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Er freut sich auch nach 30 Jahren noch auf die Umzüge mit der Trychlergruppe

Das Luzernerwappen auf Jörg Dätwylers Trychle, die er schon seit der Gründung der Gruppe 1991 hat, erinnert an seine Herkunft.

Das Luzernerwappen auf Jörg Dätwylers Trychle, die er schon seit der Gründung der Gruppe 1991 hat, erinnert an seine Herkunft.

Jörg Dätwyler war 1991 eines der Gründungsmitglieder der Trychlergruppe Dietikon. Er glaubt, dass die gesellige Tradition am Wachsen sei.

«Schon als Kind habe ich jeweils am Samichlauseinzug teilgenommen», sagt Jörg Dätwyler. «Am Ende des Umzugs durften wir unsere Glocken, die wir trugen, umkehren und sie wurden mit Mandarinen, Nüssen und Guetzli gefüllt. Beim zweiten Einzug wusste ich das natürlich schon und nahm darum eine grössere Glocke mit», erzählt der Dietiker und lacht. Er ist eines der Gründungsmitglieder der 1991 ins Leben gerufenen Trychlergruppe Dietikon und somit seit bald dreissig Jahren aktiv dabei. Davon war er zehn Jahre als Kassier im Vorstand.

Zu Dietikons 900-jährigem Jubiläum 1989 organisierte der aus der Innerschweiz stammende Pius Baggenstos einen Chlauseinzug wie in seiner Heimat mit einer Trychlergruppe aus Gersau. Ein Jahr später stellte er mit Freunden aus dem Turnverein und der Feuerwehr sowie mit weiteren Heimweh-Innerschweizern eine eigene Trychlergruppe zusammen, die den Chlauseinzug anführte. «Ich bin im luzernischen Reiden aufgewachsen und habe Pius von der Dietiker Feuerwehr gekannt. 1990 war ich aber noch als Hornbläser und nicht als Trychler beim Umzug dabei», sagt Dätwyler. Kurz darauf wurde die Trychlergruppe Dietikon ­gegründet, die mittlerweile schweizweit zu den drei grössten gehört. «Am Anfang haben wir uns alle zwei Monate zum Proben getroffen.» Irgendwann sei dies aber nicht mehr nötig gewesen. «So schwierig ist das Trychlen ja nicht», sagt er und lacht. «Im Gleichschritt gehen konnten wir ja alle schon aus dem Militär.»

Der Dietiker Chlauseinzug gehört mittlerweile zum festen Jahresprogramm der Trychlergruppe. Im Grunde besteht das Trychlen darin, dass die Gruppe gemächlich in einer Formation geht und grosse Glocken erklingen lässt. Auch an der traditionellen Dietiker Sichlete ist die Trychlergruppe jeweils dabei, genauso wie am Rebblüetefäscht in Weiningen. Zudem stehen immer wieder verschiedene öffentliche und private Anlässe auf dem Programm der Gruppe.

Umzüge dauern manchmal mehrere Stunden

«Wir waren schon an Winzerumzügen in Lugano, Zermatt und Neuenburg. Solche Einsätze verbinden wir jeweils mit einer gemeinsamen Reise, was immer sehr schön ist», sagt Dätwyler. Auch das alle drei Jahre stattfindende eidgenössische Trychlertreffen ist für ihn immer ein Highlight – insbesondere freue er sich auf die abschliessenden Festumzüge, die mehrere Stunden dauern. Lachend fügt er hinzu: «Ich weiss gar nicht, wie die Zuschauer einen ganzen Umzug ertragen. Die Trychlen klingen ja immer gleich.» Zur Feier ihres 20-jährigen Jubiläums 2011 sei die Trychlergruppe nach Mayrhofen in Österreich gereist, erzählt der Dietiker weiter. «Und vor sieben Jahren waren wir am Cannstatter Volksfest in Stuttgart. Das ist ein Oktoberfest, einfach weitaus familiärer als das in München.» Der Umzug, an dem sie teilnehmen durften, habe sich über vier Kilometer erstreckt und sei ziemlich anstrengend gewesen, erzählt Dätwyler.

«An der Trychlergruppe gefällt mir vor allem das gesellige und gemütliche Zusammensein», sagt Dätwyler. «Wir sind alle gut befreundet und viele sind auch mit mir im Feuerwehrverein.» Besonders freut ihn auch, dass neben einem 90-jährigen Kollegen auch einige junge Gesichter in der Trychlergruppe dabei sind. Er ist sich sicher, dass die Tradition des Trychlens nicht etwa am Aussterben, sondern sogar am Wachsen sei: «Am eidgenössischen Trychlertreffen treffen wir stets viele Gruppen an, die jünger sind als wir», sagt er.

In diesem Jahr sei nicht viel gelaufen in der Trychlergruppe, erzählt Dätwyler. Die traditionelle Chalä-Chilbi, das jährliche Fest der Gruppe, musste aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden. «Das fand ich natürlich sehr schade, aber auch nachvollziehbar», sagt er. Das Fest bilde die Haupteinnahmequelle der Trychlergruppe, man müsse nämlich keinen Mitgliederbeitrag zahlen, erzählt Dätwyler. Auch der diesjährige Chlauseinzug sei bereits abgesagt.

Die Verzierungen auf der Glocke bedeuten viel

Stolz sieht Dätwyler aus, wenn er seine Trychle hält. Auf dem Band sind Edelweissblumen ­sowie ein Schweizer und ein ­Luzerner Wappen abgebildet. Letzteres erinnert an Dätwylers Herkunft. Auf der Schnalle sind zudem sein Name und die Jahreszahl 1991 eingraviert. «Das ist die Trychle, die ich schon seit dem Anfang habe», sagt er.

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