Dietikon/Geroldswil
Ein Jahr nach tödlichem Baustellenunfall: Familie des Maurerlehrlings fühlt sich allein gelassen

Am 5. Dezember 2019 erschlug eine rund zwei Tonnen schwere Betonplatte einen 15-jährigen Geroldswiler auf einer Baustelle in Dietikon. Bis heute hat die Familie des Verstorbenen keine Antworten zum Unfallhergang erhalten. Sie ist enttäuscht von der Staatsanwaltschaft und den beteiligten Firmen.

Sibylle Egloff
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Am 5. Dezember 2019 stürzte auf dieser Baustelle in Dietikon ein rund zwei Tonnen schweres Betonelement auf den arbeitenden Mauererlehrling aus Geroldswil.

Am 5. Dezember 2019 stürzte auf dieser Baustelle in Dietikon ein rund zwei Tonnen schweres Betonelement auf den arbeitenden Mauererlehrling aus Geroldswil.

BRK News

Am 5. Dezember 2019 verunglückte der 15-jährige Maurerlehrling Y. R. (Name der Redaktion bekannt) aus Geroldswil auf einer Baustelle in Dietikon tödlich, als ein rund zwei Tonnen schweres Betonelement auf ihn stürzte. Auch mehr als ein Jahr nach dem tragischen Vorfall sind die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft zum Unfallhergang noch immer am Laufen. Für die Familie des Opfers ist das ein unzumutbarer Zustand, wie sie dem «Blick» erzählt. Warum musste der Unerfahrenste der Dietiker Baufirma (Name der Redaktion bekannt) am gefährlichsten Ort der Baustelle arbeiten? Weshalb wurden die Betonplatten so platziert, dass sie jederzeit umkippen konnten? Diese Fragen konnten der Familie bislang weder die Behörden noch die beteiligten Firmen beantworten.

Die Ungewissheit nagt an den Hinterbliebenen. «Wir halten es fast nicht mehr aus. Es geht uns immer schlechter. Die Verantwortlichen verhalten sich, als sei nichts Schlimmes passiert», zitiert der «Blick» den Vater des Verstorbenen. Enttäuscht zeigt sich die Familie auch über die fehlende Empathie der am Unfall beteiligten Firmen. Erst am Abend nach dem Ereignis habe der Lehrmeister sie besucht und kurz über die Umstände gesprochen.

Wir halten es fast nicht mehr aus. Es geht uns immer schlechter. Die Verantwortlichen verhalten sich, als sei nichts Schlimmes passiert.

(Quelle: Vater des Verstorbenen)

Nach einem halben Jahr sei der Inhaber der Lehrfirma vorbeigekommen. Doch weil niemand zu Hause gewesen sei, habe er einen Blumenstrauss und den Lohnausweis vor die Türe gelegt. Seither hätten die Angehörigen nichts mehr gehört. Ein Ende der Untersuchung ist nicht in Sicht, wie die kantonale Oberstaatsanwaltschaft auf Anfrage des «Blicks» schreibt. Im Rahmen des Verfahrens gehe es darum, zu klären, wie es genau zum Unfall kommen konnte und ob ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorliege.