Weiningen

Baustelle im Weinberg: Sie schaffen ein Paradies für Eidechsen

Sechs Lernende der Walo Bertschinger AG errichteten im Rebberg Hasleren in Weiningen Steinlinsen für Eidechsen.

Sechs Lernende der Walo Bertschinger AG errichteten im Rebberg Hasleren in Weiningen Steinlinsen für Eidechsen.

Sechs Lernende der Walo Bertschinger AG werteten diese Woche den Weininger Rebberg Hasleren für die Tierwelt und den Weinbau auf.

Helle verschieden grosse Bollensteine ragen aus der Böschung im Rebberg Hasleren in Weiningen. Die Bise wirbelt Sand durch die Luft. Carlos Alves verteilt mit einer Schaufel Erde rund um die eineinhalb Meter hohen und vier Meter langen Steinhaufen. Der junge Mann zückt sein Smartphone. «Am Montag haben wir bereits die erste Zauneidechse gesichtet», sagt er und spielt ein Handy-Video ab, in dem ein Exemplar zu sehen ist. Alves und fünf weitere Lernende des Dietiker Bauunternehmens Walo Bertschinger arbeiteten unter der Leitung von Polier Manuel Köpfli diese Woche im Weininger Rebberg im Dienste der Zauneidechsen. Sie erstellten vier Steinlinsen, die den dort heimischen Reptilien ein neues Zuhause bieten sollen.

Die Biodiversität der Kulturlandschaft fördern

Die Idee für das Projekt hatte die Kommission Standortmarketing Weinbau der Gemeinde Weiningen, die sich «Wein.Kom» nennt. Sie hat sich auf die Fahne geschrieben, Weiningen als Weinbaudorf zu stärken. «Unser Ziel ist es, die Biodiversität der Kulturlandschaft auf diese Weise zu fördern», sagt Kommissionsmitglied Elisabeth Hintermann. Sie zeigt sich zufrieden mit dem Resultat. «Wir sind froh, dass wir gemeinsam mit Walo Bertschingers Unterstützung ein nachhaltiges Projekt regional und für die Region umsetzen konnten.» Erfreut ist auch der Weininger Gemeindepräsident und Kommissionsmitglied Mario Okle (parteilos). «Ich bin beeindruckt, wie toll die Lernenden den Ort aufgewertet haben. Es ist kein Vergleich zum Spätsommer, als die Brombeerstauden wucherten und das Rebhüsli beinahe am Zerfallen war.» Eigentlich habe man die Hütte abreissen wollen. Doch Okle wehrte sich mit Erfolg. «In Weiningen gibt es 15 Wöschhüsli, 15 Brunnen sowie 30 und eben nicht 29 Rebhüsli.»

Im Rebberg Hasleren finden sich an der Böschung neu vier Steinlinsen für Eidechsen.

Steinlinsen

Im Rebberg Hasleren finden sich an der Böschung neu vier Steinlinsen für Eidechsen.

Beratend zur Seite stand den Lernenden der Weininger Biologe und Eidechsen-Spezialist Walter Schaffner vor und während der Realisierung. «Er hat uns aufgrund des Coronanotstands übers Telefon Anweisungen gegeben, wie wir die Steine schichten können», erzählt Polier Manuel Köpfli beim Besuch der Baustelle am Donnerstag. Zuerst habe man 80 Zentimeter tiefe Löcher gegraben und diese dann mit Steinen und feinem Kies gefüllt. «Nun verteilen die Lernenden Humus um die fertigen Steinlinsen, damit an der Böschung wieder Gras wachsen kann.» Die Arbeitsbedingungen für die Walo-Truppe waren aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus etwas erschwert. «Wir müssen uns an die Abstandsregeln halten und fahren deshalb mit mehreren Fahrzeugen hier in den Rebberg hoch», sagt Köpfli. Nichtsdestotrotz seien sie gut im Zeitplan. «Ich planiere einen Zufahrtsweg mit dem Raupenbagger, damit die Winzer mit ihren Rebgeräten besser den Hang hoch kommen.» Der Weg endet auf dem neu geschaffenen Absatz oberhalb der Steinlinsen direkt vor dem Rebhüsli. Dort schleifen und lasieren die Lernenden das Holz der Hütte.

Der Bau der Treppe zum Rebhüsli ist ein Highlight

Der Einsatz der jungen Männer kommt nicht nur den Eidechsen, sondern auch den Winzern und dem Weinberg Hasleren zugute. «Wir haben eine Treppe aus Natursteinen als Zugang zum Rebhüsli errichtet», sagt Knöpfli. Für Carlos Alves das Highlight der Woche. «Es hat Spass gemacht, sie zu bauen. Sie ist schön geworden», sagt der angehende Industrie- und Unterlagsbodenbauer. Sein Kollege Laurent Shtanaj freut sich am meisten über das renovierten Rebhüsli. «Wir konnten optisch viel rausholen. Es sieht jetzt viel besser aus», sagt der 18-Jährige.

Die Lernenden von Walo Bertschinger errichteten auch eine Natursteintreppe und renovierten ein Rebhüsli.

Rebhüsli und Steintreppe

Die Lernenden von Walo Bertschinger errichteten auch eine Natursteintreppe und renovierten ein Rebhüsli.

Geschwärmt wird aber auch von der Verpflegung. Zum Znüni hätten ihnen die Winzerfamilien Fresspäckli mit Sandwiches gebracht, am Mittag hätten sie bei Elisabeth Hintermann mit gebührend Abstand gegessen, sagt Köpfli. «Ich glaube, wir haben noch auf keiner Baustelle gearbeitet, wo wir so gut verköstigt wurden wie hier im Weininger Rebberg.»

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Autor

Sibylle Egloff

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