Forchbahn

Eine U-Bahn in Zürich, kann das gehen? – unterirdische Forchbahn soll mehr Kapazität schaffen

Zurzeit verkehrt die Forchbahn zwischen Stadelhofen und Esslingen. (Archivbild)

Zurzeit verkehrt die Forchbahn zwischen Stadelhofen und Esslingen. (Archivbild)

Für eine höhere Kurskapazität soll die Forchbahn dereinst unterirdisch verkehren, fordert der GLP-Politiker Thomas Wirth. Ziel ist es, ein attraktives ÖV-Angebot zu schaffen.

Im vergangenen Dezember hat der Hombrechtiker darum gemeinsam mit zwei Mitunterzeichnenden ein Postulat betreffend einer unterirdischen Linienführung und Verlängerung der Forchbahn im Stadtgebiet eingereicht. Am Montag nun wurde der Prüfungsantrag diskussionslos an den Regierungsrat überweisen.

«Viele glauben, dass Zürich zu klein sei für eine U-Bahn», konstatiert Thomas Wirth. Er sehe dies anders. Städte wie Glasgow und Helsinki zeigten, das es möglich sei. Die beiden Metropolen haben zwar je gut 200'000 Einwohner mehr als Zürich, für den GLP-Politiker und Hombrechtiker Gemeinderat sind sie mit der Limmatstadt dennoch vergleichbar.

Die Stadt Zürich höre de facto schliesslich auch nicht direkt an der Grenze auf, sondern umfasse mit den angrenzenden Regionen mittlerweile ein Gebiet von gut 600'000 bis 700'000 Einwohnern. Und eben jene urbanen Wohnlandschaften dürften auch in den kommenden Jahren am stärksten wachsen. Es gelte darum, ein attraktives ÖV-Angebot zu schaffen.

Achse Stadelhofen–Rehalp könnte an Kapazitätsgrenzen stossen

Auslöser für Wirths Überlegungen zu einer unterirdischen Linienführung der Forchbahn ist aber nicht nur das prognostizierte Wachstum der stadtnahen Gemeinden wie etwa Zollikon und Zumikon. Der Kantonsrat befürchtet, dass durch den Ausbau des Quartiers Lengg zu einem Forschungs- und Gesundheitszentrum und dem damit erwarteten Mehrverkehr die Achse Stadelhofen–Rehalp an ihre Kapazitätsgrenzen stösst.

Rund 2500 Stellen kommen hinzu

Bereits heute ist das Gebiet Lengg an der Gemeindegrenze Zollikons der grösste Arbeitgeber im Gesundheitsbereich der Schweiz. Neben der Universitätsklinik Balgrist, der Schulthess-Klinik, der Klinik Hirslanden und der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung sind auch verschiedene Pflegezentren in den Umgebungen angesiedelt. Ab Ende 2021 dürften zu den heute gut 4000 Stellen noch einmal rund 2500 hinzukommen. Dann nämlich, wenn der 600-Millionen-Franken-­Neubau des Kinderspitals der Architekten Herzog und de Meuron unmittelbar hinter dem Balgrist bezogen werden kann.

Der Kanton plant den Mehrverkehr an Personal, Patienten und Besucher durch eine neue Linienführung des 15er-Trams abzuwickeln. Dieses soll mittelfristig bis Rehalp verkehren. Voraussetzung dafür ist allerdings ein Ausbau der Wendeschleife an der Haltestelle Rehalp.

Thomas Wirth steht diesem Unterfangen grundsätzlich positiv gegenüber. Er gibt aber zu bedenken: «Durch eine zusätzliche Linie auf der Achse Stadelhofen-Rehalp nimmt die Fahrplanstabilität ab und die Kurskapazität der ÖV-Achse ist ausgelastet.» Auch könnten gemäss dem GLP-Politiker keine grösseren Fahrzeuge eingesetzt werden. «Das Verkehrswachstum kann auf lange Frist also kaum mit dem ÖV aufgefangen werden.»

Künftig spätestens ab Zollikerberg unterirdisch 

Um die Attraktivität und Flexibilität des öffentlichen Verkehrs und speziell der Forchbahn auch langfristig zu gewährleisten gibt es für Wirth darum nur eine Lösung: «Die Forchbahn soll ab Zumikon oder spätestens Zollikerberg künftig unterirdisch geführt und damit vom Stadttrassee losgelöst werden.» Zusätzlich zur unterirdischen Linienführung stelle sich zudem die Frage, ob und wie die Forchbahn ins Stadtgebiet verlängert werden könnte. Im Postulat nennen Wirth und seine Mitunterzeichner zwei konkrete Varianten, welche der Regierungsrat zu prüfen hat: eine Verlängerung via Paradeplatz und Albisrieden nach Altstetten und eine Verlängerung über das Hochschulgebiet und die Uni Irchel nach Oerlikon.

Attraktives ÖV-Angebot ist wichtig

In der Kantonsratssitzung vom Montag wurde das Begehren ohne Wortmeldung an den Regierungsrat überwiesen. Für Thomas Wirth eine positive Überraschung. «Ich habe ehrlich gesagt mit Widerstand gerechnet.» Offensichtlich habe unter den Kantonsparlamentariern ein Umdenken stattgefunden. «Es scheint allen klar zu sein, dass es ein attraktives ÖV-Angebot braucht.» Während es aus den Reihen der Kantonsrätinnen und Kantonsräte bisher kaum Reaktionen gegeben habe, erhalte er aus Verkehrsplanerkreisen viel Zuspruch für seinen Vorstoss.

Der Regierungsrat hat nun zwei Jahre Zeit, um einen Bericht und einen Antrag zum Thema vorzulegen. Gleiches gilt für ein weiteres Postulat aus der Feder von Thomas Wirth, welches die ­Verlängerung der Sihltal-Zürich-­Uetliberg-Bahn (SZU) aufs Tapet bringt.

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