Zürcher Wahlen

Die Limmattaler wählen anders als die kantonale Mehrheit – die vier wichtigsten Erkenntnisse

Der neue Zürcher Regierungsrat mit Jacqueline Fehr (SP), Martin Neukom (Grüne), Natalie Rickli (SVP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (CVP), Ernst Stocker (SVP) und Carmen Walker Späh (FDP), vlnr. im Mediencenter bei den kantonalen Wahlen in Zürich.

Bei der heutigen Regierung- und Kantonsratswahl gab es einige staunende Gesichter: Martin Neukom von den Grünen stach seinen Konkurrenten Thomas Vogel von den Freisinnigen aus und ist neu im Regierungsrat. Die Wahl der Limmattaler aber differenziert sich stark von der kantonalen Mehrheit. Sie hätten gerne Thomas Vogel im Regierungsrat gesehen.

Der grüne Politiker Martin Neukom hat es heute zur Überraschung vieler Gegner und auch Gleichgesinnten in den Regierungsrat geschafft. Auch das SVP-Flagschiff Natalie Rickli hat sich durchgesetzt und ist an siebter Stelle, direkt nach Neukom, neu Regierungsrätin.

Die meisten Stimmen auf kantonaler Ebene holte sich Mario Fehr (SP), gefolgt von Parteikollegin Jacqueline Fehr. An dritter Stelle wurde Ernst Stocker (SVP) wiedergewählt. 

Platz vier und fünf belegen nun Silvia Steiner (CVP) und Carmen Walker Späh (FDP). Die FDP-Hoffnung der diesjährigen Wahlen, Thomas Vogel, konnte sich nicht durchsetzen und muss sich mit dem undankbaren achten Platz begnügen. Dieser Zürcher Wahlsonntag ist ein Ereignis für die Geschichtsbücher. 

Den Limmattalern könnte das Ergebnis missfallen: Sie wählten ganz anders als der Kanton. 

Wen haben die Limmattaler in den Regierungsrat gewählt?

Auf den ersten Blick sieht man, dass das Limmattal sein politisches Vertrauen in Ernst Stocker von der SVP steckt. Die folgenden drei Regierungsräte und Regierungsrätinnen sind ähnlich wie auf kantonaler Ebene: SP-Mario Fehr, Silvia Steiner aus der CVP und die freisinnige Carmen Walker Späh rangieren sich nach Stocker ein.

Aber wo bleibt Jacqueline Fehr? Die Limmattaler Wähler haben ihr eine relativ klare Absage verpasst: Sie wurde im Bezirk Dietikon auf den siebten Platz gewählt und wäre so nur knapp wiedergewählt worden. Ein drastischer Unterschied zur Wahl des Kantons. Ginge es nach den Limmattalern, wäre Thomas Vogel anstelle von Martin Neukom neu in den Regierungsrat gewählt worden – an sechster Stelle. Rickli ist mit Platz fünf im Limmattal klar besser angekommen als bei der kantonalen Mehrheit. 

Die vier wichtigsten Wahl-Erkenntnisse aus dem Limmattal:

1.) Vogel dominiert wo Neukom verliert

In neun von von elf Limmattaler Gemeinden wäre Thomas Vogel aus der FDP in den Zürcher Regierungsrat gewählt worden – einzig Schlieren und Dietikon wählten ihn, wie das kantonale Stimmvolk, auf den achten Platz. Interessanterweise sind das die zwei einzigen Limmattaler Gemeinden, die den grünen Politiker Martin Neukom in die Zürcher Exekutive gewählt hätten. In den anderen neun Gemeinden wurde er entweder auf den achten oder neunten Platz gewählt. 

2.) Das Limmattal steht hinter Rickli

SVP-Neu-Regierungsrätin Natalie Rickli kann sich über ihre Ergebnisse in den Limmattaler Gemeinden freuen. Alle Gemeinden sahen sie als ihre neue Zürcher Regierungsrätin. Sie schloss nie tiefer als auf dem sechsten Platz ab – in Oetwil an der Limmat landete sie sogar auf Platz zwei. Die Weininger wählten sie auf den dritten Platz. Auch hier unterscheidet sich die politische Einstellung der Wähler des Bezirks Dietikon von der kantonalen Mehrheit. 

3.) Jacqueline Fehr knapp durch

Jacqueline Fehr schnitt heute nach Zählung aller Wahlzettel auf dem zweiten Platz ab. Aber in den Gemeinden des Bezirks Dietikon konnte sie nicht so stark von sich überzeugen: In sechs von elf Gemeinden wurde sie auf den siebten Rang bugsiert. Also wäre sie, ginge es nach den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, nur mit Ach und Krach wiedergewählt worden. Ihren besten Platzierungen sind in Schlieren und Dietikon, dort befindet sie sich auf Rang fünf. 

4.) Dietikon und Schlieren tendieren nach links

Es macht sich ein klarer Trend bemerkbar: Die urbaneren Limmattaler Gemeinden Schlieren und Dietikon wählten heute linker als bisher. Sie sind die einzigen, die Neukom anstelle von Vogel ihr politisches Vertrauen schenkten. Auch die SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr konnte hier im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden überzeugen, sie erhielt hier ihre Limmattaler Top-Platzierungen, jeweils den vierten Rang. 

Autorin

Michelle Panza

Michelle Panza

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