Unterengstringen
Corona-Fotoprojekt: «Incognito» sammelt Geld für die Glückskette

Stéphane Mingot hat ein Projekt auf die Beine gestellt, mit dem er Personen unterstützen will, die von der Pandemie besonders betroffen sind. Dazu hat er 50 Portraits veröffentlicht, bei denen mit dem Anklicken die Schutzmaske verschwindet.

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Der Unterengstringer Stéphane Mingot hat ein Fotoprojekt namens Incognito auf die Beine gestellt. Es thematisiert etwas, das seit Beginn der Coronapandemie allmählich Teil unseres Alltags geworden ist: die Schutzmaske. «Wenn wir eine Person mit einer Maske sehen, versuchen wir automatisch, die fehlenden Informationen zu kompensieren», sagt Mingot. «Es ist wie ein Spiel. Manchmal liegt man richtig, manchmal falsch.» Auf der Website www.theincognito.ch präsentiert der Fotograf sein Projekt. Zu finden sind Fotos von 50 Personen mit Maske, diese verschwindet beim Anklicken des Bildes.

Hinter Incognito versteckt sich mehr als das Spiel mit der Vorstellungskraft: In Zusammenarbeit mit der Glückskette sammelt das Projekt Spenden für die Personen in der Schweiz, die von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen sind. «Ich habe eine vertrauenswürdige Institution gesucht, die den Menschen auf einer breiten Basis hilft», sagt Mingot. «Die Hilfe der Glückskette gelangt auch wirklich an Menschen in Not.»

Die Spenden gehen direkt an die Glückskette, die Incognito eine eigene Spendenseite zur Verfügung stellt. So kann Mingot verfolgen, wie viel Geld durch sein Projekt für die Organisation gesammelt wurde. «Seit März engagieren sich immer wieder Privatpersonen, Firmen und kleinere Unternehmen und unterstützen die Glückskette durch eigene Aktionen, so wie es Incognito macht», sagt Priska Spörri, Mediensprecherin der Glückskette. «Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung von Privatpersonen oder Unternehmen in Form einer Spendenaktion.» Wie viel Geld durch das Projekt eingenommen werden könne, sei schwierig abzuschätzen, sagt Mingot. «Ich hoffe auf einen fünfstelligen Betrag.»

Bereits im September hat Mingot mit ersten Tests in Bezug auf die Lichtverhältnisse und die Materialien begonnen. Zwischen Oktober und Dezember seien die Fotos entstanden, die seit dem 28. Dezember auf der Website zu betrachten sind. Dort sollen sie auch bis auf weiteres bleiben, denn bei Incognito handelt es sich um ein zeitlich unbegrenztes Projekt.

Interviews mit bekannten Personen sollen folgen

«Die Leute auf den Bildern kommen mehrheitlich aus meiner Familie, meinem Freundes- und Bekanntenkreis sowie aus meinem Arbeitsumfeld», sagt Mingot. Sein mobiles Studio habe er bei sich zu Hause, vor Ort bei den Leuten oder in einem Sitzungszimmer seines Arbeitgebers aufgestellt. In Zukunft möchte er noch einen Schritt weitergehen. Geplant ist, im Frühling ein Buch mit den Porträts sowie mit Interviews mit bekannten Persönlichkeiten über den Umgang mit der Pandemie und mit Fotos von ihnen herauszugeben. «Wir haben noch keine Personen angefragt, doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein paar Leute mitmachen werden, ist hoch», sagt Mingot. Zudem möchte er kontinuierlich weitere Bilder auf der Website publizieren.

«Für mich als Fotograf war es sehr bereichernd und spannend, das Kunstprojekt umzusetzen», sagt Mingot. Obwohl die Idee einfach sei, sei in dieser Form noch kein Corona-Fotoprojekt durchgeführt worden. «Ich möchte auch ein Zeugnis dieser aussergewöhnlichen Zeit schaffen», sagt er. Hinzu komme der Wunsch, mit dem Projekt stark Betroffene unterstützen zu können, denn er selber sieht sich als privilegiert an.

Besonders Freude habe er am Kontakt mit den Menschen während der Shootings gehabt, sagt Mingot. Der kreative Akt und der Austausch mit bekannten und unbekannten Leuten haben ihm sehr gefallen. «Ich freue mich über das Ergebnis und liebe die Galerie mit all diesen tollen Menschen.»