Tiere

«Elefantengruppe rannte trompetend durch die Gegend»: Wie Zürcher Volksfeste die Tierwelt wach halten

Züri-Fäscht, 1. August und Street Parade – die Volksfeste sind nicht allen Zootieren geheuer. Manche sind aber auch selber eine Lärmplage.

Dass Hunde panisch auf das 1.-August-Feuerwerk reagieren können, ist für manche Hundehalter ein Grund, das Land zu verlassen. Weniger leicht der Schweiz den Rücken kehren können die Tiere im Zoo. Manchen von ihnen ist die Knallerei aber auch nicht geheuer. So etwa den Raubkatzen, wie Zoo-Kurator Robert Zingg sagt. Den Grosskatzen wird der Zugang zum Stall ermöglicht, damit sie einen vertrauten und geschützten Raum aufsuchen können. Dies biete ihnen am 1. August mehr Sicherheit. Weitere Massnahmen seien nicht nötig, um die Tiere zu beruhigen.

Auf laute Geräusche, die sie nicht einschätzen können, reagieren auch die Elefanten. So etwa am ersten Juli-Wochenende, als am Züri-Fäscht viermal halbstündige Feuerwerke gezündet wurden. «Eine Elefantengruppe rannte laut trompetend durch die Gegend, als die dumpfen Explosionsgeräusche zu hören waren», erzählt Zingg. Die andere Gruppe wiederum liess sich nicht aus der Ruhe bringen.

Die Menschenaffen waren übernächtigt

Zehn Tage nach dem 1. August folgt bereits das nächste lärmintensive Zürcher Fest. Im Zoo hat die Lärmbelastung durch die Street Parade aber deutlich abgenommen, seit die Goa-Party Zoom nicht mehr auf dem Zürichberg stattfindet. Anfang der 2000er-Jahre tanzten dort im Anschluss an die Street Parade noch über 20'000 Besucher unter freiem Himmel. Danach zog das Psychedelic-Festival nach Winterthur, bis es 2007 zum letzten Mal stattfand. Zu Zoom-Zeiten verbrachte Robert Zingg einmal die Street-Parade-Nacht im Zoo, um festzustellen, wie die Tiere die ungewohnten Geräusche verkrafteten. «Die Menschenaffen waren danach ziemlich übernächtigt», sagt Zingg, «nicht etwa, weil sie die Nacht durchgetanzt hätten, sondern weil ihnen die überraschenden tief- und hochfrequenten Töne den Schlaf geraubt hatten.»

Gerade die Menschenaffen können auch selber zur Belastung für empfindliche Ohren werden. Die Duett-Gesänge, die die monogamen Kappengibbon-Pärchen zum Besten geben, ähneln etwa einer amerikanischen Polizeisirene. Das Aussengehege der Gibbons ist direkt neben der Australienanlage. Dort verdankt der Kookaburra seinen deutschen Namen Lachender Hans seinen charakteristischen Lauten. Aufeinander Bezug würden die beiden lauten Nachbarn aber nicht nehmen, sagt Zingg. Vielmehr markierten beide Tierarten ihr Territorium akustisch.

Sogenannte Spötter, Vögel, die andere Arten und Töne imitieren wie der Star oder der Leierschwanz – der Bohrmaschinen oder das Klicken einer Kamera nachahmen kann –, hat es im Zoo Zürich derzeit keine. Sobald im nächsten Frühling die Lewa-Savanne eröffnet wird, ziehen Graupapageien ein, die diese Fähigkeit haben, wie Zingg sagt. Allerdings verhielten sich die Papageien im Schwarm artspezifisch und lernten keine fremden Töne.

Laut wie ein Presslufthammer

Das lauteste Zootier ist auch ein Vogel. Der bunte Felsensittich aus Südamerika erreicht bis zu 100 Dezibel und wird damit so laut wie ein Rockkonzert oder ein Presslufthammer. Auch die Pfauen sind während der Balzzeit sehr laut, weil sie gegen Abend dem ganzen Zoo ihren Balzplatz bekannt geben. Die Balzzeit der Pfauen ist unterdessen vorüber. Derzeit herrscht in der Flamingo-Kolonie ein «Gschnurr», wie Zingg sagt, da diese Vögel gerne nahe beieinanderstehen, was auch zu Diskussionen führen könne. Aggressiv klingen die Laute der Roten Varis in der Masoala-Halle: «Die haben keinen Streit, die können nicht anders miteinander reden.»

Wie es sich gehört, beeindruckt der König der Tiere akustisch am meisten. Stehe man unmittelbar daneben, höre man das Gebrüll des Löwen Radja nicht nur, sondern spüre die tiefen Schwingungen im Körper, erklärt Zingg.

Wach hält Radja die anderen Tiere aber nicht, denn im Gegensatz zu den Partysounds sind sie sich das Gebrüll gewohnt. Nur die «Nachtwandler», die Menschengruppen, die im Sommer in den mongolischen Jurten unterhalb der Löwenanlage übernachten, dürften tags darauf etwas übernächtigt sein.

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