Dietikon

Das Streichorchester spielt bald Bach: Was der Komponist mit Jazz zu tun hat

Schon seit er sechs Jahre alt ist sitzt Maurice Imhof regelmässig am Klavier.

Schon seit er sechs Jahre alt ist sitzt Maurice Imhof regelmässig am Klavier.

Der Uitiker Pianist Maurice Imhof steht bald mit dem Streichorchester Dietikon auf der Bühne. Gespielt werden Werke von Bach und seiner Familie.

Zum zweiten Mal spielt der Uitiker Pianist Maurice Imhof am 27. September mit dem Streichorchester Dietikon ein Konzert in der reformierten Kirche. Auf dem Programm stehen vier Werke von drei verschiedenen Komponisten namens Bach: Neben zwei Stücken des berühmten Johann Sebastian Bach stammen die anderen beiden von dessen Verwandten Johann Ludwig und Johann Christoph Friedrich Bach. In einem der vier Werke, dem Klavierkonzert in d-Moll von Johann Sebastian Bach, übernimmt der 24-Jährige Imhof die Rolle des Solisten. «Die Zusammenarbeit mit dem Streichorchester war sehr angenehm. Es herrschte eine entspannte Atmosphäre und ich fühlte die Wertschätzung mir gegenüber», sagt der Uitiker, der ansonsten vor allem als Jazzpianist auftritt.

Während der Coronakrise hatte Imhof zwar finanzielle Einbussen, da Konzerte abgesagt werden mussten. Es haben sich aber auch Türen für ihn geöffnet: «Weil ein südafrikanischer Pianist für ein Musikfestival im Wallis nicht einreisen konnte, durfte ich dort gleich zwei Mal auftreten», sagt er. Der Start der Proben mit dem Streichorchester sei coronabedingt etwas nach hinten verschoben worden. «Im August haben wir angefangen, miteinander zu proben. Ich selber übe das Werk aber schon etwa seit vergangenem Februar.» Dass der ursprüngliche Konzerttermin nicht verschoben wurde, sei nicht selbstverständlich. Und er schätze, wie pragmatisch die Präsidentin des Streichorchesters Dietikon, Christa Jordi, mit der Situation umgegangen sei, sagt Imhof.

«Ich habe noch nicht allzu viel Erfahrung mit Bach», sagt Imhof. «Was ich aber besonders an seiner Musik mag, ist die Mehrstimmigkeit. Es gibt nicht nur eine Hauptmelodie, sondern man zeigt immer mehrere Stimmen gleichzeitig. Auch wechseln sich die Klavier- und Orchesterstimmen in ihrer Wichtigkeit ab.» Zudem haben Bachs Harmonien einen grossen Einfluss auf spätere Stile gehabt, weshalb dessen Werke gerne verjazzt werden. «Der Jazzpianist Jacques Loussier hat einmal gesagt, dass Bach der erste Jazzmusiker gewesen sei», sagt Imhof.

Dank der ausgefallenen Konzerte in der ersten Jahreshälfte habe er mehr Zeit gehabt, das Klavierkonzert, das er mit dem Streichorchester spielen wird, einzuüben. «Es ist sehr anspruchsvoll, sich die Noten eines Stücks von Bach zu merken. Glücklicherweise ist es bei Bach aber ausnahmsweise üblich, mit Noten zu spielen.»

Besonders habe Imhof an der Zusammenarbeit mit dem Streichorchester Dietikon auch den Dirigenten geschätzt: «Günther Stückle ist mir sehr sympathisch. Er legt auf die grundlegende Gestaltung eines Stücks Wert, verliert sich aber nicht in den Details. So schafft er es, das beste aus dem Streichorchester Dietikon rauszuholen», sagt er.

Im Lockdown gab es Video-Klavierstunden

Seit seinem Masterabschluss in Musikpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste im Sommer 2019 arbeitet Imhof zu 60 Prozent als Klavierlehrer an der Musikschule Zollikon. Während des Lockdowns mussten die Klavierstunden mithilfe von Videos, die über Whatsapp verschickt wurden, stattfinden. Die Arbeit als Klavierlehrer gefällt ihm sehr gut. «Besonders toll finde ich, dass die Musikschule Zollikon immer wieder kreative Projekte durchführt: So durfte ich kürzlich zwei Orchesterstücke für drei Klaviere à vier Händen arrangieren», sagt Imhof. Neben seinem Lehrerpensum tritt er regelmässig auf, vor allem im Jazzbereich. Nur von Konzerten würde er aber nicht leben wollen. «Das wäre mir zu stressig», sagt er. «Als Konzertpianist steht man unter Druck, immer neue Musik zu liefern. Zudem ist es schwierig, konstant genügend Auftrittsmöglichkeiten zu haben.»

Maurice Imhof hat bereits mit sechs Jahren angefangen, Klavier zu spielen. «Mein Bruder hat schon gespielt und ich habe ständig auf seinem Klavier herumgeklimpert», sagt er. «Irgendwann hatte meine Mutter genug davon, dass ich immer das gleiche spielte, und erlaubte mir, Klavierstunden zu nehmen.» Als Kind habe er eine Jazz-CD gehabt, die ihm sehr gefallen habe, sagt er. Deshalb habe er schon früh selber versucht, Jazz zu spielen und zu improvisieren. Da dies nicht das Fachgebiet seines damaligen Klavierlehrers gewesen sei, habe dieser ihn zu einem Profi geschickt. «Seit ich elf Jahre alt war, hatte ich Jazz-Unterricht bei Dave Ruosch. Nun spiele ich oft zusammen mit ihm im Duo. Mit ihm bin ich beispielsweise vor zwei Wochen am Stride and Boogie Summit in Urdorf aufgetreten und es stehen dieses Jahr noch Auftritte in Greifensee und Basel bevor.»

Klassische Werke in jazzigem Stil sind beliebt

Auch wenn Imhof in klassischer Musik ausgebildet wurde, schlägt sein Herz etwas mehr für den Jazz. «Mir gefällt, dass man frei und individuell spielen kann», sagt er. Für ein Studium in klassischem Klavier habe er sich entschieden, weil die Klassik eine gute Grundausbildung für einen Pianisten sei. Zudem lerne man durch klassische Musik die besten technischen Fertigkeiten. Besonders gerne arrangiert der Uitiker bekannte klassische Werke in jazzigen Stilen. «Diese Kombination kommt bei einem breiten Publikum gut an», sagt er.

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