt als anspruchsvoller als die erste. Wo sind die Herausforderungen am grössten?

Die drei Kilometer lange erste Etappe war aus baulicher Sicht vergleichsweise einfach. Nun steht auf den zehn Kilometern der zweiten praktisch überall etwas Spannendes an.

Sticht etwas heraus?

Faszinierend sind sicher die verschiedenen Kunstbauten. Wie zum Beispiel der Färberhüslitunnel in Schlieren. Die Situation ist dort speziell; der Tunnel wird direkt zwischen Wohnblöcken erstellt.

Und wo bestehen die grössten Schwierigkeiten?

Der Terminplan ist sehr ehrgeizig. In drei Jahren wird eine zehn Kilometer lange Strecke gebaut. Dabei müssen viele verschiedene Disziplinen – unter anderem Tiefbau, Fahrleitung, Gleisoberbau und Kunstbauten – aufeinander abgestimmt werden. Da muss die Koordination gut laufen. Gibt es in einem Bereich Verzögerungen, wirkt sich dies auf das ganze Projekt aus. Diesbezüglich können wir aber auch auf die Erfahrungen der ersten Etappe zurückgreifen. Vieles hat sich bereits eingespielt.

Sie sind also zuversichtlich, dass alles weiterhin klappt – oder gibt es doch noch Unwägbarkeiten?

Bei den Bauarbeiten könnten wir auf archäologische Funde wie Gräber oder dergleichen stossen. Im Niderfeld ging einst eine alte Römerroute durch. Das würde lokal zu einer gewissen Verzögerung führen, doch ist das insgesamt auf der Gesamtstrecke kein Problem.

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