Unterengstringen

Die Schüler beziehen die neuen Zimmer nach dem Shutdown

Neue Schulzimmer und zu kleine Finken: Der Schulbeginn in Unterengstringen bringt einige Neuerungen mit sich.

Die Unterengstringer Schülerinnen und Schüler sitzen am Montag punkt 8.15 Uhr zum ersten Mal nach dem Shutdown wieder im Büel. «Diese Finken passen mir nicht mehr», sagt eine Schülerin. Spontan entscheidet die Lehrerin der zweiten Klasse, die Hausaufgabe zu erteilen, neue Hausschuhe zu bringen. In der sechswöchigen Pause hat sich nicht nur die Schuhgrösse der Kinder verändert, auch das Schulgebäude sieht nicht mehr gleich aus.

Der Anbau im Schulhaus Büel A, der vor zwei Monaten noch eine offene Baustelle war, wurde während des Shutdowns fertiggestellt. «Die Coronakrise hat wenige Vorteile, doch dass wir den Bau während dieser Zeit fertigstellen konnten, ist wirklich gut», sagt Schulleiter Beda Durschei. Die Kinder beziehen an der Wiedereröffnung zum ersten Mal ihr neues Schulzimmer: «Viel grösser», «Schönere Böden und Wände», befinden die zehn Schülerinnen und Schüler, die im hellen Zimmer Platz genommen haben. Wie kantonal verordnet, findet in Unterengstringen die Schule in Halbklassen statt. Wie sich der neue Stundenplan organisiert, blieb den Schulen weitgehend selbst überlassen. «Wir wollten vor allem nicht, dass unnötige Unruhe entsteht», sagt Durschei.

Dieses Ziel habe er und sein Lehrerteam in den vergangenen Wochen erreicht. Die Lehrpersonen stellten den Schulunterricht innert zwei Tagen auf Fernunterricht um. Die Herausforderung war dabei vor allem, dass Kinder mit besonderen Bedürfnissen nicht zu kurz kommen, sondern zuhause weiterbetreut wurden. Dies sei besonders anspruchsvoll, wenn sie von den Eltern wenig Unterstützung erhielten. «Dank des engagierten und mitdenkenden Personals konnten wir schnell Lösungen für die veränderte Situation finden», sagt Durschei. Beispielsweise hätten die Handarbeitslehrerinnen über 200 Schachteln für die Kinder bereit gestellt. Sie gaben sie ihnen Leim, Stoff und Ähnliches mit nach Hause. So sei auch das Textile und Technische Gestalten nicht zu kurz gekommen.

Der Vergleich mit dem Aargau kann Eltern neidisch machen

«In der momentanen Situation ist viel Flexibilität von Schülern, Lehrpersonen und Eltern gefragt», sagt Durschei. Die Kinder müssen nun die Hälfte des Unterrichts zuhause mit Aufträgen bewältigen. Die Kinder profitieren von den kleineren Klassen, doch für die Eltern sei die weitere Betreuung eine zusätzliche Herausforderung. Immer wieder schleiche sich dabei auch der Vergleich mit anderen Kantonen wie dem Aargau ein, in dem ganze Klassen erlaubt sind. «Es wäre schön gewesen, hätten sich die Kantone einigen können», sagt Durschei.

Auch die Kinder müssen sich an die veränderte Situation gewöhnen. «Wir müssen Abstand halten», sagt ein Zweitklässler zu seiner Kollegin. «Nein, für Kinder gilt das nicht», weiss das Mädchen. Kurz darauf werden sie von der Lehrerin aufgeklärt, dass die Abstandsregel insbesondere für die Erwachsenen gelte. Deshalb stehe sie auch hinter der Klebeband-Linie, erklärt sie und stellt ein Stoppschild auf den Boden.

Die Balance zwischen Vorsicht und Gelassenheit finden

Einen Stock höher in der sechsten Klasse haben sich die Schüler bereits in einem losen Kreis zusammengefunden. Sie analysieren Sprichwörter. «Dankbarkeit macht das Leben leichter», liest jemand vor. «Das würde zum Beispiel heissen, dass man sich über eine Karte freut, statt dass man sich nervt, dass man in den letzten Wochen keine Leute zum Geburtstagsfest einladen konnte», sagt eine Schülerin.

Die grösste Herausforderung der kommenden Wochen werde wohl sein, dass man das Augenmass für die Situation behalte, sagt Durschei. «Es ist schwierig, dass man die Balance zwischen Vorsicht und Gelassenheit, zwischen Ernsthaftigkeit und Humor findet», sagt der Schulleiter. Er hofft, dass sich dies in den kommenden Wochen und Monaten einpendeln wird und dass die Schule im September die verschobene Einweihungsfeier des Anbaus im Schulhaus Büel A feiern kann.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1